Spielt die Bedeutung Ihres Unternehmens für dessen Heimatregion auch eine Rolle?
Das ist so. Ich glaube, dass es Teil des Anspruches dieses Unternehmens ist, auch in der Region zu wirken. Wir wollen nicht nur einen gewissen Stellenwert haben, sondern eben auch eine Wirkung. Dadurch nehmen wir unsere soziale Verantwortung für die Gemeinschaft und natürlich auch für unsere Mitarbeiter wahr. Das ist ein wesentliches Element, das unser Handeln mit beeinflusst und das wir natürlich schätzen und gleichzeitig als positive Verantwortung sehen.
Mit all diesen Verantwortungen, Werten und Zielen, ist das Konzept Familienunternehmen auf einem globalen Markt tatsächlich noch zukunftsfähig?
Ich denke, es ist unstrittig, dass sich das Konzept Familienunternehmen über die letzten Jahrzehnte als Basis für ein Unternehmen bewährt hat. Dabei denken natürlich viele an das Konzept der Gemeinschaft und der langfristigen Planung, das damit einhergeht. Aber wenn Sie von den Herausforderungen der Globalisierung sprechen, kann man das durchaus weiterdenken. Wir müssen den Begriff Familienunternehmen um die Bedeutungen Innovation, Nachhaltigkeit und erfolgreiches Wirtschaften erweitern. Und natürlich um Leistungsbereitschaft und Anspruch. Dann ist das Konzept mit seiner Offenheit, sowohl für andere Ideen, Technologien oder auch Kulturen, sehr konkurrenzfähig – auch auf globalen Märkten.
Das Thema Werte beschäftigt uns bei dieser Interviewserie eigentlich immer. Welche Werte sind für das Unternehmen Lenze konkret besonders wichtig und warum?
Das fängt ganz einfach mit unserem Anspruch an unsere Arbeit an. Wir wollen eine hohe Qualität bieten und mit unseren Produkten Zukunft gestalten. Ein zweiter essenzieller Wert ist Respekt. Und das im breiteren Sinne. Es geht um Integrität, es geht um Fairness. Es geht um gegenseitige Wertschätzung. Und der dritte Punkt, den ich nennen möchte, ist Offenheit. Das schließt auch ein kritisches Hinterfragen der eigenen Leistung und eine passende Feedback-Kultur ein. Diese Werte führen zu einer Leidenschaft und Motivation im Unternehmen, die täglich spürbar ist. Es gibt hier eine Freude am eigenen Tun und natürlich am gemeinsamen Erfolg. Ich glaube, unser Wertegerüst hilft uns dabei, eine besondere Energie freizusetzen. Und natürlich wollen wir auf dieser Basis die Zukunft für unsere Kunden und Partner gestalten – auf Basis eines gemeinsamen Wertegerüsts. Das macht uns erfolgreich.
Dass Sie bei drei Werten „Offenheit“ ansprechen, hat mich jetzt etwas überrascht. Gleichzeitig ist Offenheit in einer vernetzten und digitalen Industrie eine Grundvoraussetzung für zukünftigen Erfolg. Das kann doch kein Zufall sein ...
Es ist kein Zufall, es ist aber auch nicht nur dahergesagt. Ich glaube, das eine geht nicht ohne das andere. Offenheit ist eine grundsätzliche Einstellung. Es wird nicht funktionieren, einfach bei einem Produkt plötzlich Offenheit verkaufen zu wollen. Man braucht Offenheit für andere Meinungen, für andere Perspektiven, Kulturen und für Innovationen. Das kann man dann auch auf die industrielle Zukunftsidee übertragen. Denn wie Sie es vollkommen zu Recht betonen: Als einzelner Player kann ich heute nicht mehr die Aufgaben, die auf uns in der Breite der Globalisierung, der Breite der Anwendungen zukommen, bestreiten. Schon mit der Geschwindigkeit der technologischen Entwicklung Schritt zu halten, ist so unmöglich. Also ja, Offenheit ist damit ein Wertegerüst, das uns auch helfen wird, im Produktbereich und auf dem Markt erfolgreich zu sein.
Jetzt haben wir über Werte aus Unternehmenssicht gesprochen. Werte sind aber eben sehr persönlich. Ist es Ihnen wichtig, dass die Werte des Unternehmens und Ihre Werte kompatibel sind?
Das ist absolut wichtig. Ich glaube nicht, dass man als CEO mit all dem, was heute von einem verlangt wird, ein Unternehmen erfolgreich leiten kann, ohne dass die beiden Wertegerüste – also meines und das des Unternehmens – kompatibel sind. Und es ist auch im Rahmen der vielen, vielen Aufgaben und der positiven Motivation nur dann möglich, seine persönliche Energie immer wieder einzubringen, wenn man eine sehr weite und breite Kongruenz zwischen den Wertegerüsten des Individuums und des Unternehmens feststellt. Das ist für mich also ein essenzieller Faktor für Motivation, Energie, Erfolg und am Ende natürlich auch mein Auftreten als Leader gegenüber den Mitarbeitern.
