Exklusiv-Interview

Frankreich wird als Standort interessanter

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Welche Erfahrungen machen die deutschen Investoren mit den französischen Arbeitnehmern und deren Gewerkschaften?

Alle deutschen Unternehmen, mit denen wir zu tun haben, loben das Engagement der Arbeitnehmer in Frankreich. Sie seien williger als in Deutschland. Deutsche Unternehmen haben in Frankreich meistens auch keine Probleme mit den Belegschaften, weil es von Seiten der Unternehmenschefs Respekt und Diskussionen gibt. Continental war hier eine Ausnahme. Auch die Erfahrungen von amerikanischen oder koreanischen Unternehmen in Frankreich sind negativer, weil ihre Verantwortlichen ganz anders und viel distanzierter auftreten als die deutschen. Insbesondere im Privatsektor hat die Zahl der Streiks deutlich abgenommen, gerade im vergangenen Jahr hat Frankreich weniger gelitten als Deutschland mit den Streiks bei der Eisenbahn und im Flugverkehr. In Frankreich hat sich die Lage im Vergleich zu früheren Jahren beruhigt. Auch die gesetzlich vorgeschriebene 35-Stunden-Woche ist in der Praxis kein Hindernis. Auch wenn in den Arbeitsverträgen 35 Stunden als Arbeitszeit festgelegt sind, arbeiten in der Praxis die Arbeiter durchschnittlich 38,5 Stunden pro Woche, die Führungskräfte 44 Stunden. Praktisch alle Unternehmen setzen Überstunden ein, sie müssen dafür den Arbeitnehmern nur einen Zuschlag von 25 % bezahlen. Eines möchte ich deutschen Unternehmen, die sich in Frankreich ansiedeln wollen, aber nahelegen: Sie brauchen Unterstützer, wie Rechtsanwälte oder Steuerberater, die beide Sprachen sprechen und beide Systeme kennen. Das vereinfacht alles sehr.

Wie sieht es im allgemeinen mit den Arbeitskosten in Frankreich aus?

Die Regierung in Paris hat einiges zur Senkung der Arbeitskosten getan. Mit Steuergutschriften haben wir die Arbeitskosten um 6 % und damit unter das deutsche Niveau gesenkt. Diese Steuergutschrift wird ab 2017 in eine Steuersenkung umgewandelt. Bis 2020 soll der Körperschaftssteuersatz außerdem schrittweise von 33 auf 28 % gesenkt werden. Schließlich sind auch Hunderte von Maßnahmen zur Vereinfachung der Verwaltungsvorschriften in Kraft, weitere folgen in einem regelmäßigen Abstand von sechs Monaten.

Von der Politik fordert die Wirtschaft aber weitere Reformen.

Wir sind uns bewusst, dass in Frankreich noch Reformen nötig sind. Doch es ist schon einiges in Gang gebracht worden. Jetzt müssen wir warten, bis sich die Auswirkungen der Reformen zeigen, das war in Deutschland bei der Agenda 2010 genauso. Einige Reformen, wie die Rentenreform, haben wir auch schlecht erklärt, da haben wir eine Mitverantwortung, wenn das im Ausland als Reformstau wahrgenommen wird.

Wie können sich deutsche Unternehmen an Zukunftsprojekten wie der „Industrie du Futur“ (Industrie der Zukunft) beteiligen?

Die Plattformen Industrie 4.0 in Deutschland und Industrie du Futur in Frankreich sind miteinander kompatibel. Die teilnehmenden Unternehmen können sich an Projekten beteiligen und erhalten dafür auch staatliche Unterstützung. Das gilt auch für deutsche Unternehmen mit einer Tochtergesellschaft in Frankreich – die Tochtergesellschaft gilt als französisches Unternehmen wie alle anderen auch. Wir wollen mit der Plattform Industrie du Futur ausdrücklich ausländisches Know-how und ausländische Technologie dazuholen.

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