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Gebäudestruktur muss überholt werden
Doch das Einbringen der zusätzlichen Anlagen ist nicht die einzige Herausforderung. Denn eine Gebäudestruktur, die über Jahrzehnte erweitert wurde, muss nach Aussage von Röttchen natürlich einmal überholt werden: „Es müssen Fundamente angepasst, Bereiche freigeräumt und Böden vorbereitet werden. Das funktioniert nur, wenn Sie die Vorplanung richtig gemacht haben und die Mannschaft äußerst flexibel ist, weil sie sich wöchentlich auf neue Situationen einstellen muss.“
Mit Unvorhergesehenem muss man rechnen
Bei einer 100-%-Ausbringung, unter ständig veränderten Mix-Verhältnissen und auch bei einer genauen Vorplanung, müsse man mit Unvorhergesehenem rechnen. „Da passiert es natürlich aufgrund von Planungsungenauigkeiten, dass einmal eine Säule an einer anderen Stelle steht, als eingezeichnet. Daraufhin haben wir die Hallen noch einmal genauestens vermessen, Korrekturschleifen durchgeführt und Detailpläne angepasst. Und natürlich sind Sie auch von Lieferanten und deren Unterlieferanten abhängig. Gerade in der jetzigen, guten wirtschaftlichen Lage kommt es da immer wieder zu Lieferverzögerungen.“ Und wenn dann die Lieferung um zwei bis drei Wochen verschoben wurde, dann müssen diese Zeitverluste kompensiert werden. Bei den lokalen Handwerkern hingegen gab es keine Verzögerungen. „Wir haben selbstverständlich mit entsprechenden Überlappungszeiträumen geplant, sodass wir flexibler reagieren konnten“, so Röttchen. Auch diese Arbeiten wurden meist am Wochenende durchgeführt. Teilweise mussten die Arbeiten unter der Woche ausgeführt werden, doch dafür waren dann zusätzliche Sicherungsmaßnahmen notwendig.
Die Strukturmaßnahmen sind laut Röttchen schon seit Mitte 2017 im Gange und werden in den nächsten zwei Jahren stattfinden: „Wenn man in einer schon durchoptimierten, dreistufigen Produktion – also Rohfertigung, Lackierung und Montage – mit verketteten Anlagen, die schon auf sehr hohem Niveau arbeiten, mit optimierten Logistikabläufen etwas verändern will, dann geht das nicht alles in der laufenden Produktion. So muss man einzelne Anlagenteile abbauen, verändern, teilweise Beipasssituationen erzeugen, um die Neuerung zu implementieren. Gleichzeitig oder kurz davor sind Infrastrukturmaßnahmen vorzunehmen: So sind in einem Bereich Säulen zu versetzen, Dachsegmente zu verändern und Böden zu erneuern oder herzurichten, die seit 20 Jahren alte Anlagen getragen haben.“
Die volle Leistungsfähigkeit werde man zwar schon früher haben, wenn die Anlage komplett aufgebaut ist, aber die volle Effizienz werde erst in zwei Jahren erzielt. „Bei einer Anlage, die nach Industrie- 4.0-Kriterien gestaltet wird, müssen zuerst die Anlagenteile aufgebaut und in Betrieb genommen werden. Erst ganz am Schluss lässt sich die Verknüpfung und die Vernetzung der Anlagen vornehmen“, erklärt Röttchen.
Die Fabrik ist ein Teil der digitalen Wertschöpfung
Zu nennen seien hier die vorausschauende Wartung (Predictive Maintenance) und das automatische Planen (Scheduling). „Industrie 4.0 ist eine digitale Wertschöpfungskette, die einen Kundennutzen bietet“, fährt Röttchen fort. „Die Frage ist für uns: Wie lässt sich mit den erzeugten Daten ein Mehrwert für die Fertigung generieren und effizienter arbeiten? An der Qualität lässt sich kaum noch etwas verbessern, weil Rittal hier schon einen sehr hohen Stand hat. Es geht darum, schneller zu produzieren, effizienter zu arbeiten und Störungen zu vermeiden.“
Mit Predictive Maintenance ließe sich etwa im Vorfeld erkennen, wann ein Bauteil voraussichtlich ausfällt oder es in einer Anlage zu Problemen kommen könnte. Dies sei eigentlich heute schon möglich. „Der Nutzen ergibt sich allerdings erst dann, wenn wir es über die kompletten Anlagenteile durchführen werden“, so Röttchen.
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