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Starke Nachfrageschwankungen abfedern
Dieter Tietz ist Logistikleiter bei der Stuttgarter Koch, Neff & Volckmer GmbH (KNV), dem führenden Buchgroßhändler in Deutschland. KNV beliefert im Nachtsprung von zwei Standorten aus Buchhändler mit rund 450 000 Medienprodukten — im gesamten deutschsprachigen Raum, von Sylt bis nach Bozen. 3000 verschiedene Lieferanten beliefern die Warehouses, am Tag mit bis zu 15 000 Wareneingangs-Positionen, die vereinnahmt, gebucht und eingelagert werden müssen.
Dem stehen rund 6500 täglich zu bedienende Händler gegenüber; und das bedeutet bis zu 400 000 zu pickende und zu verpackende Auftragszeilen. Das entspricht rund 25 000 Packstücken an Handelskunden mit einem durchschnittlichen Gewicht von 15 kg. „Das Besondere an dieser Leistung ist der Zeitdruck, unter dem wir arbeiten. Es ist unglaublich wichtig, dass ein Buch innerhalb von zwölf Stunden in der Buchhandlung ist“, sagt Tietz. „Und die zweite Besonderheit ist diese starke Nachfrageschwankung im Weihnachtsgeschäft mit einem Faktor von zirka drei bis vier.“
Personalengpass erfordert mehr Automatisierung
Diese Aufgabe könne eher manuell erledigt werden, wozu man Personal brauche. Dieses Personal müsse ausgebildet, zumindest aber eingewiesen sein auf die Tätigkeit, verfügbar und motiviert. „Ich kann Ihnen momentan ein Lied davon singen, wie schwierig das ist“, erklärt Tietz. Gerade in Baden-Württemberg bei einer annähernden Vollbeschäftigung. „Ich würde es mir heute nicht zutrauen, eine Logistik mit 2000 Leuten in unserem Bundesland zu füllen. Das ist schlicht und ergreifend eine unlösbare Aufgabe.“
Auf der anderen Seite die technische Ausstattung: Auch die Anlagen müssten zunächst einmal verfügbar sein, müssten letztendlich gewartet und betrieben werden. Tietz: „Wir haben uns auch überlegt: Inwieweit folgen wir diesen Wegen der Automatisierung und wie stark folgen wir ihnen? Wir sind der Überzeugung, dass wir nicht technisieren, um den Menschen zu ersetzen, sondern um ihn bei seiner Arbeit optimal zu unterstützen. Das heißt, bevor wir in eine Technisierung gehen, würden wir immer erst versuchen, dass wir den Prozess so lange mit modernen Management-Werkzeugen wie Lean Production in der Logistik oder Kaizen-Methoden verbessern, bis der Prozess letztendlich ausgereift ist. Erst wenn sich dann eine Technisierung, eine Teilautomatisierung rechnet — rechnet heißt für uns eine Amortisation von unter drei Jahren — erst dann würden wir technisieren.“
Das bedeute auch, eine ganze Heerschar von Teamleitern und Gruppenleitern in dieser Thematik auszubilden.
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