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Der vernünftigste Zeitpunkt der nachhaltigen Einflussnahme auf die Logistikkosten ist eigentlich während der technischen Spezifizierung der Windkraftanlagen. Wenn sich die Logistik-Verantwortlichen relativ früh mit den Entwicklungsingenieuren an einen Tisch setzen und sich darüber Gedanken machen: Was darf und was wird eine Turmsektion in der nächsten Anlage und in der übernächsten Anlagen-Entwicklunsstufe eigentlich wiegen? Wie hoch ist ein vernünftiges Maximalgewicht, bei dem man einen Serienfertigungs-Anspruch in der Logistik noch durchhalten kann?
Will man beispielsweise in Mitteleuropa Windkraftanlagen errichten, deren Rohrdurchmesser größer als 4,3 m ist, wird man ein Problem bekommen, da die Brücken in der Regel keine größere Durchfahrtshöhe erlauben. Wenn man sich auf maximal 4,3 m Durchmesser verständigt hat, die Turmsektion aber schwerer als 70 t ist, entsteht das nächste Problem, weil dann die Grenzen der Ausgleichsfähigkeit der hydraulischen Achsensysteme von Tiefladern erreicht sind. Diese Lasten können nicht mehr gleichmäßig auf die Straße verteilt werden.
Niedrige Gewichte und kleinere Windkraftanlagen-Teile sparen Transportkosten
Nachfolgend das eingangs angekündigte Fallbeispiel: Zur Zeit ist ein Windpark in San Sostene, Kalabrien, am „großen Zeh“ von Italien mit 15 Anlagen mit 80 m Nabenhöhe in Errichtung (geschätzter Jahresenergieertrag 80 Gigawattstunden). Die Schlusskalkulation für die Logistikkosten konnte naturgemäß erst nach Festlegung der Lieferanten erfolgen.
Nordex kann nach Aussage von Logistikleiter Petzold immer mit relativ belastbaren Werten arbeiten, zumindest was die Abwicklung innerhalb Europas und die Ankunft des Schiffes im jeweiligen Bestimmungshafen angeht. Auf die einzelne Windanlage heruntergebrochen, erreichen die Logistikkosten in San Sostene immerhin den veritablen Wert von rund 200000 Euro.
Im Detail entstehen Nordex die Frachtkosten in Europa für das Maschinenhaus und die Flügel, dann die Fahrtkosten in Sizilien für die Turmsektionen, die über 16 km vom Lieferanten in den Hafen transportiert werden müssen. Es fallen zwei Mal Kosten für die Seefracht an, für den Umschlag im italienischen Bestimmungshafen, für den Inlandstransport in Italien und für die allgemeine Baustellenver- und -entsorgung, die mit normalen Lkw passiert. Das sind Schaltschränke, Transformatoren, die Baustelleneinrichtung wird wieder heruntergefahren und Transportgestelle und sonstiges Leergut wieder zurückgebracht.
Die letzte Meile mit ihren regionalen Gegebenheiten verhagelt häufig die Transportkosten-Bilanz
Bisher alles Routinen, die Nordex im Griff hat. Dinge, die man mit bewährten Partnern erledigt, die sich auf die Nordex-Produkte haben einstellen können. Die wirklichen Probleme entstehen immer erst vor Ort. Haben die bisherigen Frachtkosten vielleicht 30% der Gesamtkosten ausgemacht, verschlingen die sogenannten „letzten Meilen“ bis zu 70% der Gesamt-Transportkosten.
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