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Andererseits kann die PUR-Grundierung auch im Nachgang durch ein Gießverfahren erfolgen. In diesem Fall wird zunächst das Faserverbundträger-Bauteil hergestellt. Im Anschluss daran wird – im Idealfall über nur eine separate Werkzeughälfte, die eine zusätzliche Kavität freigibt – der Träger mit einem entsprechenden Purocast-System überflutet und so der lackierfähige Zustand der Oberfläche erreicht. Beim Audi TT Hardtop etwa wurde dieses Vorgehen bereits in die Praxis umgesetzt. Bei beiden Fertigungsmöglichkeiten kann für das Purospray- beziehungsweise Purocast-System auf günstige aromatische PUR-Formulierungen zurückgegriffen werden, die aufgrund der sie überdeckenden Lackierung nicht lichtecht sein müssen.
Lichtechte Systeme unterstützen die Bauteilentformung
Andererseits wird bei Rühl Puromer die direkte Oberflächenvergütung von Faserverbundbauteilen mit lichtechten, aliphatischen PUR-Systemen verfolgt, wobei hinsichtlich der Verarbeitung derzeit die nachgelagerte Beschichtung des Substrats analog zu den aromatischen Purocast-Systemen favorisiert wird. Hier baut die Werkstofflösung auf PUR-Systemen der bestehenden Puroclear-Produktfamilie auf. Diese Werkstoffgruppe wurde ursprünglich als Beschichtung für Interieurbauteile entwickelt und erfreut sich hier reger Nachfrage, insbesondere für Edelholzzierteile, aber auch für Thermoplastbauteile in Pianoblack-Optik.
Die Relevanz dieses PUR-Systems liegt zum einen daran, dass es als selbsttrennende Variante verfügbar ist, was einer effizienten Produktion sehr entgegenkommt. Zum anderen können die Systeme mit selbstheilenden Eigenschaften ausgestattet werden das heißt, konventionelle Gebrauchsspuren, wie etwa Kratzer mit Ringen oder Fahrzeugschlüsseln, bilden sich in kurzer Zeit von selbst wieder zurück – und das ohne die Nachhilfe mittels Temperaturbehandlung oder Polieren. Besonders die letztgenannte Eigenschaft macht die Puroclear-Systeme auch für den Außeneinsatz interessant und in diesem Fall nicht zuletzt für den potenziellen Einsatz auf Faserverbundbauteilen.
Puroclear-Systeme gibt es auch mit einer eingefärbten Variante
Die Puroclear-Systeme können zu diesem Zweck auch als Oberflächenveredelung in zweierlei Hinsicht zur Wertigkeitssteigerung der Faserverbundtechnik beitragen: Die transparente puroclear-Variante könnte etwa dazu dienen, das Faserverbundbauteil zu einem hochwertigen Bauteil in Carbonfaser-Sichtoptik zu veredeln. Man denke hier etwa an Dachmodule, Spoilerbauteile oder auch Motorhauben, bei denen die Carbonfaser für den Fahrzeugnutzer als Synonym für Hightech aus dem Flugzeugbau oder Spitzensport mit einer optisch beeindruckenden Tiefenwirkung zur Geltung kommt.
Die Puroclear-Systeme gibt es aber auch mit einer eingefärbten Variante, die in dieser Form durch eine hochwertige Brillanz – zum Beispiel in Pianoblack – punkten. Die genannten Möglichkeiten zur Oberflächengestaltung sind außerdem unabhängig vom Matrixmaterial zu sehen und gelten gleichermaßen für PUR- als auch für Epoxidoberflächen.
Dieser Bericht soll zeigen, dass der Siegeszug der Composites – von einem solchen geht Rühl Puromer aus – nicht zuletzt durch das Verfahren auf Polyurethanbasis nicht mehr aufzuhalten ist. Rühl, und das gilt auch für die Werkstoffindustrie im Allgemeinen, kann außerdem mit beeinflussen, wie schnell der Weg zu verstärkter Ressourcenschonung, Treibstoffeinsparung und CO2-Reduzierung beschritten wird.
* Dr.-Ing. Ingo Kleba ist Geschäftsführer der Rühl Puromer GmbH in 61381 Friedrichsdorf.
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