Denkernation am Ende? Deutschlands MINT-Bildung scheint zu straucheln

Quelle: Sthree 2 min Lesedauer

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Ist Deutschland, was die Ingenieurskunst angeht, bald am Ende? Noch kann man es nicht so genau sagen, aber vieles deutet darauf hin ...

Deutschland gerät als offenbar ehemalige Ingenieursnation Zug um Zug ins Hintertreffen. Das beginne schon bei der Grundbildung, was den MINT-Sektor anbelange. Sthree hat näher hingeschaut ...(Bild:  D. Njeper)
Deutschland gerät als offenbar ehemalige Ingenieursnation Zug um Zug ins Hintertreffen. Das beginne schon bei der Grundbildung, was den MINT-Sektor anbelange. Sthree hat näher hingeschaut ...
(Bild: D. Njeper)

Deutschland, einst als Ingenieursnation bekannt, stehe vor einer ernsthaften Herausforderung. Denn die MINT-Bildung (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) sei gefährdet. Laut dem aktuellen Sthree-„STEM Skills“-Report belegt Deutschland nämlich nur noch den 20. Platz in puncto Grundbildung. Das unterstreichen auch die alarmierenden PISA-Ergebnisse. Denn in der PISA-Studie im Jahr 2022 erzielte Deutschland das bisher schlechteste Ergebnis. Dafür waren die Auswirkungen der Corona-Pandemie, strukturelle Probleme im Bildungssystem sowie eine mangelnde sprachliche Unterstützung für nichtmuttersprachliche Schüler verantwortlich, wie man erklärt. In Mathematik und Naturwissenschaften schnitten deutsche Schüler besonders schlecht ab. Diese Defizite gefährden aber den Innovationsstandort Deutschland.

Die schwache Grundbildung falle Deutschland schwer auf die Füße

Im Report von Sthree belegt Deutschland insgesamt den 13. Platz. Während das Land in den Bereichen Ingenieurwesen (Platz 9) und Naturwissenschaft (Platz 14) gut abschneide, sitzt es im Technologiebereich nur auf dem 17. Platz. Die Schwächen offenbarten sich etwa in den Schlüsselbereichen Informatik und Softwareentwicklung. Aufgrund hoher Ausgaben in Forschung und Entwicklung, sowie vielen angemeldeten Patenten, erreicht Deutschland immerhin noch den 10. Platz in der Kategorie „Innovation“. Es bleibe jedoch abzuwarten, wie sich die schwachen Ergebnisse in der Grundbildung (Platz 20) in den nächsten Jahren auf die Innovationskraft in Deutschland auswirken würden. Der Fachkräftemangel in den MINT-Disziplinen hat sich nicht zuletzt durch die gesunkenen Erstsemesterquoten bereits verschärft, was vor allem im IT-Bereich deutlich wird, wie Sthree aufgedeckt hat. Auf Github, einer weltweit genutzten Softwareentwicklungs-Plattform, auf der gemeinsam an Programmierprojekten gearbeitet, Code veröffentlicht und sich dazu ausgetauscht wird, liege Deutschland bei der Anzahl seiner Aktionen nur auf Platz 21.

Ohne Fachkräfte kein technischer Fortschritt in Deutschland

Obwohl in zukunftsweisenden Branchen wie künstlicher Intelligenz (KI) oder Quantencomputing dringend Fachpersonal benötigt wird, gibt es in Deutschland nur vergleichsweise wenig Informatikabsolventen (Platz 19). Die schwächelnden Erstsemesterquoten könnten noch weiter fallen, wenn die Defizite in der Grundbildung den Zugang zu höherer Bildung erschwerten. Mit Platz 15 befindet sich Deutschland auch nur im Mittelfeld der „Opportunities“-Kategorie und gehört nicht zu den attraktivsten Standorten für MINT-Fachkräfte. Ohne qualifizierte Fachkräfte wird es aber schwierig, die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern und den technologischen Fortschritt voranzutreiben, wie es weiter heißt.

Deutschland muss im MINT-Sektor das Ruder herumreißen

Um Deutschlands Innovationskraft zu sichern und dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, sind sowohl Investitionen in Bildung als auch in die Attraktivität des deutschen Arbeitsmarktes notwendig, wie man anmerkt. Das umfasse aber eine gezielte Zuwanderungsstrategie, schnellere Visaverfahren, bessere Arbeitsbedingungen und wettbewerbsfähige Gehälter, um hochqualifizierte Arbeitskräfte nach Deutschland zu bringen. Gleichzeitig müssten die Mängel in den Basiskompetenzen behoben werden – durch umfassende Reformen der Grundbildung, moderne Lehrmittel und durch die gezielte Unterstützung nichtmuttersprachlicher Schüler. Länder, wie die USA und China, investieren aber parallel massiv in Bildung und Forschung, um ihre technologischen Vorreiterrollen auszubauen. Die bevorstehende neue PISA-Studie werde also entscheidende Einblicke in den aktuellen Zustand der MINT-Bildung in Deutschland erlauben. Aber angesichts der enttäuschenden Ergebnisse von 2022 und der strukturellen Defizite im Bildungssystem erwarten die Sthree-Experten leider keine signifikanten Verbesserungen.

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