Eine runde Sache? Auf jeden Fall ganz im Sinne einer Kreislaufwirtschaft: Bei Igus landen alte E-Ketten nicht mehr auf dem Müll. Recycling-Plattform und -Projekte verschaffen Hochleistungsmaterialien neue Produktleben.
Die wahrscheinlich erste Energiekette aus 100 Prozent recyceltem Material: Igus gewinnt ausgedienten E-Ketten & Co. weitere Produktleben ab.
(Bild: Igus)
Energieketten landen nach dem Ende ihrer Lebenszeit oft im Industriemüll und damit in der Verbrennung, weiß Motion-Plastic-Spezialist Igus. Das Problem: Die Emissionen belasten nicht nur die Umwelt, auch gehen hier wertvolle Ressourcen für immer verloren. Die Konsequenzen einer Linearwirtschaft, denen Igus mit dem Cradle-to-Cradle-Ansatz entgegenwirken möchte.
Cradle to Cradle oder von der Wiege zur Wiege lautet das Prinzip der Kreislaufwirtschaft (Circular Economy), die sich die Natur zum Vorbild nimmt. Die Natur kennt keinen Abfall, verwertet alles und setzt dafür von Anfang an auch gleich die richtigen Materialien ein. Das Ziel der Circular Economy: Verbrauchs- und Gebrauchsgüter in den biologischen beziehungsweise technischen Kreislauf zurückführen, um so wertvolle Ressourcen und Rohstoffe zu schonen.
„Nicht nur der erste Nutzen von Produkten darf im Mittelpunkt stehen, sondern auch die Verwendung der Rohstoffe nach der Nutzung muss mehr Beachtung finden“, erklärt Jörg Ottersbach, Leiter des Geschäftsbereichs E-Ketten bei Igus. Cradle to Cradle steht also für ein wirtschaftliches Umdenken von Prozessen, und damit hat Igus bereits konkret begonnen. So sammelt Igus beispielsweise im Rahmen des Recycling-Programmes „Chainge“ seit 2019 ausgediente Energie- und Schleppketten von Kunden ein, damit diese nicht auf dem Industriemüll landen. Das gilt sowohl für E-Ketten von Igus als auch für Ketten anderer Hersteller. Ottersbach: „Wir sehen viel Cradle-to-Cradle-Potenzial und streben danach, so viele Rohstoffe und ausgemusterte Produkte wie möglich wieder zu verarbeiten, damit kostbare Ressourcen nicht verschwendet, sondern so lange wie möglich sinnvoll genutzt werden.“
Ergänzendes zum Thema
Im Industriemüll gehen wertvolle Rohstoffe und Ressourcen verloren, auch Hochleistungskunststoffe.
Igus sammelt auf seiner wachsenden Recycling-Plattform Chainge ausgediente Energie- und Schleppketten auch anderer Hersteller ein.
Altmaterial wird zu Neuwarenqualität aufbereitet und wieder in den technischen Kreislauf zurückgeführt. Zu den neuen Produkten nach dem Cradle-to-Cradle-Ansatz zählt z.B. die Cradle-Chain E2.1.CG ist z.B. aus 100 Prozent recyceltem Material.
Formulation Tuning: Aus alt mach neu
Das Altmaterial wird sortenrein sortiert, gereinigt, regranuliert und auf Neuwarenqualität aufbereitet. Igus zufolge ist dies möglich mithilfe einer chemischen Analyse und dem sogenannten Formulation Tuning – ein Prozess, in dem das Material auf die gewünschten Eigenschaften hin optimiert wird und so eine konstante Produktqualität ermöglicht.
Igumid CG nennt Igus das Post-Consumer-Material. Entstanden ist daraus beispielsweise schon ein recycelte Cradle-Chain, dem Motion-Plastic-Spezialisten zufolge ohne Qualitätseinbußen in puncto Verschleißverhalten, Stabilität oder Dauerbiegewechsel. Demnach belegen zahlreiche Tests im eigenen Testlabor, das weltweit als das größte der Branche gilt, dass die neue E-Kette nahezu die gleichen technischen Eigenschaften und Belastungsgrenzen aufweist wie die Energiekette aus dem Standardmaterial Igumid G. Mit der Cradle-Chain E2.1.CG bietet Igus ein komplettes- E-Ketten-Programm aus dem neuen Material Igumid CG. Das trägt nicht nur zur Ressourcenschonung bei, laut Environment Product Declaration spart dieser Rohstoffkreislauf auch 28 Prozent CO2 ein. „Auch die Kaufentscheidungen unserer Kunden werden immer stärker von ökologischen Abwägungen geprägt“, sagt Jörg Ottersbach.
