Energieeffizienz

Kunststoffverarbeiter dezentral mit Energie versorgen

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Ökonomische Seite der Maßnahmen im Fokus behalten

Neben der Energieeffizienz interessiert die Unternehmen auch die ökonomische Seite von Maßnahmen. Übliches Bewertungskriterium ist hierfür in der produzierenden Industrie die Amortisationsdauer. Im Bereich der Kälte und der Gebäudeheizung amortisieren sich die genannten Standardinvestitionen meist innerhalb eines Jahres.

Die dynamische Amortisationszeit der Gasheizung für die Extruder hängt stark von den unternehmensspezifischen Gegebenheiten und den Maschinengrößen ab. In vielen Fällen ist mit etwa drei Jahren zu rechnen [4]. Systemische Erweiterungen, wie eine Installation einer Luftvorwärmung für die Extrudergasheizung oder eine erweiterte Unterstützung des Gebäudeheizsystems, rechnen sich in rund einem Jahr.

Für die „große“ Lösung, die Verbindung von AKM, Biomethan-BHKW, Gebäudeheizung und Gasheizungs-Abwärme ist der ausgehandelte Contracting-Preis pro Kilowattstunde Wärme vom BHKW entscheidend. Drei bis fünf Jahre sind hier in Deutschland realistisch [1].

Im Bereich Wärme gibt es für die Kunststoff verarbeitende Industrie zahlreiche Möglichkeiten, energie- und kosteneffizient zu arbeiten. Es ist beispielsweise möglich, die heißen Rauchgase von Blockheizkraftwerken direkt zu nutzen, um den Thermalöl-Massenstrom aufzuheizen. Die restliche Wärme des Abgases hat immer noch eine Temperatur, die für die Versorgung von AKM oder Gebäudeheizsystemen ausreichend ist.

Bei Energiesparmöglichkeiten auch das räumliche Umfeld beachten

Das Unternehmen sollte außerdem im Blick haben, ob sich am Standort günstige Gegebenheiten für Effizienzmaßnahmen vorfinden lassen. So bietet Biogas sehr gute Möglichkeiten, um Primärenergie, Treibhausgas und Kosten einzusparen. Eine Versorgung anderer Betriebe und Gebäude im Umkreis der Fabrik ist dabei ein interessanter Aspekt. Aufgrund der Installation von Nah- und Fernwärmenetzen lässt sich thermische Energie austauschen. Beispiele für dankbare Abnehmer sind Schwimmbäder, Landwirtschaft, Gärtnereien und jegliches weitere Gewerbe mit hohem Wärmebedarf. Um hohe Kosten der Wärmeleitung zu vermeiden, sind kurze Wege zwischen den Partnern notwendig. Ist dies gegeben, haben alle etwas davon: Der Kunststoffbetrieb erhöht die Wirtschaftlichkeit seines BHKW wegen einer hohen Auslastung und der Wärmeabnehmer profitiert von günstigen Wärmepreisen. MM

Literatur

[1] Schlüter, A.: Beitrag zur thermischen Energieversorgung in der Kunststoffverarbeitung – Systemische Lösungen und Potenziale, Dissertation, Universität Kassel, Kassel, voraussichtlich 2013.

[2] Ökoinstitut e. V. Institut für angewandte Ökologie: Globales Emissions-Modell integrierter Systeme (Gemis), Version 4.7, Freiburg i. Br., 2011.

[3] Schlüter, A.; Rommel, B.; Schäfer, M.; Hesselbach, J.: Energie sparen mit Gas, energy 2.0, publish-industry, München, S. 16–20, Ausgabe 11/2011.

[4] Schlüter, A.; Rommel, B.: Energieeffiziente Lösungen in der Kunststoffverarbeitung, in: Hesselbach, Jens. (Hrsg.): Energie- und klimaeffiziente Produktionsprozesse: Grundlagen, Leitlinien und Praxisbeispiele. 1. Auflage, Vieweg+Teubner, Wiesbaden, S.290–314, 2012.

* Alexander Schlüter ist Leiter der Abteilung Produktion und Energie am IdE Institut dezentrale Energietechnologien gGmbH in Kassel. Matthias Philipp ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fachgebiet Umweltgerechte Produkte und Prozesse (UPP) an der Universität Kassel, Prof. Dr. Jens Hesselbach ist Lehrstuhlinhaber am Fachgebiet UPP an der Universität Kassel.

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