Software Kapazitätsmanagement-Software steuert Ressourcen von Logistikern

Autor / Redakteur: Karin Böckmann / Dipl.-Betriebswirt (FH) Bernd Maienschein

Lufthansa Systems entwickelte für Kombiverkehr ein spezifisches Kapazitätsmanagementsystem, damit der europaweite Dienstleister für den kombinierten Straßen- und Schienenverkehr seine Ressourcen steuern und optimal einsetzen kann.

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Infolge der EU-Erweiterung, Globalisierung und Just-in-Time-Produktion kann die Logistikbranche seit Jahren Erfolge verbuchen und gehört zu den wachstumsstärksten Wirtschaftszweigen. Die herkömmliche Spedition, die lediglich Waren von A nach B transportiert, rückt dabei etwas in den Hintergrund, vielmehr ist es die Lagerhaltung und die Dienstleistung aus einer Hand, für die sich Auftraggeber interessieren.

Kunden erwarten Informationsfluss

Mittlerweile gilt ein lückenloser und transparenter Informationsfluss über den Aufenthaltsort der Ware als Standard in der Branche. Damit Auftraggeber jederzeit ermitteln können, ob der Empfänger schon beliefert wurde oder ob die Auslieferung verzögert wird, entwickeln IT-Dienstleister wie Lufthansa Systems individuelle IT-Lösungen, mit deren Hilfe die Logistikprozesse abgebildet werden.

Die Kunden von Lufthansa Systems stammen, außer aus der Luftfahrtindustrie, auch aus der Reise- und Transportbranche wie beispielsweise die Firma Kombiverkehr, die Speditionen und Transportunternehmen betreut. Kombiverkehr entwickelt, organisiert und vermarktet ein europaweites Netz für den kombinierten Schienen- und Straßenverkehr: Rund 23 Mio. t Güter und knapp 832 500 Lkw-Ladungen verlagert der europäische Marktführer jährlich auf die Schiene und entlastet so die Straßen.

Dafür, dass die richtigen Güter zur richtigen Zeit am richtigen Ort ankommen, sorgen 165 Mitarbeiter. Täglich entwickeln, organisieren und vermarkten sie Transportleistungen für 120 Züge.

Kapazitätsmanagementsystem sorgt für optimale Auslastung

Damit Unternehmen wie die Firma Kombiverkehr ihre Ressourcen steuern und optimal einsetzen können, entwickelte Lufthansa Systems ein spezifisches Kapazitätsmanagementsystem. Betrachtet man das Auslastungsrisiko, das durch den Einkauf von kompletten Zügen entsteht, ist die entwickelte Software ein wichtiger Faktor. Zusätzlich bereitet sich der Logistikdienstleister auf wachsendes Transportaufkommen, höhere Kundenanforderungen und damit einhergehende komplexere Geschäftsprozesse vor.

Im Zuge der Entwicklung hat sich Lufthansa Systems für das Anforderungsmanagement-Tool Borland Caliber-RM entschieden. Ohne dieses Werkzeug hätten alle relevanten Informationen in einem herkömmlichen Textverarbeitungsprogramm erfasst werden müssen. „Die Anforderungen an eine derartig komplexe Software sind sehr umfangreich“, erläutert Jutta Schwaag, Projektleiterin im Geschäftsbereich Industry Solutions bei Lufthansa Systems. „Zu Beginn der Softwareentwicklung sind diese oft nur unvollständig formuliert – es kommt also darauf an, die Punkte frühzeitig festzulegen.“

Anhand eines Beispiels lässt sich die Größenordnung anschaulich verdeutlichen: Das System ist in 6000 Klassen eingeteilt und verfügt über mehr als 280 000 echte Programmzeilen (so genannte „Non-Comment Source Statements“, kurz NCSS). Das Backend der Applikation wurde modellgetrieben entwickelt.

Software muss alle Beteiligten einbinden

Die Rahmenbedingungen dieser Größenordnung legten die Wahl einer Lösung nahe, welche die enge Zusammenarbeit aller Beteiligten im Projekt effektiv unterstützt: Das Team arbeitete standortübergreifend und bestand aus Mitarbeitern von Lufthansa Systems und Kombiverkehr, die aus unterschiedlichen Firmennetzen heraus auf die entsprechenden Dokumente zugriffen.

Nach einem kurzen Vergleich mehrerer Lösungen entschied sich Lufthansa Systems für den Einsatz von Borland Caliber-RM. „Für Borland Caliber-RM sprachen mehrere Gründe“, berichtet die Projektleiterin. „Zum einen die positive Resonanz anderer Anwender, zum anderen setzt Lufthansa Systems schon seit längerem Borland Together ein.“ Diese Modellierungsplattform wird von den Lufthansa Systems-Entwicklern bereits seit sechs Jahren in verschiedenen Projekten genutzt. Borland Together Designer 2005 wurde daher auch beim anstehenden Projekt zur Analyse und zum Design eingesetzt.

Problemlose Integration mit vorheriger Anwendung

Ein weiteres Auswahlkriterium für Borland Caliber-RM war die problemlose Integration mit der schon vorher verwendeten Lösung. Die Lösungen zur Verwaltung der Anforderungen und zum Entwerfen der eigentlichen IT-Architektur stammen also aus einer Hand, was sich während des Projektes als entscheidender Vorteil erwiesen hat. Für die Entwicklung griff Lufthansa Systems auf erprobte Komponenten zurück. Die mehrschichtige Architektur der Software basiert beispielsweise auf dem Spring-Framework.

Die Borland-Lösung half den Spezialisten von Lufthansa Systems und von Kombiverkehr, die fachlichen Anforderungen an das Kapazitätsmanagementsystem zu ermitteln und die Umsetzung zu steuern. Zusätzlich musste die neue Lösung in die schon vorhandene IT-Infrastruktur bei Kombiverkehr eingebunden werden. Unter Berücksichtigung neu definierter Prozessabläufe und Optimierungskomponenten kann jetzt das Transportnetz besser gesteuert werden.

In erster Linie nutzt Kombiverkehr die entwickelte Applikation, um die Kapazitäten kontinuierlich zu steuern. So können die tägliche Auslastung und die mittelfristige Kapazität geplant werden, in einer späteren Ausbaustufe aber auch die langfristigen Netzplanungen realisiert werden. Das Transportnetz sollte optimal ausgelastet werden, indem das technisch mögliche Gesamtgewicht des Zuges genutzt wird. Dabei wollte Kombiverkehr durch Abstimmung von Ladungsstruktur und Waggontypen aufeinander eine möglichst effektive Zugzusammensetzung erreichen.MM

Karin Böckmann ist freie Journalistin in 63739 Aschaffenburg, Tel. (0 60 21) 3 86 66 82, k.boeckmann@hwp.de

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