Jobporträt Berufsbild Produktionsleiter – Aufgaben, Voraussetzungen, Gehalt

Redakteur: Nick Luhmann

Was macht ein Produktionsleiter, welche Eigenschaften sollte er mitbringen und wie viel verdient er? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

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Produktionsleiter sind für den reibungslosen Ablauf in Fertigungsstätten zuständig.
Produktionsleiter sind für den reibungslosen Ablauf in Fertigungsstätten zuständig.
(Bild: Gorodenkoff - stock.adobe.com)

In vielen produzierenden Unternehmen sind große Produktionsanlagen der Dreh- und Angelpunkt. Diese müssen effizient, störungsfrei und wirtschaftlich laufen, um die Wettbewerbsfähigkeit des Betriebes sicherzustellen. Verantwortlich hierfür sind Produktionsleiter, die als Führungskräfte die industrielle Produktion koordinieren und für reibungslose Abläufe sorgen.

Welche Aufgaben hat ein Produktionsleiter?

Produktionsleiter, oft auch als Fertigungsleiter bezeichnet, organisieren, überwachen und steuern Produktionsprozesse anhand von Produktionsdaten. Sie legen verfahrenstechnische Konzepte fest, disponieren Roh- und Hilfsstoffe, prüfen Prozesse auf Optimierungsmöglichkeiten und leiten bei Abweichungen im laufenden Betrieb korrigierende Maßnahmen ein. Bei unvorhergesehenen Produktionsrückgängen suchen sie die Ursache und definieren Lösungen, um den Normalzustand schnellstmöglich wieder herzustellen.

Bei der Planung von Fertigungsanlagen können Produktionsleiter ebenso involviert sein wie bei der Automatisierung von Betriebsteilen und der Montage, Erprobung und Inbetriebnahme neu errichteter oder umgebauter Anlagen. Darüber hinaus gehören die Sicherung beziehungsweise Ausschöpfung der Personalressourcen, die Koordination der Arbeitsvorbereitung sowie die Steuerung der Zusammenarbeit mit anderen Unternehmensbereichen wie der Entwicklungsabteilung, dem Produktmanagement oder der Logistik zu ihren Aufgaben.

Der Erfolg eines Unternehmens lässt sich nur durch einen stetigen Fortschritt in der Produktion sicherstellen. Daher obliegt es dem Produktionsleiter, Optimierungsmöglichkeiten zu evaluieren, neue Methoden und Werkzeuge an die Mitarbeiter weiterzugeben und diese zu befähigen, das Equipment effektiv zu nutzen. In diesem Zusammenhang fallen auch die Anschaffung neuer und die vorschriftsgemäße Stilllegung veralteter Anlagen und Maschinen in seinen Aufgabenbereich.

Nicht zuletzt stellen Produktionsleiter die Einhaltung der Produktions- und Arbeitssicherheit sowie der Umweltschutzauflagen sicher. Um das ordnungsgemäße Funktionieren der Fertigungsstätte zu gewährleisten, stimmen sie sich sowohl mit der Betriebsleitung als auch mit den Werks- und Abteilungsleitern sowie anderen Unternehmensbereichen ab. Mithilfe von Reports zu den maßgeblichen Leistungskennzahlen erstatten sie außerdem regelmäßig der Geschäftsführung Bericht.

Der Einzug der Informationstechnologien brachte zum Teil weitreichende Veränderungen im Arbeitsalltag von Produktionsleitern mit sich. Zu den traditionellen Aufgaben dieses Berufs gesellten sich im Laufe der Zeit weitere Verantwortungsbereiche. Das Bearbeiten von E-Mails zählt heute zu den Routinetätigkeiten. Hinzu kommen die Kontrolle und die Auswertung von Produktionsdaten und die digitale Erfassung von Lagerbeständen. Stand früher körperliche Arbeit im Mittelpunkt, ist die Produktionsleitung in einigen Unternehmen heute eine rein digitale Tätigkeit.

Mit welchen Arbeitsbedingungen müssen Produktionsleiter rechnen?

