Die Frimo Group und ihre deutsche Tochtergesellschaft sind insolvent. Betroffen sind etwa 500 Mitarbeiter. Während weiter produziert wird, werden alle Aufträge geprüft.
Die Frimo Group ist insolvent. Die Unternehmensgruppe fertigt Werkzeuge und Anlagen zum Verarbeiten von Kunststoffen.
(Bild: Frimo)
Die deutsche Unternehmensgruppe Frimo Group ist insolvent. Die Geschäftsführung stellte im Februar einen entsprechenden Antrag beim zuständigen Amtsgericht Münster. Neben der Holding-Gesellschaft Frimo Group GmbH hat auch die operative Tochtergesellschaft Frimo GmbH einen Insolvenzantrag gestellt. Beide Gesellschaften haben ihren Sitz in Lotte bei Osnabrück.
Die Frimo Group baut Werkzeuge und Produktionsanlagen für die Kunststoffverarbeitung in der Automobilindustrie. Das Unternehmen ist laut eigener Angaben Markt- und Technologieführer in seinem Marktsegment.
„Alle Aufträge werden geprüft“
Die Frimo GmbH unterhält nach Unternehmensangaben zudem unselbstständige Niederlassungen und Produktionsstätten in Freilassing, Hamburg und Sontra, südöstlich von Kassel. „Die Produktion bei Frimo wird während des Sanierungsprozesses in vollem Umfang in enger Abstimmung mit den Kunden fortgeführt“, sagte der vorläufige Insolvenzverwalter Stefan Meyer. „Alle Aufträge im Projektgeschäft werden derzeit geprüft, mit den Kunden verhandelt und soweit möglich einvernehmlich fortgeführt; auch die Serviceleistungen und das After-Sales-Geschäft sollen uneingeschränkt fortgeführt werden.“
Sämtliche Optionen würden geprüft, „um eine Sanierung und den Neustart der Unternehmensgruppe zu ermöglichen. Kurzfristig wird auch in Abstimmung mit dem Gläubigerausschuss eine Investorensuche im Rahmen eines strukturierten M&A-Prozesses gestartet“, beschrieb der Insolvenzverwalter. Die Löhne und Gehälter der rund 500 Beschäftigten an den deutschen Standorten sind laut Meyer bis Ende April vom Insolvenzgeld abgedeckt.
Die Frimo-Tochtergesellschaften im Ausland – Ungarn, Polen, USA, Mexiko und China – sind von der Einleitung des Insolvenzverfahrens nicht unmittelbar betroffen und sollen mit geeigneten Maßnahmen stabilisiert werden, um Folgeinsolvenzverfahren bestmöglich zu vermeiden. In der Gruppe beschäftigt Frimo rund 1.200 Mitarbeiter.
Corona, Lieferkrise, Geopolitik: Bekannte Gründe für die Insolvenz
Die Gründe die Frimo für die Schwierigkeiten nennt, überraschen nicht: „Spätestens seit Beginn der Absatz- und Lieferkrise der Automobilindustrie befindet sich die Gruppe in einem anhaltenden Prozess der Krisenbewältigung und Restrukturierung. Die Krisen sind bekannt: begonnen bei den Corona-Lockdowns, gefolgt von der Lieferkrise in der Automobilindustrie bis hin zu den gegenwärtigen geopolitischen Krisen, die Auslieferungen blockiert oder gar unmöglich gemacht haben. Hinzu kommt die Explosion bei den Kosten für Rohstoffe und Energie, ohne dass diese Mehrkosten an die Kunden weitergegeben werden konnten. Diese Situation wird verschärft durch die Zahlungsbedingungen innerhalb der Branche“, teilte Frimo mit.
Trotz unserer konsequenten Ausrichtung und positiven Wachstumsindikatoren ist eine Fortführung des Frimo Geschäftsmodells im bisherigen Rahmen nicht mehr möglich“, erklärt Siegfried Köhler, Co-CEO Sales & Operations der Frimo Group. „Das Insolvenzverfahren gibt uns nun die Möglichkeit, bei laufendem Geschäftsbetrieb langfristig tragfähige neue Konzepte für unsere Unternehmensgruppe mit einem Mehrwert für unsere Kunden zu entwickeln.“
Beim Auftragseingang und bei den Umsatzzahlen zeigte sich laut Unternehmen zuletzt ein deutlicher Trend der Erholung – auch dank der wachsenden Absatzmärkte in der E-Mobilität. Im vergangenen Jahr erwirtschaftete die Unternehmensgruppe rund 160 Millionen Euro. Im Vorjahr waren es 145 Millionen Euro Gesamtleistung; in den Jahren 2019 und davor waren es noch über 200 Millionen Euro. In den schwachen Jahren 2021 und 2022 hat die Frimo Group nach Unternehmensangaben viel Liquidität verloren, die von den Fremd- und Eigenkapitalgebern jetzt nicht weiter gedeckt werden konnte, um die außergerichtliche Restrukturierung fortzusetzen.
Hilfsgelder während der Corona-Pandemie
Im Mai 2021 hatte die Frimo Group GmbH in Folge der Coronavirus-Pandemie Stabilisierungsmittel aus dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds erhalten. Das Unternehmen konnte damals den von den Folgen der Pandemie ausgelösten Liquiditätsengpass überwinden „und Projekte zur Strukturverbesserung einleiten“, wie eine Unternehmenssprecherin damals mitteilte. Das gesamte Struktur-Projekt erstreckt sich über mehrere Jahre.
Neue Geschäftsführung seit Januar 2023
Paulo Cruz Pinto (rechts) und Siegfried Köhler (links) sind Co-CEOs von Frimo.
(Bild: Frimo)
Seit Januar 2023 leitet Paulo Cruz Pinto als Co-CEO die Geschäftsbereiche Finance & Administration. Siegfried Köhler verantwortet ebenfalls seit Januar als CEO die Geschäftsbereiche Sales & Operations. Pinto und Köhler sind seit Anfang 2022 für die Frimo Group tätig. Laut Unternehmen verfügen beide über langjährige Branchenerfahrung in Top-Management-Positionen in internationalen Unternehmen: Paulo Cruz Pinto im Global Finance im Automobilsektor; Siegfried Köhler im internationalen Management und Vertrieb von Werkzeugen, Maschinen und Anlagen, und Produktionssystemen für die kunststoffverarbeitenden Industrien.
Stand: 08.12.2025
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Christof Bönsch, ab 2019 CEO der Frimo Group, hat das Unternehmen zum Ende des Jahres 2022 aus persönlichen Gründen verlassen. „Unter seiner Leitung wurden umfassende Restrukturierungsmaßnahmen umgesetzt und Prozesse zur Neupositionierung, zum Umbau der Wertschöpfungsstruktur sowie Verschlankung der Unternehmensprozesse zur Sicherung der Zukunftsfähigkeit eingeleitet“, beschrieb eine Unternehmenssprecherin.
„Die Optimierung unserer globalen Fertigungsstrukturen in Europa, Amerika und Asien, aber auch ein klares Bekenntnis zu unseren deutschen Standorten sind Bestandteil dieser Strategie“, sagte Mitte Januar Paulo Cruz Pinto.
Über die Frimo Group
Die Frimo-Gruppe wurde 1962 in der Nähe von Osnabrück gegründet. Der Konzern umfasst heute Unternehmen im In- und Ausland mit insgesamt circa 1.200 Mitarbeitern. Kern des Geschäfts sind Werkzeuge und Fertigungsanlagen für die Kunststoffverarbeitung in der Automobilindustrie mit Schwerpunkt auf Automobilinnenverkleidungen.