Zeitarbeit Flexible Ressourcen gehören im Maschinenbau zur normalen Personalstruktur
Nicht nur zur Abfederung von Personalengpässen oder Auftragsspitzen werden Leiharbeitskräfte eingesetzt. Auch Spzial-Know-how kaufen immer mehr Firmen auf diese Weise ein, wie eine Untersuchung des Personaldienstleisters Hays belegt.
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Jedes dritte Unternehmen in Deutschland setzt bereits über 10% flexible Personalressourcen ein. Tendenz steigend: Jedes zweite deutsche Unternehmen hat im letzten Jahr den Anteil flexibler Personalressourcen erhöht, im Maschinenbau sind es sogar 75%. Das ist das Ergebnis einer aktuellen empirischen Studie, die der Mannheimer Personaldienstleister Hays in Auftrag gab. Vor allem Unternehmen aus der IT-, Automobil- und Fertigungs-Branche sind Vorreiter bei projektorientierten Arbeitsstrukturen. Sie überbrücken mit Freiberuflern und Zeitarbeitskräften verstärkt Engpässe und nutzen das Wissen externer Spezialisten. In der IT liegt der Anteil externer Spezialisten bei jedem dritten Unternehmen bereits bei über 30%.
Der Einsatz von externen Arbeitskräften hat sich zum festen Bestandteil der Personalstrukturen in deutschen Unternehmen entwickelt. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit waren im Juni vergangenen Jahres 600000 Zeitarbeiter beschäftigt. Im Laufe des gesamten Jahres sollen es über eine Millionen Leiharbeiter gewesen sein: das sind knapp 3% aller Erwerbstätigen. Dabei steht laut Hays-Studie die Arbeitnehmerüberlassung (87%) und der Einsatz von selbstständigen Spezialisten (78%) stärker im Fokus als die Auslagerung von Entwicklungs- (44%) oder Rekrutierungsprozessen (41%).
„Die Flexibilisierung der Personalstrukturen ist in deutschen Unternehmen angekommen und in vollem Gang“, sagt Hays-CEO Dieter Dürr. Mit der Studie „Flexible Arbeitsverhältnisse 2007“ legt das auf die Rekrutierung von Spezialisten fokussierte Unternehmen eine Marktanalyse vor, die erstmals für Deutschland qualitative Trends zu flexiblen Arbeitsverhältnissen analysiert. 175 Unternehmen wurden interviewt, davon zwei Drittel mit über 500 Mio. Euro Umsatz.
Akzeptanz für flexiblen Personaleinsatz steigt spürbar
Einig waren sich die befragten Geschäftsführer und Hauptabteilungsleiter: Gesucht sind qualifizierte Fachkräfte mit Hochschul- oder Fachhochschulabschluss. Bei jedem zweiten Maschinen- und Anlagenbauer hat deren Anzahl in den letzten beiden Jahren zugenommen. Mit 25 % fiel diese Steigerung in anderen Branchen deutlich geringer aus. Eingesetzt werden die flexiblen Arbeitskräfte zu 90% bei Umsetzungstätigkeiten. Auch bei der Konzeptions- und Nachbereitungsphase nutzt jedes zweite Unternehmen externe Spezialisten.
Die Fertigungsindustrie greift in allen Abteilungen deutlich häufiger auf flexible Arbeitskräfte zurück als andere Branchen. Besonders eklatant ist dieser Unterschied in der Produktion und Fertigung selbst erkennbar. Neun von zehn Maschinenbauer greifen auf Zeitarbeitskräfte zurück, während es in anderen Branche etwas über 50 % sind. Wie die Automobilindustrie reagieren die Maschinenbauer stärker als andere Betriebe auf konjunkturelle Veränderungen mit dem Einsatz von externen Arbeitskräften. Sie werden seltener ins Unternehmen integriert, um strukturelle Änderungen zu gestalten.
Besonders zufrieden mit ihren flexiblen Personalressourcen waren die Entscheider aus der IT-Branche (75%). Dagegen stehen die Maschinenbauer mit 55 % am Ende der Skala. Trotzdem sagt vor allem deren Führungspersonal, dass das Image der flexiblen Arbeitsverhältnisse gestiegen ist. 73% der Befragten sind überzeugt, dass die Akzeptanz weiter steigt. Und 60% bejahen, dass freiberufliche Spezialisten die Perspektiven von Unternehmen erweitern. Offensichtlich geht ihnen jedoch die gesetzliche Unterstützung durch den Staat noch nicht weit genug. Während ein Fünftel meint, dass die neuen arbeitsrechtlichen und tarifvertraglichen Vorschriften flexible Arbeitsverhältnisse fördern, moniert ein Drittel, dass die Gesetzgebung diese zukunftsweisenden Arbeitsformen noch blockiere. Erst 2004 hatte Wolfgang Clement, Arbeitsminister der rot-grünen Koalition, den Weg zu mehr Zeitarbeit frei gemacht: Arbeitskräfte dürfen seitdem ohne zeitliche Befristung eingesetzt werden. Darauf hin verdoppelte sich die Anzahl der externen Arbeitskräfte innerhalb von zwei Jahren von etwas über 300000 auf 600000.
Engpässe überbrücken und Spezialwissen beschaffen
Die deutliche Mehrheit der Unternehmen ist der Auffassung, dass flexible Arbeitskräfte die festen Beschäftigungsverhältnisse nicht verdrängen werden. Drei Viertel hat hier keine Verschiebung von festen zu flexiblen Arbeitsverhältnissen bemerkt. Dies deckt sich mit dem Befund der Studie, dass nur ein Viertel der befragten Entscheider über den Einsatz flexibler Arbeitskräfte Kosten senken will. Wesentlich wichtiger ist den Unternehmern, fehlende Personalressourcen zu überbrücken und spezielles Wissen zu akquirieren (91%). Allerdings ist gerade bei den Maschinenbauern festzustellen, dass der Stundensatz der Freiberuflichen im vergangenen Jahr bei zwei Drittel der Unternehmen nicht gestiegen ist. Banken und Versicherungen mussten dagegen tiefer als bisher in die Tasche greifen.
Jens Gieseler ist freier Journalist in Göppingen.
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