Quanten-GAU Experte warnt vor globaler Krise durch Leistung von Quantencomputern

Quelle: Diplomatic Council 4 min Lesedauer

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Harald A. Summa von der Initiative Quantum Leap gibt zu bedenken, dass Quantencomputer in wenigen Jahren alle heutigen Möglichkeiten zur Datenverschlüsselung knacken können.

Quanten-Gauner! Das ist ein Quantencomputer. Dessen Leistung hilft etwa beim Kampf gegen den Klimawandel oder bei der Entwicklung neuer Medikamente. Doch Experten warnen dringen davor, dass damit auch alle heutigen Verschlüsselungsmethoden sinnlos werden können.(Bild:  Rockosolltech)
Quanten-Gauner! Das ist ein Quantencomputer. Dessen Leistung hilft etwa beim Kampf gegen den Klimawandel oder bei der Entwicklung neuer Medikamente. Doch Experten warnen dringen davor, dass damit auch alle heutigen Verschlüsselungsmethoden sinnlos werden können.
(Bild: Rockosolltech)

Harald A. Summa, Chairman der Initiative Quantum Leap beim Think Tank Diplomatic Council, der zum engsten Beraterkreis der Vereinten Nationen gehört (UN Consultative Status), warnt vor einer globalen Quanten-Krise („Quantum Crisis“). Der Experte macht darauf aufmerksam, dass Quantencomputer schon in wenigen Jahren in der Lage sein werden, alle heute geläufigen Verfahren zur Datenverschlüsselung zu Papiertigern machen. Summa befürchtet: „Es besteht die große Gefahr, dass Cyberkriminelle und Schurkenstaaten an zuvor verschlüsselte Informationen von Regierungsbehörden, Finanzinstitutionen und kritischen Infrastruktureinrichtungen gelangen.“ Die United Nations haben 2025 zum „International Year of Quantum Science and Technology“ proklamiert. Für dasselbe Jahr wird prognostiziert, dass die durch Cyberkriminalität verursachten Kosten für die Weltwirtschaft erstmals die Marke von 10 Milliarden Dollar überschreiten.

Regierungen und Finanzsektor sind die Hauptopfer

Das größte Gefahrenpotenzial verortet der Experte mit Blick auf Regierungsstellen und Finanzsektor. Die heute am weitesten verbreiteten kryptografischen Standards wie RSA oder Diffie-Hellman würden demnach systematischen Angriffen mit Quantencomputern nicht standhalten. Diese Verfahren seien jedoch die Grundlage für Authentizität, Vertraulichkeit und Integrität – und damit für die Sicherung digitaler Produkte und Dienste. „Es käme zu einem globalen Digital-GAU, würde die Basis der sicheren Datenspeicherung verlorengehen“, so Summa. Seine Prognosen sind keine Spinnerei, denn der Digitalexperte hatte schon einmal weit nach vorne geschaut, als er 1995 den Verband der Internetwirtschaft (eco) gründete – als nur wenige die heute selbstverständliche Allgegenwart des Internet voraussahen. Summa führte ihn zu seiner heutigen Position als weltweit größtem Internetverband, der den stärksten Internet-Austauschknoten in Europa betreibt (DE-CIX). „Die Quantentechnologie wird sich ebenso wie das Internet ausbreiten und vergleichbar gravierende Veränderungen mit sich bringen“, sagt Summa deshalb voraus. Das Gros der Auswirkungen sei zwar positiv, weil Quantencomputer Klimamodelle viel besser berechneten oder Quantensensorik die Medizintechnik revolutionieren könnten, aber in den Händen von Kriminellen sei das Gefahrenpotenzial hoch. Der Visionär mahnt deshalb: „Es wird höchste Zeit für eine Post-Quantum-Verschlüsselung, die gegen Quantenangriffe gewappnet ist.“ Er verweist darauf, dass Apple seinen Kommunikationsdienst i-Message bereits entsprechend umgestellt hat. Doch die meisten Finanzinstitute – und wohl auch Zentralbanken – hätten Nachholbedarf.

Erste gute Gegenmaßnahmen heißen NIST und ETSI

Der Chef der Initiative Quantum Leap begrüßt den vom US-amerikanischen National Institute of Standards and Technology (NIST) forcierten schnellen Übergang zur Post-Quantum Cryptography (PQC), um kritische Infrastrukturen vor Quantencomputern zu schützen: „Regierungsstellen, Organisationen, Finanzinstitute und Rechenzentren müssen den langwierigen Übergang zu PQC zügig einleiten, um einen Digital-GAU zu verhindern.“ Als eine vielversprechende Chance für eine quantensichere Infrastruktur bezeichnet er die Quantum Key Distribution (QKD = Quantenschlüsselverteilung), die sich die Gesetze der Quantenmechanik zunutze macht, um geheime symmetrische Schlüssel zwischen authentifizierten Benutzern in einem nicht vertrauenswürdigen optischen Netzwerk zu verteilen. Summa verweist auf Fortschritte bei der Realisierung von QKD-Netzwerken in den letzten 20 Jahren: „2004 gab es die ersten Experimente im Labor, heute finden Feldversuche über Glasfaser an vielen Stellen auf der Welt statt.“ Die Fortschritte führe er auch auf die Kompatibilität mit dem sogenannten OSI-Modell (Open Systems Interconnection) zurück – insbesondere auf die Kommunikationsschichten zur optischen Verschlüsselung (OTNsec) und die Internet Protocol Security (IPsec). Letztere spiele eine Schlüsselrolle bei der Bereitstellung robuster Sicherheitsmerkmale für das Internet Protocol (IP).

Und mit der Integration von QKD in IPsec werde die Netzsicherheit durch die Kombination von robuster Verschlüsselung mit quantenresistentem Schlüsselaustausch erheblich verbessert. Dadurch entsteht quasi ein Schutzschild, der nach heutigem Ermessen Quantenangriffen standhalten dürfte, glaubt Summa. Der Experte hebt auch den Standard ET-SI-QKD-014 hervor, den das Europäische Institut für Telekommunikationsnormen (ETSI) veröffentlicht hat. Dieser erlaubt die Integration von QKD-Systemen mit herkömmlichen Technologien auf mehreren Ebenen, um Standards zu schaffen. Summa: „Dieser Ansatz wurde bereits von QKD-Anbietern wie Toshiba und ID Quantique sowie von klassischen Verschlüsselungsanbietern wie Ciena, Juniper, Fortinet und Thales übernommen.“

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