Durchstarten 2021 „Die Pandemie zeigt, dass der Markt nicht alles reguliert“

Redakteur: M. A. Benedikt Hofmann

Jürgen Henke, Geschäftsführer und Gesellschafter von Metallwerke Renner, sieht große Herausforderungen für die Industrie, die mit einer positiven Einstellung aber bewältigt werden können.

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Jürgen Henke ist Geschäftsführer und Gesellschafter der Metallwerke Renner GmbH.
Jürgen Henke ist Geschäftsführer und Gesellschafter der Metallwerke Renner GmbH.
(Bild: Metallwerke Renner)

Herr Henke, bitte beschreiben Sie das allgemeine Stimmungsbild in Ihrem Unternehmen.

Das Stimmungsbild sehe ich weitestgehend unverändert. Das Bild im Betrieb ändert sich zwar durch Mund- und Gesichtsschutz, jedoch geht die Arbeit weiter wie zuvor. Durch die gute Auftragslage ist man auf seine Aufgabe konzentriert und ist sensibilisiert, das Hygienekonzept einzuhalten. Das spiegelt sich positiv darin wider, dass wir bisher ohne Corona-Fall durchgekommen sind. Das stärkt allen Mitarbeitern das Vertrauen in die Maßnahmen und verhindert eine Unsicherheit oder Spannungen. Die Kombination aus hohem Auftragsbestand und guter Stimmung lässt uns gut durch diese schwierige und außergewöhnliche Zeit kommen.

Welche Herausforderungen treten in Ihrem Unternehmen während der COVID-19-Krise auf?

Durch Corona sind viele Unsicherheiten auf dem Markt vorhanden. Dies betrifft kleine Unternehmen sowie Konzerne. Aktuell ist die Rohstoffknappheit in aller Munde. Stahl, Pappe und Epoxidharze sind wichtige Rohstoffe, die eine breite Palette an Einkaufsmaterialien verzögern sowie deutlich verteuern. Die Herausforderung besteht darin, sich permanent auf die verschiedenen und neuen Situationen vorzubereiten sowie Lösungen oder Konzepte innerhalb kürzester Zeit umzusetzen. Als Geschäftsführer sehe ich mich als Vorreiter für das Verhalten, so habe ich bereits Masken weit vor der Verordnung getragen.

Wie wirken sich diese Probleme auf Ihre eigene Arbeit aus?

Die Probleme bringen etwas Hektik in das Arbeitsleben. Um Versorgungsengpässe im Unternehmen zu vermeiden, werden alle Beschaffungsmaterialien wesentlich genauer überprüft. Hinzu kommt die Sorge, die Materialien nicht just in time beziehen zu können. Der Arbeitsablauf wird verändert. In dieser Zeit sind vor allem Veränderungen in Prozessen notwendig, die vor allem durch sehr viel Kommunikation vorangebracht werden. Mitarbeiter müssen mitgenommen werden, um mögliche Ängste zu nehmen.

Werden wir wieder zu einem „Normalzustand“ wie vor der Krise zurückkehren oder werden sich Prozesse und Abläufe künftig dauerhaft ändern?

Da Menschen Gewohnheitstiere sind, gehe ich davon aus, dass wir sehr schnell wieder in viele alte Gewohnheiten zurückkehren werden. Allerdings hat die Pandemie gezeigt, dass gewachsene Strukturen aufgebrochen werden können, ohne dass die Prozesse darunter leiden. Dem Thema Digitalisierung kommt eine höhere Bedeutung zu. Besonders im Bereich der Digitalisierung hat auch die Regierung mitbekommen, dass Verbesserungspotenzial besteht. Die Arbeitswelt wird auch nach der Corona-Krise verstärkt auf Online-Meetings und Cloud-Dienste setzen. Wir überlegen mehr, ob wir wirklich zu einem Kunden fahren oder fliegen müssen. Das Thema Homeoffice wird ebenfalls intensiviert, wodurch gleichzeitig Büros entlastet werden und ein positiver ökologischer Effekt eintritt.

Welche Lerneffekte haben Sie aus der Krisensituation mitgenommen und fühlen Sie sich für die Zukunft gewappnet?

Mein Lerneffekt ist, dass die Pandemie uns klare Grenzen aufzeigt. Sie zeigt auch, dass der Markt nicht alles reguliert. Wir können uns nicht nur auf den Staat verlassen und nach Hilfe rufen. Wir müssen immer das Heft des Handelns in der Hand halten. Die Corona-Krise hat wie nichts anderes seine Spuren hinterlassen, die auch in vielen Jahren noch spürbar und sichtbar sein werden. Eine zielgerichtete und auf sich ändernde Umstände vorausschauende Arbeitsweise ist aber nicht nur durch Corona nötig. Die Arbeitswelt hat einige Stolpersteine auf dem Weg. Die Corona-Krise fügt sich in den Lernprozess somit nur ein. Man sollte immer bereit für Veränderungen oder Optimierungen sein, sich Gedanken über alternative Abläufe machen. Und das am besten in einer Zeit, wenn alles bestens läuft, bereits einen Schritt weiter sein, um in der Krisensituation gewappnet zu sein.

