Unternehmensführung Fertigungstiefe einfach erklärt – Definition und Vorteile

Von Melanie Krauß 3 min Lesedauer

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Was ist Fertigungstiefe? Und warum sollte sie besonders hoch beziehungsweise niedrig sein? Wir geben Ihnen einen Überblick.

Die Fertigungstiefe sagt etwas darüber aus, wie viele Produktionsschritte im eigenen Unternehmen ausgeführt werden.(Bild:  Kostiantyn - stock.adobe.com)
Die Fertigungstiefe sagt etwas darüber aus, wie viele Produktionsschritte im eigenen Unternehmen ausgeführt werden.
(Bild: Kostiantyn - stock.adobe.com)

Fertigungstiefe Definition

Die Fertigungstiefe (englisch: vertical integration) beschreibt, welchen Anteil an einem Produkt ein Unternehmen selbst produziert. Die Kenngröße kann sich sowohl auf die Wertschöpfung als auch auf die Anzahl der Produktionsschritte beziehen.

In jedem Fall geht es dabei um den Anteil, der nicht von externen Dienstleistern zugeliefert wird. Sie ist damit ein Maß für die sogenannte vertikale Ausdehnung der Produktion. Gelegentlich wird sie auch als Produktionstiefe oder vertikale Integration bezeichnet.

Was ist eine hohe Fertigungstiefe?

Eine hohe Fertigungstiefe bedeutet, dass ein Unternehmen viele einzelne Produktionsschritte selbst übernimmt. Es verarbeitet beispielsweise selbst die Rohstoffe, stellt daraus Einzelteile her und kümmert sich auch selbst um die Endmontage. Unternehmen aus der Luft- und Raumfahrt sowie aus dem Schiffsbau haben oft eine hohe Fertigungstiefe. Der Grund dafür sind die hohen Anforderungen an die Qualität sowie die Komplexität der Technologie.

Das Gegenteil davon ist die geringe Fertigungstiefe. Hier bezieht ein Unternehmen viele Komponenten oder Rohstoffe von externen Zulieferern. Ein Beispiel dafür ist etwa die Autoindustrie. Sie weist klassischerweise eine niedrige bis mittlere Fertigungstiefe auf und bekommt viele Teile und Komponenten zugeliefert.

Beide Varianten haben verschiedene Vorteile und Nachteile. Diese gilt es unter anderem bei einer Make or buy Entscheidung zu berücksichtigen (siehe unten).

Was versteht man unter Fertigungsbreite?

Die Fertigungsbreite beschreibt im Gegensatz dazu, wie viele verschiedene Produktarten ein Unternehmen herstellt. Dabei kann es sich um verschiedene Versionen eines Produkts handeln, aber auch um völlig unterschiedliche Produkte.

Welche Vorteile hat eine hohe Fertigungstiefe?

Zu den Vorteilen gehört unter anderem:

  • Bei einer vergleichsweise hohen Fertigungstiefe ist das Unternehmen weniger abhängig von externen Zulieferern – Stichwort Engpässe in der Lieferkette.
  • Das Know how zum Produkt bleibt zudem im eigenen Unternehmen und kann somit besser geschützt werden.
  • Durch die Fertigung im eigenen Unternehmen kann der Anteil an der Wertschöpfung und somit die Gewinnmarge erhöht werden.
  • Kapazitäten in der Produktion können besser ausgelastet werden. Gegebenenfalls lassen sich auch Skaleneffekte erzielen und so die Stückkosten reduzieren.
  • Die Qualität des eigenen Produkts lässt sich besser kontrollieren, da alle Produktionsschritte in der eigenen Fertigung liegen.
  • Kurzfristige Anpassungen in der Produktion sind möglicherweise schneller möglich. Dadurch kann das Unternehmen zeitnah auf Trends im Markt reagieren.

Was spricht für eine Reduzierung der Fertigungstiefe?

  • Durch Outsourcing können Unternehmen oft von den niedrigeren Kosten ihrer Zulieferer profitieren. Das gilt insbesondere dann, wenn diese in Regionen mit geringeren Lohnkosten tätig sind.
  • Sie können zudem ihr Risiko verteilen - beispielsweise auf mehrere Lieferanten.
  • Unternehmen können sich auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren. Das heißt, sie lenken ihre Ressourcen, Zeit und Energie auf Bereiche, in denen sie besonders stark sind.
  • Wenn ein Unternehmen weniger selbst fertigt, werden auch weniger Anlagen, Maschinen und Lagerbestände benötigt. Das wiederum hilft dabei, die Kapitalbindung zu reduzieren.
  • Vor allem wenn kleinere Mengen produziert werden sollen, kommen Skaleneffekte nicht zum Tragen. Hier kann es sich also lohnen, bestimmte Fertigungsschritte auszulagern.
  • Unternehmen können gezielt mit Zulieferern zusammen arbeiten, die über Spezialwissen verfügen. Auf diese Weise können sie von deren Expertise und Technologien profitieren, ohne sie selbst entwickeln zu müssen.
  • Neue Produkte lassen sich mit externen Dienstleistern potenziell schneller auf den Markt bringen. Denn: Das Unternehmen muss nicht erst die gesamte Produktionskette selbst aufbauen.
  • Einzelne Produktionsschritte auszulagern, kann dabei helfen die eigene Organisation schlank zu halten.

Warum beeinflusst Make or Buy die Fertigungstiefe?

Die Make or Buy Entscheidung beeinflusst die Fertigungstiefe eines Unternehmens erheblich. Denn sie legt fest,

  • welche Teile eines Produkts intern produziert werden (make)
  • und welche von externen Dienstleistern bezogen werden (buy).

Eine Veränderung der Fertigungstiefe hat dann auch die entsprechenden Vorteile und Nachteile zur Folge (siehe oben).

Wie kann man die Fertigungstiefe berechnen?

Die Fertigungstiefe wird als Prozentzahl angegeben. Um sie zu berechnen, gibt es verschiedene Formeln. Beispielhaft sollen zwei vereinfachte Methoden aufgeführt werden:

  • Methode 1: Hier werden die internen Kosten im Verhältnis zu den Gesamtkosten für die Herstellung eines Produkts betrachtet. Das Ergebnis wird mit 100 multipliziert, um so eine Prozentzahl zu erhalten. Sie spiegelt den Anteil an der Wertschöpfung wieder.
  • Methode 2: Hier werden die Produktionsschritte, die intern notwendig sind, ins Verhältnis zur Gesamtanzahl der Schritte gesetzt. Auch dieser Wert wird mit 100 multipliziert, um zu einer Prozentzahl zu gelangen.

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