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Rittal

Industrie-4.0-gerechte Schaltschrankfertigung

Eine Industrie-4.0-gerechte Produktion aufzubauen, ist bei einem Neubau schon ein großes Projekt. Doch eine bestehende Produktion zu transformieren, stellt eine ganz andere Herausforderung dar, wie das Beispiel eines Schaltschrankherstellers zeigt.

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Carsten Röttchen, Geschäftsführer Produktion bei Rittal, zeigt die Fertigung der Großschaltschränke in Rittershausen. Links ist – mit neuer Infrastruktur – eine neue Anlage zu sehen, die den VX25 produziert, rechts die bisherige, auf der noch die Schaltschränke vom Typ TS 8 produziert werden.
Carsten Röttchen, Geschäftsführer Produktion bei Rittal, zeigt die Fertigung der Großschaltschränke in Rittershausen. Links ist – mit neuer Infrastruktur – eine neue Anlage zu sehen, die den VX25 produziert, rechts die bisherige, auf der noch die Schaltschränke vom Typ TS 8 produziert werden.
(Bild: Reinhold Schäfer)

Mit einem großen Paukenschlag hat der Schaltschrankhersteller Rittal auf der Hannover Messe 2018 seinen neuen Großschaltschrank VX25 vorgestellt. Er soll den Vorgänger TS 8 ablösen, den es seit 1999 gibt. Dabei soll er in derselben Fertigungshalle in Rittershausen produziert werden, in der auch schon seit 1985 der Vorvorgänger PS4000 gefertigt wurde. Allerdings soll die Fertigung nun nach Industrie-4.0-Gesichtspunkten erfolgen. Das hat uns vom MM natürlich interessiert und wir haben uns die Fertigung in Rittershausen näher angesehen.

In Rittershausen hat auch die Unternehmensgeschichte von Rittal begonnen, dort wurde 1961 der weltweit erste Serienschaltschrank hergestellt. Heute steht dort eine riesige Halle nur für die Fertigung von Großschränken. Anfang 2017 wurde dort noch ausschließlich der Großschrank vom Typ TS 8 hergestellt. Doch bei Rittal hat man sich gedacht: Warum nicht das Beste noch besser machen? Und so haben die Entwickler dem Steuerungs- und Schaltanlagenbau über die Schulter geschaut und nach Verbesserungsmöglichkeiten gesucht. Dies führte zu der Entwicklung eines ganz neuen Schaltschranks, des VX25, der über eine perfekte Symmetrie und ein durchgängiges 25-mm-Rastermaß verfügt.

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Umbau geschieht aufgrund des Produktes

„Rittal ist als Innovationstreiber bekannt. Wir haben einen neuen Schaltschrank entwickelt und dafür benötigen wir auch eine neue Fertigungslinie“, erläutert Carsten Röttchen, Geschäftsführer Produktion bei der Rittal GmbH & Co. KG in Herborn, der mich beim Rundgang begleitete. „Mit den für das neue Produkt vorgesehenen Maschinen und Anlagen machte es Sinn, den Industrie-4.0-Ansatz zu implementieren.“

Bei Rittal habe man derzeit die Situation, gleich mehrere neue Produkte einzuführen. So werde auch die Kleingehäuseserie umgestellt. Dafür baue man ein komplett neues Werk in Haiger. „Dort können sie natürlich die Digitalisierung von vornherein mitplanen“, erklärt Röttchen. In Rittershausen habe man jedoch eine Fertigung, die seit den 1960er-Jahren existiert. Dieses Werk wurde über die Jahre erweitert und wächst Schritt für Schritt weiter. Hier werden derzeit der aktuelle Großschaltschrank TS 8 und parallel der neue VX25 produziert. „Wir haben den Schrank offiziell zur Hannover Messe 2018 vorgestellt und in den Verkauf gebracht. Zur Zeit fertigen wir pro Tag bereits mehrere Hundert Schränke des neuen Produkts und noch über 1000 des alten Produkts.“

„Das heißt, wir implementieren eine neue Produktlinie bei laufendem Betrieb, fahren die neue Serie sukzessive hoch und die bestehende herunter. Die neuen Anlagen sind für Industrie 4.0 vorbereitet, also die Schnittstellen und Sensorik entsprechend vorgesehen. Der nächste Schritt ist, diese in den endgültigen digitalen Verbund zu implementieren“, fährt Röttchen fort. Man habe also eine schrittweise Einführung, denn der bisherige Schaltschrank werde noch eine Zeit lang weiterproduziert und dann auslaufen. „Gleichzeitig fahren wir die Produktion des neuen Schaltschrankes schrittweise hoch. Dazu haben wir für die neuen Schaltschränke mehrere Anlagen pro Fertigungsschritt. Bis jetzt haben wir nahezu 50 % der neuen automatischen Anlagen für den neuen Schrank aufgestellt und müssen bald 50 % der Altanlagen herausnehmen. Wir betreiben derzeit drei Fertigungsstraßen: eine für den neuen Schrank und zwei für den bisherigen. Dabei bereiten wir uns auf den Austausch einer Fertigungslinie vor, um die Kapazität für den VX25 zu erhöhen“, sagt Röttchen. „Dazu haben wir Layout-Workshops durchgeführt, haben uns Flächen gesucht, wo wir erst einmal Anlagen aufbauen. Dann bauen wir substituierend Altanlagen ab. Dafür ist eine exakte, akkurate Planung notwendig. Jeder Schritt muss im Detail durchdacht sein“, erläutert Röttchen ausführlich.

Für die Planung wird neben den Standard-Projektplanungstools auch eine Simulationssoftware verwendet, um mögliche Veränderungen im Vorfeld darstellen zu können.

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Über den Autor

Dipl.-Ing. (FH) Reinhold Schäfer

Dipl.-Ing. (FH) Reinhold Schäfer

Redakteur, MM MaschinenMarkt