60 Tonnen Hochleistungs-Kunststoffe eingesammelt
Für die Einsendung alter Ketten erhalten die Kunden übrigens im Gegenzug eine Wertgutschein. „Was mit einer kleinen Idee begann, hat rasant Fahrt aufgenommen“, berichtet Michael Blass, Geschäftsführer E-Kettensysteme bei Igus von einer Entwicklung Richtung Kreislaufwirtschaft, in der offenbar einige Dynamik steckt. Seit dem Start von Chainge habe Igus bereits über 60 Tonnen Hochleistungskunststoffe gesammelt und recycelt, die Hälfte alleine in 2022 (Stand Oktober 2022). „Dieses erfreuliche Feedback hat uns motiviert, Recycling noch größer zu denken. Um die Transformation zur Kreislaufwirtschaft zu beschleunigen, werden wir zukünftig neben Energieketten auch andere Bauteile aus technischen Kunststoffen in das Recycling-Programm aufnehmen.“
Um die Abwicklung des Recyclings zu voranzutreiben, ging Igus im Oktober mit der neuen Chainge-Online-Plattform an den Start. Hier können Besitzer alter Kunststoffteile – wie zum Beispiel Halbzeuge oder Zahnräder – eine Recycling-Anfrage stellen, Retouren abwickeln und Gutschriften für den Kauf neuer Igus-Produkte managen. Für Chainge wird Igus zudem neben Köln weitere Standorte in das Programm einbeziehen und baut so das Recycling-Netzwerk aus.
Resteverwertung mit hohem Anspruch: Kugellager in Eco-Variante
Aus Resten eines Hochleistungskunststoffs bei der Spritzgussproduktion fertigt Igus Eco-Varianten des Xiros-Rillenkugellagers.
(Bild: Igus)
Recycling nimmt auch in anderen Geschäftsbereichen bei Igus Fahrt auf. So nutzt das Unternehmen beispielsweise Reste des Hochleistungskunststoffs Xirodur B180 aus der Spritzgussproduktion, um daraus eine Eco-Variante des etablierten Xiros-Rillenkugellagers zu fertigen. Die neue Eco-Variante ist aus vier Komponenten gefertigt: Die Innen- und Außenringe bestehen aus wiederaufbereitetem Xirodur B 180 Eco, der Käfig aus recyceltem Material Iglidur J4, die Kugeln wahlweise aus Edelstahl oder Glas. Die Recyclingversion soll Igus zufolge nahezu gleiche technische Eigenschaften und Belastungsgrenzen erreichen. Ein weiterer Schritt zu mehr Nachhaltigkeit in der Kunststoffproduktion.
Stand: 08.12.2025
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Igus veröffentlicht den CO2-Fußabdruck für viele seiner schmier- und wartungsfreien Iglidur-Polymergleitlager.
(Bild: Igus)
Zylindrische Gleitlager aus Hochleistungskunststoffen sind schon seit Mitte des Jahres in einer Eco-Variante erhältlich. Und für 16 seiner Iglidur-Werkstoffe weist Igus auch den genauen CO2-Fußabdruck als Scope-3-Emission aus. Anwender sehen demnach im Onlineshop auf einen Blick, wie viel Kohlendioxid-Emissionen die Produktion eines Kunststoff-Gleitlagers verursacht.
Eine weitere Maßnahme: Die Investition in Mura Technology Limited, ein Unternehmen, dessen Technologie nicht recycelbare Plastikabfälle innerhalb von 20 Minuten in Erdöl umwandelt. Das Öl lässt sich anschließend für die Herstellung neuen Kunststoffgranulats nutzen.
Kreislaufwirtschaft heißt auch, nicht mehr verbrauchen als entnommen wird. Und so bemüht sich Igus auch um eine kontinuierliche CO2-Reduktion in der eigenen Produktion. 2021 gelang es dem Kölner Unternehmen, die CO2-Emission im Vergleich zum Vorjahr um 31,2 Prozent zu reduzieren, vor allem durch den Umstieg auf Ökostrom und klimaneutrales Gas. Zudem investiert Igus in Spritzgussmaschinen, die im Vergleich zu älteren Modellen 40 Prozent weniger Energie benötigen. Das ambitionierte Ziel: Bis 2025 soll die Produktion von Bauteilen aus Hochleistungskunststoff CO2-neutral sein. (pf)