Kristallisationswärme Eiskalt heizen mit unterirdischem Eisspeicher

Redakteur: Jürgen Schreier

Sogar mit Eis lässt sich heizen. Konkretes Anwendungsbeispiel dafür ist ein Eisspeicher unter dem soeben renovierten Stuttgarter Stadtarchiv. Bei Bedarf kann das Eisspeicher-System auch zum Kühlen verwendet werden.

Das frisch sanierte Stuttgarter Stadtarchiv zeigt, dass sich auch mit Eis heizen lässt. Nach einem Bericht des Magazins Technology Review befindet sich unter dem Gebäude ein Tank mit 385 m³ Wasser. Im Winter entzieht ein Wärmetauscher dem 0 bis 10 °C kalten Wasser Energie. Dadurch beginnt es zu gefrieren und gibt dabei Kristallisationswärme ab.

Von einer Wärmepumpe umgewandelt, lässt sie sich zum Beheizen der Räume und zum Aufbereiten des Warmwassers nutzen.

Eisspeicher kann auch als Energiepuffer dienen

Im Herbst und im Frühjahr schwanken die Außentemperaturen oft so stark, dass man nachts heizen und tagsüber kühlen muss. Hier kann der Eisspeicher als Energiepuffer dienen. Nachts wird ihm zum Heizen Wärme entzogen, tagsüber wird die so erzeugte Kälte zum Kühlen benutzt.

Da der Eisspeicher ohnehin bei niedrigen Temperaturen arbeitet, braucht er nicht aufwendig gegen Wärmeverlust isoliert zu werden. Das System liefert 160 kW Heiz- und 85 kW Kühlleistung.

Eisspeicher wurde von Isocal entwickelt

Eine Schwierigkeit musste die Friedrichshafener Firma Isocal, die das System entwickelt und installiert hat, dabei allerdings überwinden: Wenn Wasser friert, dehnt es sich aus und kann seinen Behälter sprengen. Die Ingenieure lösten das Problem, indem sie die Wärme aus der Mitte des Tankbodens abführen. So friert das Eis von innen nach außen und von unten nach oben.

Isocal-Speicher kann Eisdruck stets ausweichen

Zudem ist der Speicher nur zu 90% gefüllt und wird so eingestellt, dass an seinen Rändern stets flüssiges Wasser erhalten bleibt. Auf diese Weise kann es dem Eisdruck stets ausweichen, ohne den Behälter zu belasten.

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