VDMA Deutsche Offshoreindustrie kämpft um ihre Zukunft

Redakteur: Stéphane Itasse

Die Offshore-Windenergie-Branche fordert von der neuen Bundesregierung sichere Rahmenbedingungen. Die derzeitigen Förderregeln laufen Ende 2017 aus, was für die übliche Laufzeit der Projekte zu kurz ist, wie Thorsten Herdan, Vizepräsident der Stiftung Offshore-Windenergie und Geschäftsführer VDMA Power Systems, am Rande der Messe EWEA Offshore 2013 in Frankfurt am Main erläuterte.

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„Wir können Offshore, die Windparks laufen gut, aber wir können es nicht, wenn die Bedingungen unklar sind“, sagte Thorsten Herdan, Geschäftsführer VDMA Power Systems und Vizepräsident der Stiftung Offshore-Windenergie.
„Wir können Offshore, die Windparks laufen gut, aber wir können es nicht, wenn die Bedingungen unklar sind“, sagte Thorsten Herdan, Geschäftsführer VDMA Power Systems und Vizepräsident der Stiftung Offshore-Windenergie.
(Bild: Itasse)

„Offshore-Windenergie ist ein unverzichtbarer Baustein der Energiewende. Die neue Bundesregierung muss daher kurzfristig klare Rahmenbedingungen schaffen, um auf Industrieseite finale Investitionsentscheidungen auszulösen“, sagte Herdan weiter. Ansonsten sei das Ziel der in den Koalitionsverhandlungen als Ausbaupfad vorgesehenen 6,5 GW Offshore-Windparks bis 2020 nicht erreichbar. „Wenn nicht klar ist, wie die Rahmenbedingungen zum Zeitpunkt der finalen Investitionsentscheidung sind, wird sich keiner für eine Investition entscheiden.

Für Projekte bei der Offshore-Windenergie drängt die Zeit

Das Zeitfenster zum Erreichen der Ziele ist dabei relativ eng, wie Georg Friedrichs, Vattenfall Vice President Offshore Wind Developement, verdeutlichte: „In den nächsten sechs bis zwölf Monaten steht eine große Zahl an Projekten zur Entscheidung an. Die Bedingungen sind jedoch momentan nicht auskömmlich.“ Dabei sei eine große Zahl an Projekten entscheidend, um die Kostensenkungspotenziale zu erschließen. „Je mehr wir bauen, desto mehr kriegen wir die Kosten runter“, sagte er.

Dabei hat Deutschland in den vergangenen zehn Jahren eine beachtliche Offshore-Industrie aufgebaut, sowohl an der Küste als auch bei Zulieferern im Hinterland, wie Norbert Giese, Vizepräsident Offshore Development von Repower und stellvertretender Vorsitzender der Windenergie-Agentur Bremerhaven, berichtete. „Momentan steht die Branche mit etwa 18.000 Arbeitsplätzen und einem Umsatz von insgesamt rund 6 Mrd. Euro allerdings vor leeren Auftragsbüchern, weil die fehlende Klarheit über die zukünftigen politischen Rahmenbedingungen Investitionsentscheidungen derzeit nahezu unmöglich macht“, beklagte er. Sollte sich das nicht ändern, hält er eine schleichende Abwanderung der Branche nach Großbritannien oder in andere europäische Länder mit einer etablierten Offshore-Industrie für möglich. „Es wäre dumm, eine Industrie, die wir in zehn Jahren mühsam aufgebaut haben, in der wir am Weltmarkt führend sind, mutwillig zu zerstören“, mahnte Giese.

Neue Studien zeigen Potenzial von Offshore-Windenergie

Eine neue Studie (Download der Kurzfassung am Ende des Artikels) des Fraunhofer-Instituts für Windenergie und Energiesystemtechnik (IWES), die die energiewirtschaftlichen Eigenschaften der Offshore-Windenergie untersucht hat, belegt diese Bedeutung der Offshore-Windenergie: Aufgrund seiner sehr guten Kraftwerkseigenschaften sei Offshore-Windenergie im künftigen Energiesystem ein Garant für Versorgungssicherheit, Systemqualität und günstige Gesamtkosten. Windenergieanlagen auf dem Meer könnten zu beinahe jeder Stunde eines Jahres Strom liefern und vergleichbar hohe Betriebsstunden wie konventionelle Kraftwerke erreichen. Offshore-Anlagen produzierten an rund 340 Tagen im Jahr und ihre Stromerträge ließen sich gut vorhersagen. Die Anlagen könnten Regelleistung deutlich besser bereitstellen als andere, fluktuierende erneuerbare Energien und so einen wesentlichen Beitrag zur Stabilisierung des Stromsystems leisten. Ein konsequenter Ausbau der Offshore-Windenergie könne zudem die Kosten für Strom aus Offshore-Windenergie in den nächsten zehn Jahren um rund ein Drittel senken, wie eine weitere aktuelle Studie von Prognos und Fichtner zeige.

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