Exklusiv-Interview Frankreich wird als Standort interessanter

Autor: Stéphane Itasse

Als Nachbarland zählt Frankreich zu den wichtigsten Absatzmärkten und Investitionsstandorten für deutsche Unternehmen. Welche Gründe es derzeit für ein Engagement gibt und womit der Standort Frankreich punkten kann, erläutert Didier Boulogne, Geschäftsführer von Business France in Deutschland, Österreich und der Schweiz, im Interview.

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„Alle deutschen Unternehmen, mit denen wir zu tun haben, loben das Engagement der Arbeitnehmer in Frankreich“, berichtet Didier Boulogne, Geschäftsführer von Business France in Deutschland, Österreich und der Schweiz.
„Alle deutschen Unternehmen, mit denen wir zu tun haben, loben das Engagement der Arbeitnehmer in Frankreich“, berichtet Didier Boulogne, Geschäftsführer von Business France in Deutschland, Österreich und der Schweiz.
(Bild: Itasse)

Herr Boulogne, wie ist derzeit die Lage der französischen Industrie?

Auch wenn die Industrie in Frankreich nicht so stark ist wie in Deutschland und schon über Deindustrialisierung gesprochen wird, bleibt es ein großes Industrieland. Beispielsweise liegt Frankreich, wenn man die Wertschöpfung der Industrie betrachtet, in Europa auf Platz zwei, noch vor Italien. Und unter den weltweit führenden Unternehmen findet man in allen Industriebranchen immer mindestens eines aus Frankreich.

Auf welche Stärken kann die französische Industrie bauen, wo gibt es noch Schwächen?

Die Stärke der französischen Industrie sind die großen Konzerne. Wir haben 30 Industrieunternehmen unter den Fortune-500, genauso viele wie Deutschland. Was uns hingegen fehlt, sind große Mittelständler mit 500 bis 5000 Beschäftigten. Die kleineren Unternehmen müssen wachsen, das ist eine Voraussetzung, um auf den Weltmärkten erfolgreich zu sein. Darin unterstützen sie auch die Regierung und Institutionen wie die Förderbank BPI France. Zu den starken Industriebranchen in Frankreich gehört die Nahrungsmittelverarbeitung, die auf dem starken Agrarsektor aufbaut. Auch die Automobilindustrie spielt eine große Rolle: Es gibt nicht viele Länder auf der Welt, die eigene Hersteller haben, und wir haben hier zwei Unternehmensgruppen. In Frankreich hängt jeder zehnte Arbeitsplatz von der Automobilindustrie ab. Der Branche geht es jetzt wieder besser als in den vergangenen Jahren, die Zulieferer folgen. Auch die Pharmaindustrie, die Biotechnologie sowie die Luft- und Raumfahrt sind starke Branchen.

Wie groß ist aktuell das Interesse, das die deutschen Unternehmen an Investitionen in Frankreich bekunden?

Im vergangenen Jahr haben wir 141 deutsche Unternehmen bei ihren Investitionsprojekten in Frankreich begleitet, das ist ein Rekord. Die Vorhaben dienten vor allem der Erweiterung von bestehenden Tochterunternehmen, weniger der Neugründung. In erster Linie ging es um den Ausbau der Produktion; Frankreich ist gegenwärtig das europäische Land, in dem die Unternehmen am meisten in Produktion investieren.

Welche Gründe sprechen Ihrer Beobachtung nach aus Sicht der deutschen Unternehmen für ein Engagement in Frankreich?

Frankreich bietet mit 66 Mio. Einwohnern einen großen Markt, den zweitgrößten in der EU – mit einer positiven demografischen Entwicklung. Das hat auch Vorteile auf dem Arbeitsmarkt. Wir helfen bereits deutschen Unternehmen, die unter Fachkräftemangel leiden, in Frankreich Lösungen zu finden. Ein weiterer Vorteil Frankreichs ist die gute Infrastruktur, ob Telekommunikation, schnelles Internet, Autobahnen, Züge oder andere Transportmöglichkeiten. Auch die Energiekosten sind für Unternehmen niedrig. Die attraktiven Strom- und Gaspreise sind interessant für energieintensive Unternehmen. Schließlich ist Paris weltweit die Stadt mit der zweitgrößten Konzentration an Fortune-500-Unternehmen, nach Tokio, aber noch vor New York oder London. Eine solche Konzentration ist für das Land Schwäche und Stärke zugleich. Paris ist damit für Unternehmen eine sehr attraktive Stadt, ein Ort, an dem man früher oder später präsent sein muss.

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