Risikomanagement Hedging kann Preisrisiken im Metalleinkauf mindern

Redakteur: Jürgen Schreier

Wer nicht hedgt, der spekuliert, sagen Rohstoffexperten. Hedging ist ein bewährtes Tool, um speziell Rohstoffpreisrisiken abzufedern. Daneben gibt es weitere Ansätze, mit denen sich Versorgungsrisiken bei strategischen Rohstoffen mindern lassen.

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Voraussetzung für das Hedging ist, dass es für den Rohstoff einen Kontrakt gibt, der an der Börse gehandelt wird. So gibt es zum Beispiel für Stahl oder Eisenerz keinen Kontrakt.
Voraussetzung für das Hedging ist, dass es für den Rohstoff einen Kontrakt gibt, der an der Börse gehandelt wird. So gibt es zum Beispiel für Stahl oder Eisenerz keinen Kontrakt.
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Makro, Meso, Mikro: Die Sicherung der Rohstoffversorgung – vor allem bei strategischen Rohstoffen – hat mehrere Dimensionen. Makro: Das ist Sache der Politik und reicht von diplomatischen Bemühungen über die staatliche Förderung der Grundlagenforschung, um kritikale Rohstoffe effizienter zu nutzen oder diese zu substituieren, bis zur Öffnung und Sicherung von Märkten. Meso: Der Name sagt es schon, ist eine Art „Zwischenreich“, in dem Verbände, Forschungseinrichtungen und Netzwerke gefordert sind, während die Handlungsfelder der Unternehmen, also der eigentlichen Rohstoffnutzer, auf der Mikroebene angesiedelt sind. Neben allgemeinen F&E-Aktivitäten im Werkstoffbereich wären zu nennen:

  • die Substitution von Risikorohstoffen,
  • die Steigerung von Produktivität und Materialeffizienz,
  • die Miniaturisierung von Bauteilen (weniger Rohstoffeinsatz),
  • die Nachfragebündelung (niedrigere Beschaffungspreise durch mehr Marktmacht)
  • und last, but not least die vertikale Integration von Wertschöpfungsketten.

Geht es jedoch primär um die Reduzierung von Preisrisiken bei der Rohstoffbeschaffung, schlägt die Stunde des Hedgings, auch Sicherungsgeschäft genannt. Ziel beim Hedging ist, einen gegenwärtig als annehmbar empfundenen Preis auch für die (nähere) Zukunft festzulegen und auf diese Weise eine Transaktion gegen Risiken wie Preisveränderungen abzusichern (to hedge). Im Rohstoffbereich gilt folglich: Wer nicht hedgt, der spekuliert (nicht umgekehrt!). Der Grund liegt in der Volatilität des Rohstoffmarkts, der zudem gewissen saisonalen Zyklen unterworfen ist. Vor allem Letzteres ist bei der Rohstoffbeschaffung das fast noch größere Problem, schließlich braucht ein Einkäufer eine feste Kalkulations- oder eine Preisbasis, auf der er mittelfristig – also für 12 bis 24 Monate – planen kann.

Rohstoffpreise mittelfristig fixieren

Die Instrumente aus dem Bereich des Financial Hedging enthalten mittlerweile ein ganzes Spektrum von Möglichkeiten, um Preise mittelfristig zu fixieren. Unter Financial Hedging versteht man in diesem Kontext das Absichern einer Risikoposition – beispielsweise das Absichern von Rohstoffen gegen negative Marktpreisentwicklungen durch eine adäquate Gegenposition: das Eingehen eines Derivats. Voraussetzung ist natürlich, dass es für den Rohstoff oder die Energie einen Kontrakt gibt, der an der Börse gehandelt wird. So gibt es zum Beispiel für Stahl oder Eisenerz keinen Kontrakt.

Dazu ein Beispiel aus der Praxis: Ein Stahlbauer, der monatlich 70 t Stahl von seinem Lieferanten bezieht, rechnet mit steigenden Preisen im Laufe der kommenden Wochen, wobei der Lieferant seine Preise den aktuellen Marktpreisen an der Londoner Metallbörse (LME) angleicht.

Der Einkäufer kann nun einfach abwarten, aber er kann auch selbst aktiv werden und sich den aktuellen Beschaffungspreis für einen Zeitpunkt in der Zukunft sichern. Konkret muss er dazu an der LME selbst eine entsprechende Position in einem Futures-Kontrakt eröffnen, also eine Long-Position in einem Futures eingehen, wie der Börsianer sagt. Wenn der Käufer eine solche Long-Position im Stahl-Futures eingeht, dann verpflichtet er sich, eine bestimmte Menge Stahl in der Zukunft (zum Beispiel in zwei Monaten) zum Preis von heute zu erwerben.

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