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125 Jahre MM Maschinenmarkt

Hartmetall ist der Faktor X

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Überlegenheit von Hartmetall

Die Legierung der aufgelöteten Schneiden aus Wolframkarbid und Kobalt ist nicht schmied- oder walzbar, behält aber ihre Form und Härte bei Temperaturen von bis zu 1000 °C. Damit sind die Hartmetallschneiden dem bis dahin gängigen Schnellstahl weit überlegen, sowohl in der Präzision als auch in der Haltbarkeit. Diese liegt nach Herstellerangaben bis zu 500 % höher als bei Schnellstahl und revolutioniert damit die spanende Metallbearbeitung. Richard Walter ist der Prototyp eines Erfinders und Unternehmer, der die Unzulänglichkeiten des 19. Jahrhunderts mit konkurrenzfähigen Massenprodukten des 20. Jahrhunderts zu überwinden wusste.

Mit dem Wirtschaftswunder in Deutschland und dem wachsenden Wohlstand weltweit steigt die Nachfrage nach Industrieprodukten. Die bislang konservativen Zerspanungsverfahren – also erst Gießen des Körpers, dann Bearbeitung der Form durch Fräsen, Drehen, Bohren, Hobeln und zuletzt durch Schleifen – genügten so nicht mehr den Erfordernissen der aufkommenden Massenproduktion und sich diversifizierender Formen und Bearbeitungsverfahren.

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Einstieg in die moderne (elektronische) Fertigung

Untrennbar verbunden mit dem immer effektiveren Werkzeugbau ist der gleichsam rasante Fortschritt im Maschinenbau (siehe Kasten S. 32): Ab Ende der 50er-Jahre macht das Schlagwort NC (numerical control) die Runde, die den Einstieg in die moderne (elektronische) Fertigung einleitet. Anfang der 70er bricht sich auch die Wendeschneidplatte in der Präzisionsbearbeitung Bahn. Diese bedeutet den Einstieg in exakt reproduzierbare Prozesse.

Bislang nutzte die Industrie zur Präzisionsbearbeitung unter anderem Drehmeißel mit aufgelöteten Hartmetallschneiden. Waren die Schneiden verschlissen, schickte der verarbeitende Betrieb die Werkzeuge zum Nachschleifen an den jeweiligen Hersteller oder Lohnschleifbetrieb. Das war nicht nur aufwendig und zeitintensiv, sondern bewirkte auch, dass sich die Maße des Werkzeugs beim Nachschleifen leicht veränderten: Wendeschneidplatten besitzen dagegen eine lösbare Verbindung zwischen Werkzeugschaft und -schneide. Ist eine Schneide abgenutzt, können die Mitarbeiter die durch einen Klemmhalter gehaltene Platte einfach drehen, bis alle Schneiden – normalerweise bis zu drei – verschlissen sind. Danach kann eine neue Platte in denselben Klemmhalter eingespannt werden, die Maßhaltigkeit im Prozess bleibt erhalten.

Einstieg in komplexer werdende Fertigungsprozesse

Zeitgleich baut man die ersten Stufenwerkzeuge, an deren Entwicklung die Aalener Firma Mapal wesentlichen Anteil hat. Dies bedeutet den Einstieg in komplexer werdende Fertigungsprozesse. Entwicklungstreiber ist dabei die Zylinderkopf-Bearbeitung. Bei der Innovation handelt es sich um Bohrwerkzeuge, welche gleichzeitig mehrere Bohr- und Senkstufen in ein und demselben Werkzeug beinhalten. In der Regel können derartige Werkzeuge in einem Arbeitsgang Bohrungen, Planflächen, Ansenkungen und gleichzeitig die Übergänge der einzelnen Flächen zueinander fertigen, Werkzeugwechsel entfallen, Maschinennebenzeiten schrumpfen.

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