Mass Customization Die Montage wird flexibler
Mass Customization bedeutet für die Produktion, dass sie sich auf eine immer größer werdende Variantenanzahl einstellen muss. Diese Anpassung an individuelle Kundenwünsche setzt sich bis in die Montage fort: Flexible Zellen ersetzen starre Linien.
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Welches Aussehen der Montageprozess in zehn Jahren haben wird und welcher Weg dorthin führt, suchte Prof. Andreas Syska, Experte für Produktion an der Hochschule Niederrhein in Mönchengladbach, auf der 8. Management-Circle-Jahrestagung zum Thema „Montage 2009“ in Stuttgart zu verdeutlichen. Er umriss das künftige Montageverfahren mit einem Hinweis auf bereits existente Merkmale: „Seine Elemente zeichnen sich heute ab: Mass Customization, Produktionsnetze, Betreibermodelle, digitale Fabrik, integrierte IT und natürlich auch das Thema Lean Production.“
Diese Konzepte und Ideen könne man analysieren und eine Projektion vornehmen, um daraus abzuleiten, wo man möglicherweise in zehn Jahren landen werde. Unübersehbar sei beispielsweise die anwachsende Welle der „Mass Customization“, ausgelöst durch eine zunehmende Variantenvielfalt und die Individualisierung von Kundenwünschen. Perspektivisch bedeute dies eine extrem flexible Montage mit der Veranlassung von Montageaufträgen durch den Kunden per Mausklick sowie der Abschaffung von Auftragsplanung und Montagesteuerung.
Flexible Montagezellen lösen starre Montagelinien ab
Die Wahrscheinlichkeit solcher Entwicklungen bestätigte Johann Kress, Werksleiter bei Siemens in Erlangen. Er erklärte den bereits einsetzenden Übergang von starren Montagelinien zu flexiblen Montagezellen anhand der Vorher-Nachher-Situation bei der Fertigung von Antrieben. „Wir haben gedacht, mit hochautomatisierten Linien werden wir einfach noch produktiver und effektiver“, erinnerte sich Kress. Heute setzt Siemens auf flexible Montagezellen in der fraktalen Fabrik. Obwohl miteinander verbunden, sind die Zellen eigenständig und unabhängig. Zwischen ihnen besteht eine Art Kunden-/ Lieferantenverhältnis, wobei ihre Führung auf der Basis von Zielgrößen erfolgt, die von den Geschäftszielen abgeleitet sind.
Stephan Göttsche, Geschäftsführer der Grundfos Pumpenfabrik in Wahlstedt, hob die Bedeutung der Qualitätskultur in der Montage hervor. Für die Mitarbeiter in der Montage seines Unternehmens gebe es zwanzig Handlungsfelder, die in der täglichen Arbeit umzusetzen seien, um die Qualität kontinuierlich zu verbessern. Dazu zählen die Erleichterung der Arbeit durch Ordnung, Sauberkeit und Disziplin ebenso wie die Strukturierung und Vereinbarung von Zielen.
Klares Engagement der Mitarbeiter gefordert
„Wir stellen verschiedene Anforderungen, die der Mitarbeiter nach Möglichkeit weitestgehend erfüllen sollte“, betonte Göttsche. Das schwanke selbstverständlich von Gruppe zu Gruppe, denn die Entwicklungsstände bei der Gruppenarbeit in zwei Schichten seien doch recht unterschiedlich. Aber man wolle erreichen, dass die Mitarbeiter sich im Rahmen der zwanzig Handlungsfelder eindeutig engagieren. Das führe letztlich auch zu einer flexiblen, qualitätsbezogenen Prozessorganisation, bei der die Montage einer bestimmten Baureihe an die direkte Komponentenfertigung gekoppelt ist.
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