Elektrische Ausrüstung

Erst die Lösung, dann das Kabel

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Die Grenzen liegen nur im Preissegment, denn Sonderlösungen können teuer sein. „Man kann davon ausgehen, dass Kunden für Kabel maximal 1% des Umsatzes einsetzen“, rechnet Dipl.-Ing. Harald Tebbe, Leiter des Produktmanagements und der Produktentwicklung der Stuttgarter Lapp GmbH, vor. „Wir erarbeiten gerade Lösungen, um Kabel mit einer lebenslangen Gewährleistung anzubieten. Das heißt, das Kabel soll so lange halten, wie die Maschine hält.“

Bei maximaler Ausfallsicherheit wird der Preis zur Nebensache

Die Frage für den Anwender ist also: Wie groß und wie teuer ist das Risiko? Und: Ist der Einsatz einer Sonderlösung preiswerter als das Ausfallrisiko? Wenn die Gefahr des Kundenverlustes besteht, kann das Risiko für einen Hersteller so hoch sein, dass der Preis zum Schluss gar nicht mehr wichtig ist.

Dieser Meinung ist auch Hansjörg Struwe: „Kunden zahlen für Sonderleistungen sehr viel Geld, weil diese immer besser sind. Es mag sich teuer anhören, aber wenn man bedenkt, dass eine Maschine Millionen kostet und Ausfall- oder Standzeiten nochmals mehrere Hunderttausend Euro, dann sind die Kosten für hochentwickelte Kabel vernachlässigbar gering.“

Inbegriffen sind in diesem Preis allerdings nicht nur die Kabel und dazugehörigen Komponenten, sondern auch ein umfangreiches Prüfmanagement nach nationalem und internationalem Standard. Insbesondere die seit einiger Zeit vorgeschriebene Halogenfreiheit ist ein wunder Punkt. Isoliermaterialien sollen halogenfrei sein, was zur Folge hat, dass nicht mehr alle Kunststoffe immer und überall einsetzbar sind oder erst aufwändig compoundiert die gleichen Eigenschaften erreichen. „In der Produktion haben wir ein Brandhaus“, erklärt Harald Tebbe. „Hier werden Tests des Brandverhaltens der verschiedenen Materialien vorgenommen. Kunststoffe sollen bei Halogenfreiheit dennoch nicht brennen, da das Halogen durch andere Flammhemmer substituiert, also ersetzt wird. Das Material muss im Brandfall von selbst verlöschen. Daneben ist der Funktionserhalt in verschiedenen Bereichen der Industrie vorgeschrieben.“

Beim Funktionserhalt hält das Isoliermaterial im Brandfall die Funktion des Kabels trotz extrem hoher Außentemperaturen eine festgelegte Zeit aufrecht, so dass der Bediener noch lebens- oder materialnotwendige Funktionen an Maschinen und Anlagen auslösen kann.

Die Kunden erwarten bei Kabeln Multinormprodukte

Kabel sind kein ausschließlich lokales oder nationales Geschäft. Kunden agieren international und erwarten somit Multinormprodukte. Deshalb entwickeln und prüfen Hersteller die Kabel nach internationalen Standards. „Wir gehen den Weg des Kunden. Wenn es für den Kunden notwendig ist, ist es für uns auch notwendig“, stellt Martin Baum fest. Gleichwohl muss „proaktiv an internationalen Normen gearbeitet werden, um einen einheitlichen Standard zu erzielen“, ist Harald Tebbe überzeugt und ergänzt: „Cenelec arbeitet an einer flächendeckenden europäischen Harmonisierung der Normung. Wir sehen das positiv, denn wir sind stolz, an Innovationsführer liefern zu dürfen, weil sie uns so stark fordern, dass wir immer neue innovative Produkte generieren können.“

Ingenieur Struwe bedauert die Einstellung mancher Kunden: „Kunden sollten ein wenig mehr Phantasie einsetzen und anwendertechnisch denken. Mann muss über den Tellerrand sehen. Normen geben Sicherheit, aber man sollte sie nur als Spielregeln und nicht als eherne Gesetze ansehen. Mehr Phantasie wäre hier nicht schlecht.“

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