Gibt es positive Aspekte, die Sie für Ihren Arbeitsalltag aus der Covid-19-Krise mitnehmen?

Unter diesen schwierigen Bedingungen konnten wir wertvolle Erkenntnisse sowie Erfahrungen, insbesondere mit Homeoffice – unter anderem im Schichtsystem im Vertrieb – als Alternative sammeln. Alle Mitarbeiter sind sehr verantwortungsvoll mit der neuen Situation und der Kontaktbeschränkung umgegangen und haben somit kühlen Kopf bewiesen. Ich fühle mich jetzt bereit, Online-Meetings als Teil meiner Arbeitsweise zuzulassen. Vor der Corona-Krise war ich persönlich noch nicht gut darauf vorbereitet.

Welchen Herausforderungen abseits von der Covid-19-Krise sehen Sie sich in Ihrem Arbeitsalltag derzeit ausgesetzt?

Die Schnelligkeit, die notwendig ist, um mit dem Markt Schritt zu halten, nimmt immer mehr an Fahrt auf. Hier mitzuhalten ist nur möglich, wenn ständig optimiert und auch investiert wird. Wer mit dem nicht Schritt halten kann, wird irgendwann nicht mehr konkurrenzfähig sein. Im Moment ist ein riesiges Angebot an innovativen digitalen Technologien auf dem Vormarsch, die das Leben in den nächsten Jahrzehnten maßgeblich verändern werden. Im Bereich der Digitalisierung sind wir mit einigen großen Projekten beschäftigt. Das fängt mit neuer Homepage an, Überarbeitung des Webshops, Aktivitäten im Social-Media-Bereich, Medienportal und endet mit den Vorbereitungen zu unserem 100-jährigen Jubiläum im Jahr 2023.

Wie hat sich Ihre Arbeit in den vergangenen Jahren verändert?

Die Aufgabenvielfalt nimmt zu und damit leider auch die Bürokratie. Sie sollte jedoch in einem organisatorisch umsetzbaren Umfang erfolgen. Doch es kommen immer neue Gesetze hinzu, die zu neuen Meldungen führen. Wir müssen gemäß Verpackungsgesetz melden, welche Verpackungsmengen eingesetzt werden. Allein diese Werte zu ermitteln, stellt Unternehmen vor eine schwierige Aufgabe, da die Auswertbarkeit nicht ohne komplizierte Auswertungen möglich ist.

Zu beobachten ist auch, dass in Zeiten kostenloser Lieferungen seitens Amazon und vielen anderen Unternehmen das Verständnis nicht mehr vorhanden ist, wenn Lieferungen nicht innerhalb weniger Tage erfolgen. Jeder scheint zu glauben, dass sämtliche Materialien in unbegrenzten Mengen auf Lager liegen. Entweder muss sich das ändern oder, wenn es der Markt erfordert, müssen unsere Produkte auf Lager gefertigt werden, dass es auch für unsere Produkte ähnliche Lieferzeiten wie bei Amazon gibt. Dies führt wieder zum Punkt Schnelllebigkeit und Innovation. Wer nicht in neue Technologien investiert, wird nicht schnell genug arbeiten können, um rechtzeitig zu reagieren.

Wie überzeugen Sie Berufsanfänger von Ihrem Arbeitsgebiet?

Indem ich über die abwechslungsreichen Tätigkeiten informiere. Es ändern sich ständig Dinge, auf die das Unternehmen angepasst wird. Man ist ständig neuen Herausforderungen ausgesetzt. Diese zu lösen ist der Anreiz, diese Tätigkeit auszuüben. Grundsätzlich haben wir breit gefächerte Berufe. Und aufgrund unserer Unternehmensgröße ist das Aufgabengebiet je Mitarbeiter ohnehin recht groß. Das merken schon Praktikanten, die wir jedoch aktuell aufgrund der Pandemie nicht im Einsatz haben.

Welche persönlichen Worte möchten Sie Ihrer Branche und Ihrem Unternehmen mit auf den Weg geben?

Ich bin ein positiv denkender Mensch. Meine Empfehlung wäre, positiv nach vorne zu blicken! Jeder weiß, dass wir uns in einer schwierigen Zeit befinden. Hier ist aber Optimismus statt Pessimismus gefragt, natürlich unter realistischem Gesichtspunkt. Wenn alle positiv nach vorne schauen, anstatt ständig zu wehklagen, lassen wir die Pandemie schneller hinter uns. Humor, Lachen und eine gewisse Lockerheit dürfen nicht auf der Strecke bleiben.

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