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Konjunktur Industrie trägt zur schnelleren Erholung der Wirtschaft bei

| Autor: Melanie Krauß

Der Absturz der deutschen Wirtschaft verläuft glimpflicher als gedacht. Eine wichtige Rolle spielen dabei die Industrieunternehmen.

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Produktionen sind laut Ifo-Institut weniger stark von den staatlichen Maßnahmen betroffen.
Produktionen sind laut Ifo-Institut weniger stark von den staatlichen Maßnahmen betroffen.
(Bild: ©Nataliya Hora - stock.adobe.com)

Die deutsche Wirtschaft wird in diesem Jahr laut Ifo-Institut um 5,2 % schrumpfen. Im Sommer hatten die Forscher noch minus 6,7 % vorhergesagt. „Der Rückgang im zweiten Quartal und die Erholung derzeit verlaufen günstiger als wir erwartet hatten“, sagt Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser. Dafür soll das Wachstum der Wirtschaftsleistung im kommenden Jahr geringer ausfallen: Das Ifo-Institut rechnet nun mit 5,1 % statt 6,4 %. Im Jahre 2022 erwarten die Forscher plus 1,7 %.

Ein Grund für die schnelle Erholung ist laut Wollmershäuser der hohe Anteil der Industrie an der Wertschöpfung. Im Vergleich zu Branchen wie der Gastronomie oder Hotellerie seien die Produktionen weniger von den staatlichen Maßnahmen betroffen gewesen. Auch Auftragseingänge und Exporterwartungen entwickelten sich zuletzt wieder positiv. So scheint im Maschinenbau die Exportkrise überwunden zu sein (Stand August 2020), weitere Rückgänge werden laut Ifo-Institut vorerst nicht erwartet.

„Normalerweise würden wir bei so einer tiefen Rezession mit einer Pleitewelle rechnen“, sagte Wollermshäuser im Rahmen der Pressekonferenz zur Ifo-Konjunkturprognose. „Derzeit ist das jedoch schwierig abzuschätzen.“ Grund dafür seien die Maßnahmen, die von der Regierung getroffen wurden. Diese könnten eine Pleitewelle zwar nicht vollständig verhindern, der Anstieg der Unternehmensinsolvenzen werde sich jedoch vermutlich verzögern.

Coronakrise hinterlässt tiefe Spuren am Arbeitsmarkt

Die Arbeitslosenquote wird auch bis Ende 2022 voraussichtlich nicht wieder auf das Vorkrisenniveau absinken. Laut Ifo-Institut sind dafür zwei Mechanismen verantwortlich. Zum einen führt die konjunkturelle Erholung zwar dazu, dass die Arbeitslosenquote insgesamt sinkt. Zum anderen werden durch die erwarteten Unternehmensinsolvenzen jedoch auch Arbeitskräfte freigesetzt, die zumindest mittelfristig keine neue Anstellung finden werden. Der Rückgang wird dementsprechend verlangsamt. Ende 2022 wird die Arbeitslosenquote den Forschern zufolge damit bei 5,5 % liegen.

Die Erholung der deutschen Wirtschaft wird sich bis 2022 fortsetzen – wenn auch verlangsamt.
Die Erholung der deutschen Wirtschaft wird sich bis 2022 fortsetzen – wenn auch verlangsamt.
(Bild: Ifo-Institut)

Zur Kurzarbeit sagt Wollmershäuser: „Man hätte erst einmal abwarten können, bevor man die Verlängerung des Kurzarbeitergelds beschließt.“ Denn: Unternehmen, die zur Beginn der Krise Kurzarbeit eingeführt haben, hätten diese noch bis März fortführen können – es bestand somit kein Zeitdruck. Gleichzeitig sind dem Experten zufolge noch viele Fragen rund um die Entwicklung der Coronakrise ungeklärt, beispielsweise ob ein zweiter Shutdown überhaupt notwendig wäre. Denn die Möglichkeiten, auf ansteigende Infektionszahlen zu reagieren, haben sich erweitert. Grund dafür sind unter anderem neue Technologien und zusätzliches Wissen über das Ansteckungsrisiko.

Auch Ifo-Präsident Clemens Fuest übt Kritik: „Es gibt durchaus Arbeitskräfte, die zwischendurch auch in anderen Bereichen beschäftigt werden könnten. Dies wird durch das Kurzarbeitergeld verhindert.“ Infolgedessen werden dem Experten zufolge Produktionsmöglichkeiten verschwendet.

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Über den Autor

 Melanie Krauß

Melanie Krauß

Redakteurin Management & IT und Karriere & Weiterbildung