Working Capital Liquiditätsmanagement hilft aus der Finanzklemme

Autor / Redakteur: Manfred Godek / Ulrike Gloger

Viele Unternehmen stecken in einer Finanzklemme. Höchste Zeit, dass sie ihre versteckten Reserven heben. Wahre Schätze stecken bei vielen Unternehmen im Umlaufvermögen, dem sogenannten „Working Capital“. Nachfolgend einige praxiserprobte Ansätze, wie sich das Liquiditätsmanagement optimieren lässt.

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Vor einem Jahr platzten die Auftragspolster aus allen Nähten. Nun aber sind im Maschinenbau Umsatzrückgänge von 30 bis 50% keine Seltenheit. Auch bei der Chiron-Werke GmbH in Tuttlingen ist der Konjunktureinbruch ein Thema. Das Unternehmen produziert mit gut 800 Mitarbeitern für seine weltweite Kundschaft vertikale Fertigungszentren zur Serien- und Einzelteilfertigung.

Aufgrund des breiten Produktspektrums und der schnellen Lieferbereitschaft ist die Logistik, damit auch die Bevorratung von Materialien, ein wesentlicher Erfolgsfaktor. Die Lagerhaltung in dieser Branche bindet allerdings viel Kapital. Durch eine 2007 eingeführte Just-in-Time-Montage gelang es, die Lagerbestände in einzelnen Fertigungsbereichen um bis zu 40% zu verringern – diese sozusagen in zusätzliche Liquidität zu verwandeln.

Liquidität sollte nicht unnötig verschenkt werden

Gerade jetzt, wo Banken sich bei Kreditvergaben zieren, kommt es darauf an, nicht unnötig Liquidität zu verschenken. Im sogenannten Umlaufvermögen oder „Working Capital“ stecken wahre Schätze: Geld, das in Geschäftsprozessen wie der Lagerhaltung gebunden ist und damit der Firma nicht zu Verfügung steht. Laut einer aktuellen Studie von Roland Berger Strategy Consultants haben die Materialbestände in der industriellen Fertigung einen durchweg zweistelligen Prozentanteil an den Bilanzsummen. In der Stahlindustrie sind es 25%, im Anlagenbau 17% und in der Elektronik immerhin 13%.

Insolvenzgefahr droht durch hohe Außenstände

Haupt-Risikofaktor sind nach wie vor die hohen Außenstände. Unbezahlte Rechnungen sind sogar wieder häufiger der Grund für Insolvenzen. Durchschnittlich 57 Tage beträgt die sogenannte „Forderungsreichweite“ im Mittel aller Branchen. Das bedeutet: So hoch ist der Divisior aus offenen Rechnungen und Umsatz multipliziert mit 360 (siehe Kasten). In der Elektronik sind es sogar 80 Tage. „Immer noch werden in zahlreichen Firmen Debitoren nicht systematisch verfolgt“, so Siegward Tesch, Geschäftsführer der Teschinkasso Forderungsmanagement GmbH mit Sitz in Wiehl.

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