Fertigungsmanagement Fertigungsprozesse lassen sich mit Kennzahlen überwachen und verbessern
„Man hat behauptet, die Welt werde durch Zahlen regiert; das aber weiß ich, dass die Zahlen uns belehren, ob sie gut oder schlecht regiert werde“, erkannte schon Johann Wolfgang von Goethe vor über 200 Jahren. Für ein mittelständisches Unternehmen als komplexes System gilt das heute ebenso. KPIs (Key Performance Indicators) sind der Schlüssel zu diesem Erfolg.
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Als KPI bezeichnet man in der Betriebswirtschaftslehre Kennzahlen, anhand derer man den Fortschritt oder den Erfüllungsgrad hinsichtlich wichtiger Zielsetzungen oder kritischer Erfolgsfaktoren innerhalb einer Organisation messen beziehungsweise ermitteln kann (Bild 1).
Doch neu sind die Begriffe wie Key Performance Indicator, Total Productive Manufacturing (TPM) oder auch Overall Equipment Effectiveness (OEE) nicht. Speziell für die Realisierung von TPM wurden in Japan schon in den 60er Jahren KPI wie etwa die OEE verwendet. Dabei untersucht die Overall Equipment Effectiveness als ein möglicher Key Performance Indicator die tatsächliche Effektivität einer Maschine gegenüber ihrer theoretisch möglichen.
Der meist hohe Abstraktionsgrad von KPI ermöglicht dem Anwender das leichte Erkennen von wichtigen Faktoren seines Verantwortungsbereiches. Aber genau darin liegt auch ein nicht zu unterschätzendes Gefahrenpotenzial: Die teilweise komplexen Berechnungsvorschriften von KPI bieten einen großen Freiraum für unterschiedliche Interpretationen. Dies ist speziell in mittelständisch strukturierten Unternehmen mit mehreren Produktionsstandorten und im Konzernumfeld problematisch, wenn es um die Vergleichbarkeit von KPI geht.
So kann ein Vergleich der OEE für zwei identische Produktionsanlagen in zwei Werken eines Unternehmens bei unterschiedlichen Ansichten über die Berechnungsvorschrift und der Interpretation der eingesetzten Variablen sehr schnell zu Missverständnissen führen. Eine Veranstaltung des Kennzahlen- und MES-Spezialisten Industrie Informatik mit Anwendern aus dem Konzernumfeld unterschiedlicher Branchen widmete sich genau dieser Problematik. Dabei ist es gelungen, sich auf eine einheitliche Definition von Kennzahlen, eine gemeinsame Nomenklatur und zusätzliche Oberflächen zur Darstellung von KPI zu einigen.
Für jeden Mitarbeiter sein eigenes KPI-Cockpit
Die Unternehmensvertreter gelangten zudem zu der Erkenntnis, dass die Frage nach der richtigen Berechnungsvorschrift für OEE, TEEP (Total Effective Equipment Productivity) unter anderen nicht für jedes Unternehmen mit einer eindeutigen Aussage beantwortet werden kann und soll. Es wäre daher eine weitestgehend freie Parametrierbarkeit zur Bestimmung der Rechenvorschriften für die Berechnung der relevanten Kennzahlen wünschenswert. Und jeder Mitarbeiter sollte sich für seinen Verantwortungsbereich sein individuelles KPI-Cockpit konfigurieren können und somit in Echtzeit einen permanenten Überblick über die für ihn bedeutsamen Kennzahlen erhalten (Bild 2). Mit einem Klick können dann jederzeit Detailinformationen wie Störgründe oder Ausschussbuchungen aufgerufen sowie kontextbezogene Analysen mit unterstützenden Querytools durchgeführt werden.
Klar ist, dass Anwender ein fertigungsspezifisches Kennzahlensystem wünschen. Unternehmen ist deshalb zu empfehlen, dass der Zugriff auf die MES-Datenbank ohne Transformation und Übertragung in fremde Datenstrukturen eine entscheidende Voraussetzung ist. Die Beschaffung der Datengrundlagen zur Berechnung der KPI muss auch jederzeit ohne langwierige Zwischenberechnungen in der für KPI-Auswertungen notwendigen gruppierten und abgegrenzten Form möglich sein.
Als Beispiele sind hier die Notwendigkeit nach verdichteten Kennzahlen wie etwa für Produktionsbereiche oder die nach Schichtbetrieb abgegrenzte Berechnung beziehungsweise Darstellung zu nennen. Mit MES cronetwork ist es sogar möglich, sämtliche KPI auch als Berechnungsgrundlage in das Leistungslohnsystem einfließen zu lassen. Zum anderen ist der Konnex und ein jederzeit möglicher Durchstieg zu den darunter liegenden Detaildaten ein sehr wichtiger Faktor, um Ursache und Wirkung mit entsprechenden Ad-hoc-Analysewerkzeugen zeitnah zu ergründen.
Die Kennzahlen entsprechen den Berechnungsvorschriften
Der von den Anwendern klar geäußerte Wunsch nach einer parametrierbaren Möglichkeit zum Aufbau eines fertigungsspezifischen Kennzahlensystems hat zur Entwicklung von Konfiguratoren geführt. Im Gegensatz zu anderen Herstellern von KPI-Systemen bietet die Industrie Informatik damit Anwendern über eine einfach zu bedienende Konfiguration die Einstellung von Kennzahlen wie OEE oder TEEP gemäß der im Unternehmen gebräuchlichen Berechnungsvorschrift. Diese Vorgehensweise entspricht der generellen Philosophie des Customizings von cronetwork und belastet die Anwender nicht mit Fragen der Dateninterpretation und der Performance durch selbst erstellte Berechnungen in Formeleditoren.
Ein Berechtigungskonzept sollte für den Betrieb eines leistungsfähigen KPI-Systems ebenfalls vorhanden sein. Sowohl die Art der KPI als auch die Sicht auf die darunter liegenden Daten müssen pro KPI-Anwender einstellbar sein. Die Einstellung von Grenzwerten kann sowohl vom Eigentümer eines KPIs als auch von übergeordneter Stelle durchgeführt werden. Abschließend sollten die optimalen Medien zur Übertragung von KPI-Infos in die Überlegungen einbezogen werden. Außer den bereits angesprochenen intuitiven Erweiterungen der operativen Programme darf eine Visualisierung über Terminals, PDAs und Handys auf keinen Fall fehlen. MM
Ing. Thomas Krainz ist Geschäftsführer der Industrie Informatik GmbH in Linz, Österreich, Tel. (0043-7 32) 69 78-0, thomas.krainz@industrieinformatik.com, Tino M. Böhler ist freier Journalist in Dresden.
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