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Die Rohrlasermessung wurde allerdings erst richtig interessant, als die Rohrindustrie begann, nicht nur traditionell gebogene Rohre (Bogen, Gerade, Verdrehung) zu produzieren, sondern auch freiformgebogene Rohre. Diese aneinander gereihten Bögen ohne Zwischenlängen, aber mit Verdrehungen konnten weder taktil noch mit der Infrarotgabel gemessen werden, weil die Messsysteme Geraden zwischen den Bögen brauchen.
Freiformgebogene Rohre lassen sich nur mit Laser vermessen
Lediglich ein Laser konnte die Rohrkontur der runden Oberfläche ohne solche Zwischengeraden erkennen. Es gab keine Vorgaben, keine Beispiele, keine Rechenformel. Und gerade bei freiformgebogenen Rohren spielt der „Faktor Rohr“ mit seinen ständigen Veränderungen eine große Rolle, denn jede neue Charge, die gebogen wird, hat andere Eigenschaften. Dabei sind Temperaturunterschiede, Rückfederung, Transport oder Lagerung von entscheidender Bedeutung.
Freiformgebogene Rohre wurden anfangs ohne Rohrdaten durch die Biegemaschine geschoben und gleichzeitig gedreht. Das bedeutete aber auch, dass bis zu 150 Rohre gebogen wurden, bevor sie passten (Bild 2). Es mussten zwei Aufgaben angegangen werden: zum einen die Auswertung der Laserpunktewolken für Rohre, zum anderen die Aufbereitung der Freiform-Rohrdaten für die Umrechnung in x-, y-, z-Koordinaten mit der Möglichkeit der Korrektur.
Freiformgebogene Rohre in Serie zu liefern, war eine Herausforderung
Die erste Herausforderung kam von BMW, die aus ihrer Freiform-Biegemaschine keine korrekten Rohre erhielten; sie konnten nicht zuverlässig wiederholbar in Serie gebogen werden. Eine Weiterentwicklung wurde notwendig, denn das „Chaos“ der Punktewolken musste in eine rohrgerechte Ordnung gebracht werden. Diese durfte keinesfalls starr sein, sondern musste genauso flexibel und variantenreich sein wie die ineinander-/auseinander-fließenden Bögen eines freiformgebogenen Rohres. Obwohl Chaos und Ordnung eher als Extreme gelten, werden sie in einem komplexen Rechenalgorithmus selbst für die Qualitätssicherung zu einem zufriedenstellenden Ergebnis gefügt.
Die Tezet-Entwicklung ist bis heute einzig. Die Testphasen liefen positiv und eines Tages wurden nur noch maximal drei Rohre benötigt. Das war der Startschuss für die Lasermessung von Rohren – genauer gesagt für das Laserscannen, mit Onlinedatenausgabe in x-, y-, z-Koordinaten, Biegedaten und Korrekturdaten (Bild 3). Eine Zeitenwende innerhalb der Rohrgeschichte.
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