PVC-Plastisolverarbeitung

Diese Vorteile bringt die smarte Fünfer-Tropfenapplikation dem Autobau

Seite: 2/2

Firmen zum Thema

Kurze Reaktionszeit erlaubt randscharfen Auftrag

Ein robotergeführter Applikator trägt dabei die Tropfen in variablen Größen von 1 bis 1,5 mm in hoher Frequenz auf das Bauteil auf. Daraus resultiert eine sehr kurze Reaktionszeit von nur 1 ms, so Leonhardt. Bei dynamischen Robotergeschwindigkeiten von 50 bis 600 mm/s seien Richtungsänderungen nun kein Problem mehr. Auch in diesen Grenzbereichen ist eine präzise Applikation mit randscharfen Konturen nun problemlos möglich, ergänzt der Entscheider. Während bei konventionellem Materialauftrag in Kurven oft zu wenig PVC an die Außenseite und zu viel an die Innenseite gelange, werde das Material mit dem neuen Verfahren auch bei Richtungsänderungen gleichmäßig aufgetragen. „Selbst komplexe Nahtgeometrien mit Einschnürungen, Lücken und Nahtüberlappungen werden qualitativ und optisch hochwertig ausgeführt“, unterstreicht Leonhardt.

Drastisch vergrößerter Applikationsabstand hilft sehr

Vor allem bei komplexen Bauteilgeometrien spiele das neue Verfahren seine Vorteile aus. Der Abstand zwischen Applikator und Bauteil kann zum Beispiel 5 bis 80 mm betragen, in Sonderfällen sogar mehr als 100 mm – und nicht nur 3 bis 5 mm, wie es beim konventionellen Dichtstoffauftrag der Fall ist. „Der Applikationsabstand kann also um bis zu 25 mal größer sein. Das sind Welten!", lässt der Atlas-Copco-Experte wissen. Denn der wesentlich größere und vor allem variable Abstand vereinfache die Roboterprogrammierung und auch die Zugänglichkeit zum Bauteil. Dabei hilft es auch, dass die Düsen vergleichsweise schräg zur Applikationsfläche stehen können, um die Tropfen in verschiedenen Winkeln, ziehend oder stechend aufzubringen, heißt es weiter. „Beim üblichen Auftrag brauchen wir einen rechten Winkel“, erklärt Leonhardt, „Bei IDDA.Seal sind Abweichungen von der Senkrechten um bis zu 25° dagegen kein Problem – die Geometrie der Naht bleibt unverändert. So kommen wir mit erheblich weniger Roboterprogrammierpunkten aus.“

Bildergalerie
Bildergalerie mit 8 Bildern

Smartes PVC-Applikationsverfahren läuft schon in Serie

Und IDDA.Seal bringt noch weitere Pluspunkte mit sich: Die randscharfe Applikation macht viele Schablonen überflüssig und das eingesparte PVC dient außerdem dem Leichtbau. „In modernen Fahrzeugen werden mehrere Kilogramm PVC aufgetragen“, merkt Olaf Leonhardt dazu an. Davon nur noch die Hälfte zu brauchen, bringt also schon was.

Atlas Copco hat das neue Verfahren für höchste Auftragsqualität bei gleichzeitig kürzerer Fertigungszeit entwickelt und IDDA.Seal zum Patent angemeldet. Seit kurzem läuft die intelligente, dynamische Tropfenapplikation für das automatisierte Abdichten in der Audi-Serienfertigung in der Lackiererei am Standort Gyõer in Ungarn, so Leonhardt. Das Verfahren soll zukünftig an weiteren Audi-Standorten und neben der Feinnahtabdichtung kosmetischer Nähte auch für Grobnahtabdichtungen eingesetzt werden.

(ID:46276660)