Produktions- und Fertigungsleiter arbeiten vor allem in Werkstätten, Werk- und Produktionshallen. Nicht selten führt sie ihre Tätigkeit in die Außenbereiche von Produktionsanlagen. Häufig sind sie Maschinenlärm, Staub und zum Teil auch Dämpfen, beispielsweise von chemischen Hilfsmitteln, ausgesetzt. Daher gehört in aller Regel Arbeits- und Schutzkleidung zum Arbeitsalltag.

Produktionsleiter agieren eigenständig und übernehmen dabei Verantwortung für Personen, die Qualität des Arbeitsergebnisses und die Einhaltung von Fertigstellungsterminen. Viele Ihrer Aufgaben erledigen sie am Computer unter Einsatz spezieller Software-Anwendungen wie PLM- und ERP-Systemen und Systemen zur virtuellen Produktionsplanung. In zahlreichen Unternehmen haben sie hierfür ihr eigenes Büro.

Im Falle kontinuierlicher Fertigungsprozesse steht oftmals Nach- und Wochenendarbeit an. Zudem gehören häufig Dienstreisen zum Tätigkeitsfeld, etwa, um Lieferanten und Kunden zu treffen. Bei unvorhergesehenen Problemen und vor Stichtagen (zum Beispiel in der Auftragsfertigung) können Überstunden fällig werden.

Wo arbeiten Produktionsleiter?

Beschäftigung für diese Berufsgruppe findet sich überall dort, wo Waren produziert werden: in der Lebensmittel- und Getränkeindustrie, im Fahrzeug-, Schiff- und Flugzeugbau, in der chemischen und pharmazeutischen Industrie, im Werkzeugmaschinenbau, in der Möbelproduktion und in vielen anderen Bereichen. Zu den wichtigsten Arbeitgebern zählen Industrieunternehmen und große handwerkliche Produktionsbetriebe.

In der Industrie sind Produktionsleiter oft für die Fertigung eines bestimmten Erzeugnisses in einer bestimmten Anlage zuständig. In mittelständischen Unternehmen können sie hingegen für die gesamte Produktion des Betriebes verantwortlich sein. Im Handwerk betreuen sie oftmals die Herstellung von Einzelstücken wie Möbel oder Küchen.

Aufgrund der unterschiedlichen Einsatzgebiete ist das für die Position des Produktionsleiters erforderliche technische Grundwissen oft branchenspezifisch. Wer sich als Angehöriger dieser Berufsgruppe nach einem neuen Betätigungsfeld umsieht, sollte deshalb unbedingt darauf achten, dass er die in der Stellenbeschreibung angeführten fachlichen Voraussetzungen erfüllt.

Welches Studium braucht man als Produktionsleiter?

Eine akademische Ausbildung ist für den Einstieg in diesen Beruf nicht zwingend erforderlich, kann allerdings den Weg ebnen. Manche erreichen diese Position nach langjähriger Erfahrung im Unternehmen, anfangs als Produktionsarbeiter oder -techniker, dann als Abteilungsleiter, Anlagenleiter, Schichtführer oder in einer anderen Führungsproduktion.

Bewerber mit Hochschulausbildung steigen meist direkt über einen Assistenzposten in der Produktionsleitung ein. Hier besteht ihre Aufgabe darin, Produktionsleiter bei der Planung, Organisation, Kontrolle und Steuerung von Herstellungsprozessen zu unterstützen.

Die Ausbildungsanforderungen unterscheiden sich von Unternehmen zu Unternehmen. Einigen ist praktische Erfahrung in der Produktion wichtiger, andere bevorzugen Bewerber kaufmännischer oder technischer Weiterbildungen. Manche Firmen erwarten eine akademische Ausbildung in Bereichen wie Maschinenbau, Elektrotechnik, Bauingenieurwesen oder Medieninformatik.

Welche Voraussetzungen sollten Produktionsleiter erfüllen?

Angehörige dieser Berufsgruppe sind echte Allrounder und müssen über zahlreiche Fähigkeiten und Kompetenzen verfügen. Für Ihre Aufgaben in der Arbeitsvorbereitung und der Personalführung benötigen Produktionsleiter Organisationstalent und Führungskompetenz. Da die Tätigkeit oft eine enge Zusammenarbeit mit Fachkräften aus anderen Abteilungen erfordert, brauchen sie außerdem ein gutes Kommunikationsvermögen.