Natürlich musste aber einiges passieren, bis Sie zu diesem werteorientierten CEO wurden. War Ihnen schon immer klar, dass Sie einmal ein Unternehmen leiten wollen?
Die Antwort hat eigentlich drei Elemente. Es gibt die technische Seite, die spätestens in meinem Studium sehr ausgeprägt war. Außerdem merkte ich tatsächlich relativ früh, dass es mir Spaß macht, andere Menschen zu Dingen zu motivieren, und dass ich in der Lage bin, sie bei Themen mitnehmen zu können. Das ist ein ganz wichtiges Element. Und drittens hatte ich schon immer eine große Neugierde und war sehr offen, neue Dinge kennenzulernen. Das schließt auch ein, neue Chancen wahrzunehmen. Was will ich damit sagen? Zum Teil habe ich meine Berufswahl und meine Ziele natürlich nach diesen Interessen und Stärken ausgerichtet. Nach dem Studium der Elektrotechnik habe ich bewusst ein Unternehmen der Automatisierungs- und Antriebstechnik gewählt, die Firma Baumüller. Dort habe ich die Chance bekommen, mein Wissen breit auszubauen. Nicht nur in der Innovation, auch in unterschiedlichen Rollen im Unternehmen und international. Der nächste Schritt war dann ABB. Und obwohl das ein Konzern ist, bot man mir auch hier sehr viele Möglichkeiten, mich zu entwickeln – auch in Richtung Führung. Und so habe ich dann ja bis 2012 in einem internationalen Konzern mit vielen breiten Aufgaben wirken dürfen. Dazu gehörte auch, verschiedene Kulturen kennenzulernen und zu verstehen, wie man Opportunitäten erkennt. Der nächste Schritt war dann eben meine Stellung hier bei Lenze. Zur Wahrheit gehört aber auch zu sagen: Zu diesem Weg gehört immer ein Quäntchen Glück, vielleicht auch ein bisschen Mut und natürlich gehören dazu auch die richtigen Förderer.
Stand: 08.12.2025
Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir verantwortungsvoll mit Ihren personenbezogenen Daten umgehen. Sofern wir personenbezogene Daten von Ihnen erheben, verarbeiten wir diese unter Beachtung der geltenden Datenschutzvorschriften. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Einwilligung in die Verwendung von Daten zu Werbezwecken
Ich bin damit einverstanden, dass die Vogel Communications Group GmbH & Co. KG, Max-Planckstr. 7-9, 97082 Würzburg einschließlich aller mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen (im weiteren: Vogel Communications Group) meine E-Mail-Adresse für die Zusendung von redaktionellen Newslettern nutzt. Auflistungen der jeweils zugehörigen Unternehmen können hier abgerufen werden.
Der Newsletterinhalt erstreckt sich dabei auf Produkte und Dienstleistungen aller zuvor genannten Unternehmen, darunter beispielsweise Fachzeitschriften und Fachbücher, Veranstaltungen und Messen sowie veranstaltungsbezogene Produkte und Dienstleistungen, Print- und Digital-Mediaangebote und Services wie weitere (redaktionelle) Newsletter, Gewinnspiele, Lead-Kampagnen, Marktforschung im Online- und Offline-Bereich, fachspezifische Webportale und E-Learning-Angebote. Wenn auch meine persönliche Telefonnummer erhoben wurde, darf diese für die Unterbreitung von Angeboten der vorgenannten Produkte und Dienstleistungen der vorgenannten Unternehmen und Marktforschung genutzt werden.
Meine Einwilligung umfasst zudem die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse und Telefonnummer für den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern wie z.B. LinkedIN, Google und Meta. Hierfür darf die Vogel Communications Group die genannten Daten gehasht an Werbepartner übermitteln, die diese Daten dann nutzen, um feststellen zu können, ob ich ebenfalls Mitglied auf den besagten Werbepartnerportalen bin. Die Vogel Communications Group nutzt diese Funktion zu Zwecken des Retargeting (Upselling, Crossselling und Kundenbindung), der Generierung von sog. Lookalike Audiences zur Neukundengewinnung und als Ausschlussgrundlage für laufende Werbekampagnen. Weitere Informationen kann ich dem Abschnitt „Datenabgleich zu Marketingzwecken“ in der Datenschutzerklärung entnehmen.
Falls ich im Internet auf Portalen der Vogel Communications Group einschließlich deren mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen geschützte Inhalte abrufe, muss ich mich mit weiteren Daten für den Zugang zu diesen Inhalten registrieren. Im Gegenzug für diesen gebührenlosen Zugang zu redaktionellen Inhalten dürfen meine Daten im Sinne dieser Einwilligung für die hier genannten Zwecke verwendet werden. Dies gilt nicht für den Datenabgleich zu Marketingzwecken.
