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Produkte und Kompetenz weltweit anerkannt
In keinem anderen europäischen Land werden mehr Gusserzeugnisse produziert als in Deutschland. „Deutsche Gussprodukte und die technologische Kompetenz der deutschen Gießereien sind weltweit anerkannt“, konstatiert Dr. Christian Wilhelm, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Gießereiindustrie (BDG) in Düsseldorf. Die Branche beschäftigt in rund 600 Eisen-, Stahl- und Nichteisen-Metallgießereien knapp 80.000 Mitarbeiter. Rund 95 % der Unternehmen beschäftigen bis zu 500 Mitarbeiter. Größere Betriebe machen lediglich 5 % der Gesamtbranche aus.
Die Werkstoffstruktur ist auf der Eisenseite einschließlich Stahlguss dominiert von Grauguss (56%) sowie Gusseisen mit Kugelgrafit (38 %). Auf Stahlguss entfallen 5 % der Gesamtfertigung. Tempergusskomponenten beanspruchen als hoch spezialisierter Nischenwerkstoff 1 % des Produktionsvolumens.
Im Bereich Eisen-, Stahl- und Temperguss waren Ende 2012 in Deutschland 207 fachliche Betriebsteile aktiv, in denen 44.400 Mitarbeiter beschäftigt waren. Insgesamt wurden 2012 rund 4,3 Mio. t Fe-Gusserzeugnisse im Wert von über 7,8 Mrd. Euro hergestellt sowie 0,93 Mio. t NE-Guss im Wert von 5,1 Mrd. Euro. Die Exportquote stieg von 37 % im Jahr 2011 auf 39 % im Jahr 2012.
Deutsche Gießer sind weltweit die Nummer 4
Deutsche Gießer sind weltweit die Nummer 4, nach China (41,3 Mio. t), den USA und Italien (je 10 Mio. t). „Auf dem europäischen Markt nehmen deutsche Gießereien die Spitzenposition ein, gefolgt von Italien, Frankreich und der Türkei“, freut sich Verbandsmanager Wilhelm. Rückgänge im Maschinenbau, speziell im traditionellen Werkzeugmaschinenbau kamen hinzu, ergänzte Werner.
Im Verlaufe des Jahres 2012 kam es insbesondere in der zweiten Jahreshälfte zu spürbaren Abschwächungen bei den Lieferungen an die Fahrzeugindustrie. Die Folge: Die Produktion reduzierte sich im Vergleich zum Vorjahr um 5,9 %. „Aller Voraussicht nach wird auch 2013 das Produktionsniveau des Vorjahres nicht erreicht werden können, da die im Verlauf des Vorjahres insbesondere bei Zulieferungen für den Fahrzeugbau einsetzende Schwäche, auch in den ersten vier Monaten des laufenden Jahres anhielt“, prognostiziert Wilhelm.
Eine wesentliche Herausforderung für die deutsche und europäische Gießereiindustrie ist Energieeffizienz. „Wir merken immer stärker die Konkurrenz aus europäischen Ländern, die mit weniger Energiekosten belastet sind und auch in puncto Stückkosten niedriger sind als Gießereien in Deutschland“, stellt Werner fest und ergänzt: „Zwar werden energieintensive Unternehmen von der EEG-Umlage deutlich entlastet, aber unser Problem ist derzeit, dass die EU versucht, diesen Vorteil auszuhebeln.“
Schwellenländer erhöhen den Wettbewerbsdruck
Für zunehmenden Wettbewerbsdruck sorgen Gießereiunternehmen aus den Schwellenländern, speziell aus China. „Mittlerweile hat China eine Produktionsgröße von rund 40 Mio. t Eisen-, Stahl- und Temperguss. Im Vergleich dazu kommt Deutschland gerade Mal auf 4 Mio. t“, so Werner. Inzwischen gibt es in China auch einige leistungsfähige Gießereien, die sich technisch weiterentwickelt haben und ernst zu nehmende Konkurrenten sind, nicht zuletzt auch deshalb, weil sie neben Lohnvorteile systembedingt noch weitere Vorteile haben.
„Die Preise für Gussprodukte aus China sind im Vergleich zu deutschen Gießereien je nach Qualität 20 bis 40 % niedriger“, weiß Werner. Er nennt die Auswirkung: „Mittlerweile exportiert China jährlich knapp 120.000 t Eisen-, Stahl- und Temperguss nach Deutschland. Verglichen mit unserem Produktionsvolumen von 40.000 t ‚ersetzen’ also die Exporte in Deutschland drei Gießereien unserer Größe.“ MM
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