Steuerungen

IT-Sicherheit geht Hersteller und Anlagenbetreiber an

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Denn der Trojaner Stuxnet nutze mehrere bis dahin unentdeckte Sicherheitslücken im Betriebssystem, die nur mit sehr hohem Aufwand zu entdecken seien. Außerdem enthält er die Funktionalitäten von Siemens-Scada, was bedeutet, dass die Programmierer zum Forschen und Testen Zugang zu industriellen Steuersystemen gehabt haben müssen. „Und er enthält zwei gestohlene gültige digitale Zertifikate, und zwar von Realtek und JMicron“, so Fagerland.

Viren-Experten warten auf Stuxnet-Nachfolger

Wer die Ressourcen für so eine Riesensache haben könnte, sei Gegenstand wilder Spekulationen. Die Gefahr durch Stuxnet wird seiner Meinung nach allerdings nicht lange anhalten, weil das Virus seit seiner Entdeckung für die Autoren im Wesentlichen uninteressant sei. „Was uns mehr umtreibt, ist die Frage, was als nächstes kommt, wo jetzt klar ist, dass auch Scada-Systeme auf diesem Weg angegriffen werden können“, sagt Fagerland.

Scada-Systeme überwachen und steuern technische Prozesse; ihre Vorteile liegen auf der Hand: absolute Offenheit zwischen Bürowelt und Produktion sowie mehr Transparenz in der Produktion. Vollständig automatisierte und vernetzte Produktionsanlagen steigern die Produktivität, bergen aber auch neue Risiken.

Vernetzung der Steuerungen ermöglicht Viren-Verbreitung

Denn über die Netze, die unter anderem der komfortablen Maschinensteuerung dienen, kann sich Schadcode in der ganzen Produktion verbreiten. So offenbart der Schadcode laut Hans Beckhoff, Geschäftsführer der Beckhoff Automation GmbH in Verl, eine prinzipielle Problematik: „Unsere moderne Welt bedarf einer gewissen Offenheit, um die gewünschte Vernetzung zu erreichen. Dafür muss man über Standards miteinander kommunizieren und dies bietet natürlich kriminellen Elementen potenzielle ‚Einfalltore‘. Dagegen müssen Maßnahmen ergriffen werden, und zwar an der Stelle dieser ‚Einfalltore‘, den Betriebssystemen.“

Das Stuxnet-Virus, das speziell Anlagen befallen hat, die mit Siemens-Technik gesteuert werden, habe auch bei dem Unternehmen Beckhoff zusätzliche Überlegungen ausgelöst.

Stuxnet befällt bisher für Viren-immun gehaltene Anlagen

„Die infizierten Anlagen bestehen aus der Kombination eines Visualisierungs-PC und einer klassischen, hardwarebasierten Maschinensteuerung, die man eigentlich bislang für besonders immun gehalten hatte. Aber es gibt einige strukturelle Übereinstimmungen zwischen PC-basierter und hardwarebasierter Steuerungstechnik: Beide Konzepte haben einen ausführenden Bereich, den bei Siemens eine spezielle Hardwaresteuerung ausmacht, und einen anzeigenden und bedienenden Bereich. Zwischen diesen beiden findet eine Systemkommunikation statt. Stuxnet hat unter anderem hier angesetzt. Wir werden darauf reagieren und prüfen, wie wir unsere Systeme mit speziellen Security-Algorithmen erweitern und schützen können“, so Beckhoff. Eine Arbeitsgruppe soll unter anderem dieses Thema bei Beckhoff nun vorantreiben.

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