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Unternehmensstrategie Die wirtschaftliche Krise gestärkt überwinden

| Autor: Stefanie Michel

Die Auftragseingänge in der Industrie sinken, doch das ist kein Grund pessimistisch in die Zukunft zu blicken. Gerade jetzt gilt es Maßnahmen zu ergreifen, um gestärkt aus der Krise zu kommen. Wir zeigen Ihnen Beispiele.

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Um eine wirtschaftliche Krise zu überwinden, können Unternehmen Maßnahmen ergreifen, die ihnen in der Phase des Aufschwungs einen Vorsprung ermöglichen und sie krisenfester machen.
Um eine wirtschaftliche Krise zu überwinden, können Unternehmen Maßnahmen ergreifen, die ihnen in der Phase des Aufschwungs einen Vorsprung ermöglichen und sie krisenfester machen.
(Bild: ©dmitry_dmg - stock.adobe.com)
  • Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, die Industrieverbände und auch Umfragen erwarten ein wirtschaftlich schwieriges Jahr 2020.
  • Unternehmen können passiv Unterstützung fordern, aber auch aktiv die Krise als Chance für ihr Unternehmen nutzen, wie einige Beispiele zeigen.
  • Wichtig ist, dass Fertigungsunternehmen sich mit Möglichkeiten auseinandersetzen, um ihre Produktivität zu steigern. Das reicht von Maßnahmen zur Digitalisierung bis hin zu Mitarbeiterqualifikation.
  • Kann man sich dann durch agile, flexible Arbeitsweise auf neue Entwicklungen schneller einstellen, lassen sich auch zukünftige Krisen einfacher meistern.

Die Zeichen stehen auf Abschwung, viele Analysten sprechen von Krise: Der Start ins neue Jahr sieht für den Maschinen- und Anlagenbau alles andere als rosig aus. Viele Unternehmen hatten in den letzten Monaten 2019 aufgrund einbrechender Aufträge bereits Kurzarbeit beantragt und die Erwartungen für 2020 fallen nicht besser aus. Sowohl die Verbände VDMA, VDW und ZVEI als auch der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung gehen von einer zunächst anhaltenden wirtschaftlichen Flaute in der deutschen Industrie aus.

Nach vielen Jahren des wirtschaftlichen Aufschwungs und zuletzt äußerst hoher Auslastung in den Fertigungsbetrieben war es naheliegend, dass sich früher oder später die Auftragskurve wieder nach unten bewegt. Das und die globale wirtschaftliche Abschwächung sind Gründe dafür, dass der Sachverständigenrat bisher nicht von einer tiefergehenden Rezession ausgeht – auch wenn sich diese Situation voraussichtlich bis ins kommende Jahr hinziehen wird.

Weniger optimistisch sehen das Führungskräfte im deutschen Maschinenbau, wie die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft Pricewaterhouse Coopers (PwC) in ihrem aktuellen Maschinenbau-Barometer zeigt: So erwarten die Befragten insgesamt einen Umsatzrückgang von 4,2 %. Dies sei die schlechteste Prognose aller bisherigen Erhebungswellen. Erstmals seit Beginn des Barometers im Jahr 2014 liege auch die Erwartung der Manager für das jeweils eigene Unternehmen im Minusbereich: Die Befragten rechnen mit 1,2 % weniger Umsatz in 2020 als im Vorjahr. „Die Talsohle der Entwicklung steht uns noch bevor“, so Dr. Klaus-Peter Gushurst, Leiter des Bereichs Industries & Innovation bei PwC. Zudem blickten die Befragten erstmals offen pessimistischer auf die deutsche Konjunkturentwicklung als auf die globale (38 % zu 34 %).

