Energieeffizienz Feinjustierung spart bis zu 30 Prozent Energiekosten

Von Hanna Pollmann

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Energieeffiziente Komponenten bedeuten nicht automatisch echte Energieeffizienz: Für Betreiber lohnt sich der genaue Blick auf Produktionsprozesse und Schnittstellen. Fast jede Anlage und Maschine kann durch nachträgliche Feinjustierung ihre Energieeffizienz verbessern. Das spart im Schnitt bis zu 30 Prozent Kosten.

Durch die Feinjustierung von bestehenden Prozessen lässt sich die Energieeffizienz bei Maschinen und Anlagen nochmals steigern.(Bild:  © onlyyouqj - stock.adobe.com)
Durch die Feinjustierung von bestehenden Prozessen lässt sich die Energieeffizienz bei Maschinen und Anlagen nochmals steigern.
(Bild: © onlyyouqj - stock.adobe.com)

Energieverbrauch reduzieren, Energieeffizienz verbessern und damit nachhaltig Kosten einsparen: Diese Themen diskutieren Maschinenhersteller und -betreiber schon seit geraumer Zeit, ohne allerdings die Umsetzung mit aller Entschlossenheit voranzutreiben. Die aktuelle Energiekrise könnte einen echten Wendepunkt darstellen. Axel Binner, Geschäftsführer von Hydropa, erklärt: „Wenn Anlagen und Maschinen wirklich energieeffizient laufen sollen, muss das bereits bei der Planung berücksichtigt werden. Es reicht nicht aus, einfach nur energieeffiziente Komponenten zu verbauen!“ Der Hydropa-Geschäftsführer spricht aus Erfahrung: „Je intensiver sich Kunden im Planungsprozess einbringen und sich vertrauensvoll beraten lassen, desto besser können Anlagen und Maschinen an die produktionsspezifischen Abläufe angepasst werden. Auch das Hinzuziehen von externen Fachleuten sollte erwogen werden – besonders wenn Industrieunternehmen keine eigenen Spezialisten, wie zum Beispiel Hydrauliker, beschäftigen.“

Leistungsreserven sind ein Relikt von vorgestern

Binner erklärt: „Kunden sind häufig unsicher, was den tatsächlichen Wirkungsgrad betrifft, da sich Einflüsse aus Reibung und Umweltbedingungen nur schwer berechnen lassen.“ Aus diesem Grund werden bei den Vorgaben gerne sicherheitshalber zehn Prozent und mehr als zusätzliche Leistung eingeplant. Auch der Hersteller baut weitere Leistungsreserven ein, um auf der sicheren Seite zu sein. „Wenn Kunden im Produktionsprozess normalerweise nur 10 Tonnen bewegen, könnten es ja auch mal 12 sein, also wird das Ganze sicherheitshalber für 15 Tonnen ausgelegt“, so Binner. Das Ergebnis sind meist völlig überdimensionierte Anlagen und Maschinen. Für die Hydraulik zum Beispiel bedeutet das, dass die für den Betrieb tatsächlich benötigte hydraulische Leistung – also Druck und Volumenstrom – häufig deutlich geringer ist als die ursprünglich installierte Leistung.

„Das haben wir schon immer so gemacht“ hat in der aktuell angespannten Wirtschaftslage keinen Platz mehr. Wir müssen darüber nachdenken, wie wir energetisch bessere Lösungen konstruieren. Natürlich scheint es einfacher, auf der Basis von bereits vorhandenen Maschinen neue zu planen, aber dadurch werden die neuen nicht wirklich energieeffizient. „Wir brauchen eine ganzheitliche Herangehensweise und die Bereitschaft, einen Schritt zurückzutreten, um wirklich alle Prozesse und Funktionen zu hinterfragen. Und möglicherweise komplett neu zu denken. Eine solche Vorgehensweise ist aufwendiger – aber das Ergebnis sind maßgeschneiderte Anlagen und Maschinen, die nicht überdimensioniert sind und die keine Energie verschwenden“, sagt Binner.

„Wir müssen weg von der Mentalität ‚never change a running system‘“, weiß Axel Binner, Geschäftsführer von Hydropa. Er empfiehlt einen kritischen Blick auf den Herstellungsprozess, um Energiesparpotenziale zu entdecken.(Bild:  Hydropa)
„Wir müssen weg von der Mentalität ‚never change a running system‘“, weiß Axel Binner, Geschäftsführer von Hydropa. Er empfiehlt einen kritischen Blick auf den Herstellungsprozess, um Energiesparpotenziale zu entdecken.
(Bild: Hydropa)

Damit wird klar: Um nachhaltig Energie effizienter zu nutzen und dadurch Kosten einzusparen, ist ein Umdenken sowohl bei Betreibern als auch bei Herstellern notwendig – weniger Leistung bedeutet keinen Rückschritt. Binner: „Besonders bei energetisch aufwendigen Prozessen sind Funktionen, die nur ‚nice to have‘ sind, häufig die reinste Verschwendung.“ Eine Hebebühne, die nur zwei Mal pro Stunde zum Einsatz kommt, muss nicht die gleichen Funktionen haben wie eine, die ständig im Einsatz ist und unterschiedliche Positionen äußerst präzise und mit verschiedenen Geschwindigkeiten anfahren muss. Das gilt noch viel mehr für energetisch aufwendige Prozesse: Funktionen, die vom Anwender nie oder selten genutzt werden, verschwenden Energie.