Flexibilität ist wichtig, um auf neue Situationen zügig reagieren und rasch die optimale Lösung für plötzliche Probleme finden zu können. Des Weiteren sollten Produktionsleiter in der Lage sein, technische Zusammenhänge schnell zu begreifen und den Betriebsmitteleinsatz effizient zu planen. Erfahrungen in der Fertigungstechnik sind ebenso wichtig wie Kenntnisse in den Bereichen Kalkulation und Kostenrechnung. Zudem gehört umfassendes Wissen zu Themen wie Umweltschutz, Unfallverhütung und Arbeitsschutz zum Profil dieses Berufs.

Der Umgang mit modernen Moderationstechniken sollte dem Produktionsleiter nicht fremd sein. Gleiches gilt für die Regeln von Teambesprechungen. In international agierenden Unternehmen sind außerdem verhandlungssichere Fremdsprachenkenntnisse erforderlich.

Wie viel verdienen Produktionsleiter?

Das Gehalt von Produktionsleitern hängt von unterschiedlichen Faktoren ab. Die größte Rolle spielen meist die Berufserfahrung und die Größe des Unternehmens. Einen Einfluss haben aber auch die Branche, die Region und die genauen beruflichen Anforderungen.

Das durchschnittliche Anfangsgehalt für einen Berufseinstieg über eine Meisterweiterbildung liegt bei circa 43.000 Euro. Bachelor-Absolventen bekommen zu Beginn rund 47.000 Euro, Masterabsolventen etwa 57.000 Euro. Wer fünf bis zehn Jahre in diesem Beruf gearbeitet hat, kann mit rund 500 Euro mehr pro Monat rechnen. Nach 15 Jahren Berufserfahrung beträgt das Durchschnittsgehalt knapp 5.000 Euro pro Monat. In großen Unternehmen haben Produktionsleiter die Möglichkeit, zum Chief of Technology aufzusteigen und dadurch einen weiteren Gehaltssprung zu machen.

In Unternehmen mit bis zu 500 Mitarbeitern liegt die Gehaltsspanne zwischen 2.660 und 5.900 Euro. Firmen mit 500 bis 1.000 Angestellten zahlen ihren Produktionsleitern zwischen 3.420 und 7.990 Euro. Bei Konzernen ab 1.000 Mitarbeitern sind Gehälter von 4.150 bis 10.170 Euro möglich. Am höchsten sind die Einkommen dieser Berufsgruppe in Hessen, Baden-Württemberg und Bayern, am niedrigsten in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt.

Nach IG-Metall-Tarif bezahlte Produktionsleiter bekommen mit durchschnittlich jährlich 68.000 Euro die höchsten Gehälter, gefolgt von der Pharmabranche mit rund 62.000 Euro pro Jahr. Ähnlich vergüten auch die Lebensmittel- und die chemische Industrie, in denen die Anforderungen im Bereich Hygiene und Good Manufacturing Practice vergleichbar hoch sind. Der Maschinen- und Anlagenbau zahlt seinen Produktionsleitern im Durchschnitt 55.000 Euro jährlich und liegt damit im Mittelfeld.

Ein Anstieg der Gehälter ist derzeit in der Baustoffbranche zu verzeichnen, in der aufgrund der guten konjunkturellen Lage die Preise und damit auch die Löhne deutlich ansteigen. Auf den hintersten Rängen finden sich die Textil- und die Lederbranche.

Zusätzlich zum Fixgehalt winken häufig interessante Bonus- und Prämienzahlungen beim Erreichen oder Überschreiten festgelegter Ziele. Bei Nacht-, Wochenend- und Feiertagsschichten kommen außerdem entsprechende Zuschläge hinzu.

Welche Möglichkeiten zur Weiterbildung gibt es für Produktionsleiter?

Um dauerhaft die Anforderungen ihres Berufsbildes erfüllen zu können, müssen Produktionsleiter ihr berufliches Wissen stets aktuell halten und an neue Entwicklungen anpassen. Anpassungsweiterbildung sind beispielsweise in Bereichen wie Produktions- und Fertigungstechnik, Prozessmanagement und Mitarbeiterführung verfügbar. Für die Themenfelder Betriebliche Organisation, Materialdisposition, Finanz- und Rechnungswesen sowie Logistik gibt es ebenfalls vielfältige Angebote.

