Unternehmensstrategie

Die wirtschaftliche Krise gestärkt überwinden

Seite: 2/2

Anbieter zum Thema

Auch Maier gibt zu bedenken: „Die technologischen Möglichkeiten nehmen innerhalb kürzester Zeit drastisch zu und der Wettbewerb wartet nicht.“ Dennoch weiß er, dass das natürlich eine riesige Herausforderung ist – vor allem auch für kleinere Unternehmen, denen in der Regel weniger personelle Ressourcen zur Verfügung stehen. Die digitale Transformation in der Fertigungsindustrie betrifft zudem alle Bereiche im Unternehmen – von der Fertigung bis zu den Finanzen. „Jeder ist also gut beraten, sich geeignete Partner zu suchen und sich vom ‚Not-invented-here-Syndrom’ zu lösen. Das heißt, offene Standards und vorgefertigte Software, wie Lenzes Fast-Bibliothek, zu nutzen. Vor allem in der Softwareentwicklung ist schließlich Wiederverwendung einer der wichtigsten ‚Produktivitätshebel’. Deshalb wurde ja auch die Objektorientierung erfunden.“

Schnell und agil auf neue Entwicklungen reagieren

Bevor es an die Umsetzung geht, empfiehlt Maier allerdings jedem Unternehmen, für sich diese drei Fragen zu beantworten:

  • Digitalisierung ist kein Selbstzweck. Wo liegt der größte Nutzen für mein Unternehmen und/oder für meine Kunden?
  • Habe ich die richtigen Kompetenzen an Bord beziehungsweise wie beschaffe ich sie mir angesichts des Fachkräftemangels?
  • Daten sind „das neue Öl“ der Digitalisierung. Dieses kann jedoch verschmutzt sein. Analog dazu muss ich fragen, ob die notwendigen Daten in hinreichender Qualität verfügbar sind oder ob ich sie vorher einmal ordentlich aufräumen muss!

Dann gelte es schnell und agil zu lernen – also mit einem fokussierten Ausprobieren vorzugehen und dabei auf die deutsche analytische Gründlichkeit eher zu verzichten. Fehlschläge sieht der IT- und Softwareexperte Maier pragmatisch: „Try, fail fast – try again! Das erste richtig große Softwareprojekt wird fast sicher gegen die Wand fahren... Ich weiß, wovon ich spreche. Aber keine Sorge, die gesamte Branche steckt noch in den Kinderschuhen.“

Forcam hat anhand der eigenen Geschichte gezeigt, dass es mit flexibler und agiler Arbeit wirklich funktioniert, sich auf neue Entwicklungen schnell einzustellen. Eine Phase geringerer Auslastung ist für den Start ein idealer Zeitpunkt. „Wenn es abteilungsübergreifend gelingt, alle Produkt-, Liefer- und Serviceketten digital basiert effizienter und innovativ zu gestalten, wird das Unternehmen insgesamt werthaltiger. Am Ende zahlt sich eine höhere Rendite in größerer Zukunftsfähigkeit aus“, weiß Gruber. Dass Industrie 4.0 hierbei eine zentrale Rolle spielt, bestätigt auch Horst Maywald, Senior Advisor der Elabo GmbH: „Wir sind der Meinung, dass wir ohne die Umsetzung einer Industrie-4.0-Strategie und den Einsatz der Digitalisierung langfristig mit unseren Produkten keine Überlebenschancen haben.“

Fachkräfte halten und weiterbilden

Wie PwC in seiner Umfrage festhält, gehen allerdings auch 38 % der Befragten davon aus, die Personalkosten im kommenden Jahr zu senken, obwohl zugleich 58 % den Fachkräftemangel als Hindernis für ihr Unternehmenswachstum angeben. Der Präzisionswerkzeug-Hersteller Emuge Franken entschied sich bereits in der Krise 2009 dafür, in die Weiterbildung seiner Mitarbeiter zu investieren. Aufgrund der damals positiven Erfahrungen hat die Geschäftsführung deshalb nun erneut Projekte gestartet. So nutzt das Unternehmen die Zeit niedriger Arbeitsauslastung für Qualifizierungsmaßnahmen, um Mitarbeiter zukünftig an höherwertigen Arbeitsplätzen einsetzen zu können. Außerdem werden Weiterbildungen zur Qualitätsverbesserung der Produkte angeboten. Gerhard Knienieder, Geschäftsführer von Emuge Franken, weiß, dass bei Vollauslastung Schulungen und Weiterbildungen manchmal zu kurz kommen. „Durch die genannten Maßnahmen wird statt Kurzarbeit die Kompetenz der Mitarbeiter erhöht. Das zahlt sich sofort aus und erhöht zudem die Produktivität in späteren Zeiten der Vollauslastung. Die Mitarbeiter haben zudem den Vorteil, dass der Verdienstausfall durch Kurzarbeit reduziert beziehungsweise ganz vermieden wird.“

Auch das Unternehmen Andreas Maier GmbH & Co. KG (AMF) blickt optimistisch gelassen ins neue Jahr und sieht von personellen Maßnahmen ab. Trotz der vorsichtigen Planung potenzieller Kunden setzt man auf das weiterhin starke Wachstum der eigenen neuen Produkte und investiert sowohl in die eigene Fertigung und Digitalisierung als auch in die Mitarbeiterqualifikation. Zudem hält AMF an der Ausbildungsquote von 10 % der Mitarbeiter. „So wollen wir mit Optimismus, Mut und Strategie wieder in die Wachstumsspur zurückfinden“, erklärt Johannes Maier, geschäftsführender Gesellschafter.

Aus der vergangenen Krise und der jetzigen können Unternehmen stetig lernen, denn gerade durch die angespannte Weltpolitik mit Handelskonflikten, dem Brexit, aber auch energie- und klimapolitischen Herausforderungen kann die wirtschaftliche Situation auch zukünftig schnell in die eine oder andere Richtung kippen.

(ID:46312167)