Friedrichstadt-Palast

Ende einer technischen Ära – aufwendiger Umbau der riesigen Trafostation aus der DDR-Bauzeit

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700 bis 800 kWh in Spitzenzeiten

Die sogenannte Niederspannungshauptverteilung (NSHV) verteilte drei Jahrzehnte zuverlässig den Strom ins Haus. In Spitzenzeiten waren dies 700 bis 800 kWh pro Stunde. Die schwarzen Flachlasttrennschalter (FLTA) mussten nur im Notfall zur Abschaltung der silbernen Technikhöhle betätigt werden.

Konsequent ragen die sechs kupferfarbenden Hochspannungs-Leistungsschalter zur Kellerdecke. Die mit Öl befüllten Umhüllungen bestanden aus harzgetränktem Hartpapier zur optimalen Isolierung. Wären diese nicht vorhanden gewesen, könnte der entstehende Lichtbogen beim Ausschalten gegebenenfalls nicht mehr beherrscht werden. Die Hochspannungs-Leistungsschalter können die millionenfache Leistung einer üblichen Haushaltssicherung mühelos beherrschen und führten bis zu 10.000 V durch ihre Kontakte.

Die Hüter des Palastes

Wie zwei Felsen in der Brandung hüten Elektrotechnik-Chef Andreas Horn und Elektriker Paul Karlsch nicht ohne Stolz die riesige Trafostation aus der DDR-Bauzeit. Insgesamt 58 Jahre (28 + 30) sind die beiden nunmehr am Friedrichstadt-Palast tätig und behalten in der verwirrenden Schaltervielfalt den Durchblick. Paul Karlsch zog vor der Eröffnung auch einen Großteil der mehr als 100 km umfassenden Kabelorgie mit ein.

Zuverlässige Technik aus DDR-Tagen. Das Schutzrelais unterschied den Fehlerfall vom Normalbetrieb. Im Notfall trennte der Leistungsschalter das fehlerhafte Netzsegment vom restlichen Versorgungsnetz. So blieb der Friedrichstadt-Palast vor den Auswirkungen des Fehlers geschützt.

Fallklappenrelais zeigten Störungen an

Schraube locker? Keinesfalls. So unschuldig die rosafarbenen Keramikteile aussehen, so komplex waren ihre Aufgaben. Sie hielten den Laden zusammen und stellten die Spannung für unzählige Anzeigeelemente in den Katakomben des Friedrichstadt-Palastes bereit.

Insgesamt 50 Fallklappen-Relais zeigten Störungen an und änderten ihre sonst weiß-farbenen Zacken im Notfall in rot. Wurde der Fehler behoben, so wurden die Zacken wieder weiß, blieb er bestehen, so blieb er bis zur Fehlerbehebung schwarz. Schwarz-weiß-Denken mal anders!

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