Betriebstechnik Kabellose Freiheit

Redakteur: Rüdiger Kroh

Ihre Mobilität ist der große Trumpf von Akkuwerkzeugen. Die neuesten Geräte werden immer leistungsstärker und erschließen sich außer dem Hauptanwendungsgebiet Schrauben weitere Segmente. Entsprechend...

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Akkuwerkzeuge erfreuen sich zunehmender Beliebtheit, und das nicht nur bei Heimwerkern, sondern auch in Handwerk und Industrie. Auf dem Weltmarkt für handgeführte Industriewerkzeuge, den die Robert Bosch GmbH, Leinfelden, auf ein Volumen von rund 1 Mrd. Euro beziffert, dominieren zwar noch die Druckluftwerkzeuge, doch die elektrisch angetriebenen Geräte, allen voran die mit Akku, sind im Kommen.

„In etwa fünf Jahren wird das Verhältnis 50 zu 50 sein und bis dahin rechnen wir bei Akku- und Hochfrequenzwerkzeugen mit jährlichen Wachstumsraten von 20 bis 25%“, meint Michael Gänzler, Leiter des Produktbereichs Industriewerkzeuge bei Bosch. Sein Kollege Klaus-Michael Koch, Produktgruppenleiter Akkuwerkzeuge, schätzt den mengenmäßigen Anteil der batteriebetriebenen Geräte, bezogen auf alle Elektrowerkzeuge, weltweit auf 29%. Davon entfallen 11% auf professionelle Anwendungen und 18% auf den Do-it-yourself-Bereich. „Für die Akkutechnik erwarten wir ein dreimal größeres Wachstum als bei netzbetriebenen Werkzeugen“, so Koch. Größtes Anwendungsgebiet ist dabei mit einem Anteil von 86% das Schrauben.

Markt für Akkuwerkzeuge soll jährlich um 5% wachsen

Auf etwa 25% beziffert Gerald Köllermann vom Marketing-Services der Atlas Copco Elektrowerkzeuge GmbH in Essen den Marktanteil von Akkuwerkzeugen in Deutschland. „Es ist das einzige Segment mit Steigerungen in den vergangenen drei Jahren und wir rechnen auch weiterhin mit einem jährlichen Zuwachs von zirka 5%.“ Bei Atlas Copco mit seinen Marken AEG und Milwaukee, die derzeit zum Verkauf anstehen, beträgt der Akkuwerkzeuganteil etwa ein Drittel.

Auch für Ralph Wespel, Produktmanager bei der Metabowerke GmbH in Nürtingen, geht der Trend eindeutig in Richtung Akkugeräte. „Weltweit beträgt deren Marktvolumen etwa 40 Mio. Stück, wobei dieses Segment derzeit das am stärksten wachsende innerhalb der Elektrowerkzeugbranche ist. Dieses Wachstum wird sich auch in Zukunft fortsetzen, die Steigerungsraten sind allerdings stark von den künftigen Neu- und Weiterentwicklungen abhängig“, urteilt Wespel. Der deutsche Akkuwerkzeugmarkt beläuft sich nach seiner Einschätzung auf rund 2,3 Mio. Geräte. Von entscheidender Bedeutung bei batteriebetriebenen Werkzeugen ist natürlich die Akkutechnik.

Außer den bewährten Nickel-Cadmium-Zellen bieten alle Hersteller inzwischen auch Geräte mit Nickel-Metallhydrid-Akkus an. „Die Ausrichtung auf NiCd und NiMH entspricht im Moment voll den Marktanforderungen“, so der Metabo-Manager. „Die besten Leistungsergebnisse für Akkuwerkzeuge liefern im Moment noch die NiCd-Zellen, weil die NiMH-Zellen für einige Anwendungen noch nicht geeignet sind.“ Das größere Potenzial steckt aber wohl in den NiMH-Akkus. „Nickel-Cadmium scheint, was die Kapazitäten angeht, am Limit angelangt“, meint Bosch-Produktgruppenleiter Koch. Die Leinfeldener wollen sich in der Akkutechnik alle Optionen offen halten und belegten dies im vergangenen Jahr mit der Markteinführung des für kleine Schraub- und Montagearbeiten im Haushalt konzipierten Ixo, dem ersten Schrauber mit Lithium-Ionen-Akku.

Die Vorteile sind das kleine spezifische Gewicht, die geringe Selbstentladung und der nicht vorhandene Memory-Effekt. Eher skeptisch bewerten die anderen Hersteller mit Blick auf das Profisegment die Li-Ionen-Technik. „Im Moment sind Li-Ionen-Akkus für Hochstromanwendungen nicht geeignet und deshalb kein Thema für uns“, legt sich Thorsten Bühl, Geschäftsfeldleiter LDS bei der Hilti Deutschland GmbH in Kaufering, fest. Für Gerald Köllermann von Atlas Copco mag die Li-Ionen-Technik für Laptops oder Handys genügen, ist aber den hohen Entladeströmen, die bei Akkuwerkzeugen entstehen, bisher nicht gewachsen.

Längere Arbeitsperioden pro Akkuladung angestrebt

Erstmals ein Kombigerät, das sowohl für den Akku- als auch den Netzbetrieb geeignet ist, hat Dewalt kürzlich mit einem Nass- und Trocken-sauger vorgestellt. Der Wettbewerb sieht hier jedoch keine Marktchancen. „Ein wirtschaftlich sinnvoller Einsatz“, meint Köllermann, „ist aufgrund der noch sehr hohen Produktkosten bisher nicht in Sicht.“ Die Begründung liefert Metabo-Experte Wespel: „Die Auslegung der Gerätekomponenten erfolgt nach der Art der Energiequelle. Ist diese in erster Linie ein Akkupack, so werden die Komponenten auf diese Eingangsspannung ausgelegt.

Bei einem Kombiwerkzeug muss dann, bei Verwendung am normalen Stromnetz, mit Hilfe einer aufwändigen Elektronik eine Spannung erzeugt werden die dem des verwendeten Akkus entspricht. Dies bedeutet einen großen technischen Aufwand der vom Markt nicht akzeptiert wird.“ Im Fokus von Weiterentwicklungen steht sicherlich die Energiequelle. „Wichtigstes Kriterium ist hier die Verlängerung der Arbeitsperioden mit einer Akkuladung“, erklärt Köllermann. Es gelte also die Effizienz des Gesamtsystems Maschine, Akku und Ladegerät zu verbessern. Zudem sind sich die Anbieter über die Bedeutung von Akkusystemen einig, um mehrere Werkzeuge mit dem gleichen Akkupack betreiben zu können.

Für Bosch-Manager Koch geht der Trend klar zu mehr Leistung, um Netzgeräte ersetzen zu können. „In bestimmten Branchen wird dies der Fall sein“, prognostiziert Hilti-Geschäftsfeldleiter Bühl, „wenn die Akkuwerkzeuge die geforderten Anforderungen packen.“ Dies könnte am ehesten dort erfolgen, wo Strom knapp ist, zum Beispiel bei Gerüstbauern, oder überall dort, wo Flexibilität erforderlich ist. „In höheren Wattklassen hingegen“, so Ralph Wespel, „können Akkuwerkzeuge nach dem aktuellen Stand der Technik Kabelgeräte nicht im großen Stil ablösen.“

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