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Zeit, um Unternehmen neu oder besser aufstellen

Die Finanzkrise 2009 hat vielen Industriebetrieben gezeigt, dass man gewappnet sein muss für solche Situationen. In einer globalisierten Wirtschaft können sich Rahmenbedingungen beispielsweise durch politische Entscheidungen oder veränderte Wettbewerbsbedingungen schnell ändern. Ob ein Plan vorliegt oder nicht: Eine solche Krise zwingt die Unternehmen zum Handeln – sei es Überstunden abzubauen, Kurzarbeit anzumelden oder Maßnahmen für interne Umstrukturierungen und Prozessverbesserungen zu ergreifen. Man kann lamentieren, staatliche Unterstützung fordern. Oder man kann in solchen Krisen eine Chance sehen, um sich für die Zukunft besser oder neu aufzustellen.

Ein Unternehmen, das diesen Weg bereits während der Finanzkrise nach der Lehman-Pleite ab 2008 gegangen ist, ist Forcam. Der Softwareanbieter stellte bis dahin weitgehend geschlossene MES-Lösungen für Industrieunternehmen zur Verfügung. Doch in der Krise hat man sich für einen kreativen Prozess entschieden und sich beinahe neu erfunden. „Wir hatten gemerkt, dass die neuen technologischen Möglichkeiten viele Chancen für unsere Kunden bieten. Deshalb haben wir alles infrage gestellt und uns in die Lage der Kunden versetzt, um eine Lösung zu erarbeiten, die alle Anforderungen des neuen Cloud-Zeitalters erfüllt“, berichtet Franz Gruber, CEO von Forcam. Entstanden ist daraus die erste schlüsselfertige, cloudfähige IIoT-Plattform für die Fertigungsindustrie. Laut Gruber zahlt sich das heute aus: Immer mehr Unternehmen erkennen, dass sie nur mit einer offenen und flexiblen IT-Plattform Herr im eigenen Haus bleiben und an den Geschäftsprozessen der Zukunft teilnehmen können. Deshalb rät Gruber Unternehmen, eine Krise immer auch als Chance zu nutzen: „Schwächt sich zum Beispiel die Konjunktur ab, ist es ratsam, die Zeit zu nutzen und in effizientere Strukturen sowie in Produktinnovationen zu investieren. Zieht die Konjunktur wieder an, können Unternehmen am Markt umso mehr Gas geben und Erfolg haben.“

Die Digitalisierung in Angriff nehmen

Auch klassische Fertigungsunternehmen fordern einen solchen Weg, wie beispielsweise Lenze zeigt. „Mit dem Nachlassen der wirtschaftlichen Dynamik ist jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen, das Augenmerk wieder auf die Steigerung der Produktivität zu legen und sich mit neuen Konzepten auseinanderzusetzen“, erklärt Frank Maier, CTO der Lenze SE. Damit spielt er auf die Digitalisierung an, die nun beweisen könne, dass sie einen Effizienzgewinn sowohl für das eigene Unternehmen als auch für die Kunden bringt.

Allerdings muss zügig gehandelt werden. Verschiedene Umfragen in der letzten Zeit haben bereits deutlich gemacht, dass die Digitalisierung für Deutschland auch zu einem strukturellen Problem wird, wenn hier die Investitionen nicht steigen. Doch auch jedes einzelne Unternehmen muss sich mit Industrie 4.0 auseinander setzen und handeln. Wer zu lange an bisherigen Geschäftsmodellen festhält, gerät in Gefahr, schnell abgehängt zu werden.

Doch viele Unternehmen tun sich schwer damit, denn sinkenden Einnahmen folgen in der Regel auch Einsparungen – sei es bei den Personalkosten oder bei Investitionen. „Unternehmen drosseln die Produktion und werden perspektivisch Kostensenkungsprogramme und Restrukturierungen implementieren. Allerdings warne ich davor, einen unüberlegten Investitionsstopp ins Auge zu fassen“, gibt Gushurst von PwC zu bedenken. Laut PwC-Maschinenbau-Barometer beabsichtigen tatsächlich 23 % der befragten Maschinenbauer, ihre Investitionen im ersten Quartal 2020 zu reduzieren – der höchste Wert seit 2014. Gushurst warnt jedoch vor den Risiken, denn das könne die internationale Innovations- und Qualitätsführerschaft bedrohen.

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Über den Autor

 Stefanie Michel

Stefanie Michel

Journalist, MM MaschinenMarkt