Die Herausforderung für den Vertrieb sind maßgeschneiderte Anlagen und Maschinen, denn kein Fertigungsprozess gleicht dem anderen. Dafür sind einige Schritte nötig:

  • genaue Analyse, was der Kunde wirklich benötigt,
  • ehrliche Kommunikation, dass zusätzliche, nicht unbedingt benötigte Funktionen optional möglich sind, aber einen gesteigerten Energieverbrauch bedeuten,
  • Bereitschaft auf beiden Seiten für Nachbesserungen, bis die Anlagen und Maschinen wirklich perfekt auf ihren Einsatz abgestimmt sind bei einem möglichst geringen Energieverbrauch.

Feinjustierung senkt Energiekosten

Der Hydropa-Geschäftsführer empfiehlt allen Betreibern, Anlagen und Maschinen nach der Inbetriebnahme einer gründlichen Feinjustierung zu unterziehen. Laut Binner lohnt sich der zeitliche und finanzielle Aufwand auf jeden Fall: „Unternehmen der verarbeitenden Industrie können durch eine Feinjustierung oft bis zu 30 Prozent Energie einsparen.“ Dazu gehören die Optimierung der Produktionsprozesse und die Vermeidung von Leerlaufphasen sowie individuelle Wartungskonzepte und Condition Monitoring, die dafür sorgen, dass der Idealzustand der Anlage oder Maschine erhalten bleibt. Auch hydraulisches Öl mit der richtigen Viskosität trägt zum optimalen Leistungsgrad von Anlagen und Maschinen bei sowie zur Vermeidung von Energieverschwendung.“

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Externe Energieberater sprechen meistens lediglich Standardempfehlungen aus, da sie nicht so tief im Tagesgeschäft stecken wie zum Beispiel der Produktionsleiter. Das Energieeinsparpotenzial kann aber nur dann völlig ausgeschöpft werden, wenn man mit Produktionsabläufen und Fertigungsprozessen gut vertraut ist.

Hydraulik-Check-Liste
  • Leerlaufzeiten vermeiden
  • Wartungsintervalle maßschneidern
  • Einschaltdauer Kühlung reduzieren
  • Einschaltdauer Heizung reduzieren
  • Betriebstemperaturverlauf beobachten
  • Hydraulische Leistung an tatsächlich benötigte Leistung anpassen

Nach einer genauen Betrachtung ist es an den Betreibern, den Hersteller der Anlage oder Maschine im nächsten Schritt um ein detailliertes Umsetzungskonzept zu bitten – und am besten einen erfahrenen Spezialisten für Teilbereiche hinzuzuziehen. Binner weiß das aus der Hydraulik: „Erfahrene Hydraulikexperten können den ohnehin schon geringen Energieverbrauch von hydraulischen Systemen durch verschiedene Anpassungen und Optimierungen um fünf bis zehn Prozent senken.“ Denn eine echte Energieeffizienz wird nur durch die Optimierung der gesamten Anlage oder Maschine erreicht. „Eine Anlage oder Maschine besteht niemals aus zum Beispiel drei verschiedenen einzelnen Funktionen – es müssen immer alle Schnittstellen, Prozesse und Funktionen sorgfältig aufeinander abgestimmt werden, um den Energieverbrauch zu optimieren und damit Kosten einzusparen“, so Binner.

Energieeffizientes Hydraulikaggregat zum Auf- und Zufahren von Mühlsteinen, um den Mahlgrad zu verändern.(Bild:  Hydropa)
Energieeffizientes Hydraulikaggregat zum Auf- und Zufahren von Mühlsteinen, um den Mahlgrad zu verändern.
(Bild: Hydropa)

Bei einer Feinjustierung werden alle Arbeitsabläufe genau analysiert, bestimmte Vorgänge automatisiert, der Standort analysiert und gegebenenfalls verändert sowie Leerlaufphasen abgestellt. Auch regelmäßige Wartungsintervalle, die auf die jeweiligen Herstellungsprozesse abgestimmt sind, senken den Energieverbrauch. Komponenten, die noch funktionieren, aber eigentlich schon verschlissen sind, verbrauchen mehr Energie als nötig. Eine Feinjustierung ist auch bei Veränderungen im Produktionsprozess sinnvoll. „Wir müssen weg von der Mentalität ‚never change a running system’. Sind die Gummibärchen, die produziert werden, zum Beispiel kleiner und weicher als zuvor, kann der kritische Blick auf den veränderten Herstellungsprozess Energieoptimierungspotenzial aufzeigen“, sagt Binner.

Wettbewerbsfähig durch Feinjustierung und Zusammenarbeit

Der Energieverbrauch ist aktuell ein Kostenfaktor, der vor allem von der verarbeitenden Industrie berücksichtigt werden muss, um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben. Der Hydropa-Geschäftsführer wünscht sich deshalb von Herstellern und Betreibern zukünftig eine echte, vertrauensvolle Zusammenarbeit: „Wir sind an einem kritischen Wendepunkt angelangt: Die junge Generation fordert Änderungen, schießt aber aufgrund mangelnder Erfahrung oft übers Ziel hinaus. Hersteller wollen verständlicherweise verkaufen – können aber durch ehrliche Beratung Betreibern helfen, energieoptimiert zu produzieren. Und Betreiber müssen auch nach Inbetriebnahme bereit sein, die nötigen Anpassungen vorzunehmen.“

Neben einem echten Umdenken und dem Hinterfragen von etablierten Vorgehensweisen braucht es laut Binner auch den konstruktiven Erfahrungsaustausch, um den Energieverbrauch zu optimieren, dadurch Kosten zu senken und gemeinsam die beste Lösung zu finden. Er ist sich sicher: „Wenn wir über den Tellerrand schauen und zuverlässige Partnerschaften anstreben sowie die Kommunikation zwischen den Generationen und den Wirtschaftsbeteiligten fördern, können wir auch die aktuell sehr herausfordernden Zeiten überstehen.“  (mi)

* Hanna Pollmann von Kortepollmann ist zuständig für die Pressearbeit von Hydropa

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