Weitere Berufs- und Karrierechancen eröffnen sich, abhängig von der beruflichen Vorbildung, durch ein grundständiges oder weiterführendes Studium. Geeignete Studienfächer wären beispielsweise die Produktionstechnik, das Wirtschaftsingenieurwesen, die Industriebetriebswirtschaft, die Ingenieurwissenschaft und die Verfahrenstechnik.

Immer wieder müssen sich Produktionsleiter mit dem Thema Industrie 4.0 auseinandersetzen. Begriffe wie Internet der Dinge, Six Sigma und Design Thinking sollten ihnen daher ebenso geläufig sein wie die Grundprinzipien der schlanken Produktion. Wichtig ist außerdem, gegenüber neuen Methoden im Bereich Führung und Kommunikation aufgeschlossen zu sein.

Durch Weiterbildung erworbene Zusatzfähigkeiten und Qualifikationen sind nicht nur ein starkes Argument in Gehaltsverhandlungen, sie eröffnen auch neue Jobchancen. Produktionsleiter, die längere Zeit nicht in ihrem Beruf tätig waren, können sich mithilfe von Weiterbildungsangeboten auf den neuesten Stand bringen und sich damit den Wiedereinstieg erleichtern.

Wie sieht der Arbeitsmarkt für Produktionsleiter momentan aus?

Nach wie vor zählt die Produktion in Deutschland zu den bedeutendsten Wirtschaftsfaktoren. Jedes industriell tätige Unternehmen ist auf Produktionsleiter angewiesen, die Fertigungsabläufe organisieren, steuern und überwachen. Dieser Umstand sorgt in Verbindung mit dem sich verschärfenden Fachkräftemangel im technischen Bereich für exzellente Zukunftsaussichten. Das gilt vor allem für erfolgreiche Absolventen eines Ingenieurstudiums, die meistens die freie Auswahl zwischen verschiedenen potenziellen Arbeitgebern haben.

Gibt es einen Unterschied zwischen einem Produktionsleiter und einem Fertigungsleiter?

Die Berufsbezeichnungen Produktionsleiter und Fertigungsleiter werden häufig synonym verwendet. Bei genauerem Hinsehen ist jedoch ein Unterschied festzustellen. Der Begriff Fertigung bezieht sich in aller Regel auf die Herstellung von Sachgütern und die Energieerzeugung, während Produktion auch die Dienstleistungserstellung umfasst, beispielsweise die Schaffung kultureller Güter im Rahmen von Film-, Fernseh- und Theaterproduktionen. Somit ist der Produktionsbegriff etwas weiter gefasst.

Grob lässt sich sagen, sich jeder Fertigungsleiter Produktionsleiter nennen, sich aber nicht jeder Produktionsleiter als Fertigungsleiter bezeichnen kann.

Gibt es einen Unterschied zwischen einem Produktionsleiter und einem Abteilungsleiter?

Wie Produktionsleiter betreuen auch Abteilungsleiter klar definierte Bereiche in ihrem Unternehmen. Sie tragen Verantwortung für das ihnen übertragene Aufgabenfeld und legen der Geschäfts- oder Firmenleitung Rechenschaft darüber ab. Zudem übernehmen sie umfangreiche Personalverantwortung. Sie leiten Mitarbeiter an und unterstützen Kollegen beim Planen und Umsetzen von Projekten. Überdies sind sie Ansprechpartner für Kunden und Lieferanten und koordinieren die Entwicklung von Dienstleistungen und Produkten.

Im Gegensatz zu Produktionsleitern können Abteilungsleiter auch außerhalb der Produktion tätig sein, beispielsweise in der Logistik-, der Marketing- oder der Personalabteilung. Arbeiten sie in einer Produktionsabteilung, sind sie dem Produktionsleiter manchmal über-, manchmal aber auch untergeordnet. In einigen Fällen ist der Produktionsleiter gleichzeitig der Abteilungsleiter.

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