Recht auf Widerruf
Mir ist bewusst, dass ich diese Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufen kann. Durch meinen Widerruf wird die Rechtmäßigkeit der aufgrund meiner Einwilligung bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung nicht berührt. Um meinen Widerruf zu erklären, kann ich als eine Möglichkeit das unter https://contact.vogel.de abrufbare Kontaktformular nutzen. Sofern ich einzelne von mir abonnierte Newsletter nicht mehr erhalten möchte, kann ich darüber hinaus auch den am Ende eines Newsletters eingebundenen Abmeldelink anklicken. Weitere Informationen zu meinem Widerrufsrecht und dessen Ausübung sowie zu den Folgen meines Widerrufs finde ich in der Datenschutzerklärung, Abschnitt Redaktionelle Newsletter.
Bei Lenze sind Sie jetzt seit zehn Jahren CEO. Wie hält man sich so lange auf einem solchen Posten?
Ich will es mal ganz salopp sagen: mit einer Portion Realität. Ich habe diese Position ja auch mit einer gewissen Seniorität angetreten, nicht mit 35. Nicht falsch verstehen, aber in einem Alter von 50 hat man Erfahrungswerte, auf die man bauen kann, und man hat gewisse Realitäten. Natürlich braucht man aber auch Motivation und Freude, die man ausstrahlt. Man muss Zusammenarbeit schätzen, positiv mit Menschen agieren. Ich glaube, das ist ein wesentlicher Punkt, der gespürt wird. Wenn man sich dann nicht vor Veränderung fürchtet und bereit ist, sich auch an neue Gegebenheiten anzupassen, hat man gute Chancen, erfolgreich zu sein. Außerdem sehe ich mich frei nach dem alten Fritz als obersten Diener des Staates und eben nicht einfach als Chef.
Ein Wert, mit dem sich aktuell alle auseinandersetzen müssen, ist die Nachhaltigkeit. Wie positioniert sich Ihr Unternehmen hierzu?
Es ist selbstverständlich ein extrem relevantes Thema für alle. Im Spaß könnte ich sagen, Lenze hatte vor fünf Jahren eine Marketingaktion, die hieß „Industrie 4.0 seit 1947“. Heute würde ich es um das Thema Nachhaltigkeit seit 1947 ergänzen. Ich will damit sagen, dass sich KMU, unser Unternehmen eingeschlossen, häufig seit der Gründung mit Fragen der Nachhaltigkeit beschäftigen. Und wir möchten hier einen noch stärkeren Beitrag leisten – mehr noch: führend sein. Das ist uns möglich, da die Automatisierung und auch die Antriebstechnik hochgerechnet bis zu 50 Prozent Energieeinsparungen in der Industrie bringen können. Was wir letztes Jahr übrigens auch dem Kanzler sehr deutlich mitgeteilt haben. Hinzu kommen noch unsere eigenen Produkte. Hier setzen wir uns aktiv mit dem Thema Kreislaufwirtschaft auseinander. Das heißt also, der Beitrag, den Sie auch von uns erwarten dürfen, wird sehr groß sein. Es geht um die Fragen, wie man eigene CO2-Ausstöße vermeiden und gleichzeitig in der gesamten Lieferkette CO2 reduzieren kann. Wir wollen also auch für unsere Kunden ein Nachhaltigkeits-Enabler sein.
Grundsätzlich müsste das Thema doch eigentlich auch perfekt zu mittelständischen Familienunternehmen passen. Nachhaltiges Wirtschaften gehört ja auch zu den Tugenden des ehrbaren Kaufmanns.
Streichen Sie das Wort „eigentlich“ und sagen Sie: Ja, das ist so. Diese Diskussion ist deswegen für viele Familienunternehmen gar keine konfliktbehaftete Diskussion um die Frage, was Unternehmensziele sind und ob Nachhaltigkeit förderlich oder eher konfliktär ist. Nein, es ist genau das Gegenteil. Es ist eine Parallele, die unser Unternehmen, aber auch viele andere, gerade familiengeführte mittelständische Unternehmen, seit vielen Jahren vorantreiben. Klar sind die Awareness und auch das Marketing rund um das Thema in den letzten Jahren gestiegen, aber grundsätzlich bewegen sich Unternehmensentwicklung und Nachhaltigkeit schon lange in einem gleichlaufenden Takt.
Am Ende noch unser Gedankenexperiment: Wenn Christian Wendler heute Jugendlicher wäre, wo würde er seine Freitage verbringen, in der Schule oder mit Fridays for Future auf der Straße?
Ich möchte erst mal zu meiner Jugend zurückgehen. Da war das Thema Nachhaltigkeit natürlich schon wichtig. In meinem Elternhaus, in meinem Freundeskreis ist unsere Zukunftsentwicklung immer wieder besprochen worden. Insofern erlauben Sie mir die Bemerkung, dass der Nachhaltigkeitsgedanke wirklich kein neuer ist. Ich erinnere mich da beispielsweise an die Studie des Club of Rome. Also man hat sich bereits in unserer frühen Jugend mit diesen Themen befasst und das ist auch richtig so. Natürlich ist der Schulprotest eine Kommunikationsform. Aber ganz ehrlich, wir hätten das nicht freitags gemacht. Freitage waren für die Bildung reserviert. Ich finde, auf die Wichtigkeit des Themas kann man auch am Samstag aufmerksam machen und sollte es nicht in Opposition mit der Bildung tun. (bh)