Bioliq-Pilotanlage Hochdruck-Flugstromvergasung erfolgreich in Betrieb

Redakteur: Jürgen Schreier

Auf dem Weg zur Herstellung umweltfreundlicher Kraftstoffe aus Restbiomasse hat das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) zusammen mit Air Liquide Global E&C Solutions einen weiteren Schritt verwirklicht: Die zweite Prozessstufe der Bioliq-Pilotanlage ist fertig.

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Die Bioliq-Anlage am KIT: In einem mehrstufigen Prozess entstehen aus Stroh und anderen biogenen Reststoffen hochwertige synthetische Kraftstoffe.
Die Bioliq-Anlage am KIT: In einem mehrstufigen Prozess entstehen aus Stroh und anderen biogenen Reststoffen hochwertige synthetische Kraftstoffe.
(Bild: Markus Breig/KIT)

Das am KIT entwickelte Verfahren, das in vier Stufen abläuft, erlaubt es, hochwertige und motorenverträgliche Designerkraftstoffe für Diesel- und Ottomotoren herzustellen. Der Flugstromvergaser der Stufe II setzt das in der ersten Prozessstufe erzeugte flüssige Zwischenprodukt Bioliq Syncrude zu einem teerfreien Synthesegas um.

Da er im Versuchsbetrieb wahlweise bei zwei Druckstufen (40 bar und 80 bar) betrieben werden kann, bedeutet dies maximale Flexibilität für die nachgeschalteten Prozesstufen. Mit der Fertigstellung von Bioliq II ist ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zum Betrieb der gesamten Prozesskette von der Biomasse zum Kraftstoff erreicht.

Unterschiedliche Biomassen lassen sich verwerten

Der Flugstromvergaser wurde mit einem speziellen Anlagendesign ausgestattet. Dies hat den Vorteil, dass sich unterschiedliche Biomassen, selbst mit einem hohen Ascheanteil, verwerten lassen. Die verwendeten Werkstoffe halten korrosiven Einflüssen aus Bestandteilen der Biomasse stand und erlauben einen Betrieb bei hohen Drücken. Dies gewährleistet einen industrienahen Betrieb des Flugstromvergasers - er wird somit zu einer wichtigen Forschungsplattform am KIT.

„Der gesamte Bioliq-Prozess ist exemplarisch für die nachhaltige Nutzung von Biomasse und trägt wesentlich dazu bei, fossile Energieträger zu ersetzen und die CO2-Emissionen im Verkehrssektor zu verringern“, erklärte der KIT-Vizepräsident für Forschung und Innovation, Dr. Peter Fritz.

„Mit dem Hochdruck-Flugstromvergaser steht dem KIT-Zentrum Energie nun ein hervorragendes Instrument zur Verfügung, das nicht nur die Industrietauglichkeit des Bioliq-Verfahrens beweisen kann“, erläutert der Projektleiter von Bioliq II, Professor Thomas Kolb. „Es wird auch wichtige Forschungsergebnisse im Bereich der Hochtemperaturverfahren generieren und damit zur Entwicklung neuer Technologien beitragen.“

Kolb verweist auf bereits während der Bauzeit gegründete Forschungskooperationen wie das virtuelle Helmholtz-Institut HVIGasTech (www.hvigastech.org), das die wissenschaftlichen und technischen Kompetenzen der Partner bündelt und in neue Erkenntnisse über thermochemische Prozesse bei hohen Drücken umsetzt.

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