Windenergie

Kleinwindkraftanlagen vom Zeitgeist beflügelt, von der Politik vernachlässigt

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Fortschritte bei den Permanentmagneten und in der Wechselrichtertechnik haben in den vergangenen Jahren die Zuverlässigkeit und Wirtschaftlichkeit der Anlagen erhöht, sagt Kühn. Viele Hersteller haben darüber hinaus Flügel und Generator optimiert, um die Effizienz zu steigern.

Mehrere Faktoren für die Marktentwicklung ausschlaggebend

Für den zukünftigen Markt sind mehrere Faktoren von Bedeutung. Das Reiner-Lemoine-Institut betont in einer Studie, dass sich „das Segment erst durch gesteigerte Qualität der angebotenen Turbinen und eine stärkere Standardisierung des Genehmigungsprozesses im großen Maßstab entwickeln kann“. Entscheidend sind nach Meinung vieler Hersteller daneben die Kosten der Anlagen und die politischen Rahmenbedingungen.

Das Iwes untersucht zurzeit, wie sich durch Fortschritte in der Fertigungstechnik die Kosten bei kleinen Windturbinen senken lassen. „Da gibt es zwar Potenzial“, glaubt Kühn, „allerdings wird es nie zu einer klassischen Massenproduktion kommen.“

Anlagenhersteller scheuen vor der Zertifizierung zurück

Bremsend im Moment wirkt vor allem die niedrige Einspeisevergütung von rund 9 Cent je Kilowattstunde. „Bei einer höheren Vergütung hätten wir in Deutschland einen Run auf die Anlagen“, ist Heidi Paulsen vom Hersteller Easy Wind überzeugt. Das kleine Unternehmen aus Enge vertreibt seit 2009 horizontale Vierflügler, die dank einer patentierten Pitch-Regelung als sturmsicher gelten. Eine Alternative dazu wäre Net Metering, bei dem der Stromzähler des Versorgers für jede selbst erzeugte Kilowattstunde quasi rückwärts läuft.

Bremsend wirkt auch die Tatsache, dass nur wenige Anlagen zertifiziert sind. Zwar existiert der international anerkannte Standard IEC 61400-2 zur Zertifizierung von Kleinwindenergieanlagen, doch ist dieser Prozess mit viel Aufwand und hohen Kosten von mehreren Tausend Euro verbunden. Die meisten Hersteller scheuen daher davor zurück. Easy Wind und Aircon gehören zu den wenigen Anbietern, die ihre Horizontaldreher haben zertifizieren lassen. „Zertifikate mit gemessenen statt nur errechneten Leistungskurven schaffen weit mehr Vertrauen beim Kunden“, weiß Paulsen.

Auch das Iwes ist davon überzeugt, dass unabhängige Prüfungen den Markt zu professionalisieren helfen. Daher will das Institut gemeinsam mit Herstellern und Lieferanten ein vereinfachtes Testverfahren entwickeln, das der Branche die Möglichkeit gibt, Funktionsfähigkeit und Effizienz von KWEA unabhängig testen zu lassen. Zertifikate und Prüfsiegel erleichtern zudem den Marktzugang im Ausland. Easy Wind wie auch Aircon konzentrieren sich heute schon auf Länder wie Dänemark, die Niederlande und Großbritannien, wo oft eine Zertifizierung verlangt wird und außerdem die politischen Rahmenbedingungen vielfach günstiger sind.

Kleine Windkraftanlagen werden ihre Abnehmer finden

Trotz vieler Hürden in Deutschland glauben Windkraftexperten, dass kleine Anlagen ihren Markt finden. Je besser und zuverlässiger die Technik, umso zufriedener die Kunden und umso besser das Image. Je mehr Anlagen laufen, umso reibungsloser werden die Genehmigungsprozesse. Außerdem gilt Deutschland als eine Art Schaufenster für den Export von KWEA. Überall dort, wo es keine flächendeckenden Stromnetze gibt, sind kleine Windturbinen eine attraktive Option für eine emissionsarme Energieversorgung.

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