Exportmärkte Lokale Präsenz zahlt sich in Südkorea aus
Es ist gut drei Jahre her, seit Siemens Energy angekündigt hat, seine Asienzentrale in Südkorea zu errichten. Mit Blick auf die Aufträge, die der deutsche Konzern seitdem aus dem Land erhalten hat, kann man sagen: Es hat sich gelohnt.
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Der Verantwortungsbereich des regionalen Headquarters erstreckt sich laut einer Mitteilung von Siemens Ltd. Seoul über ganz Asien. Die Kapazitäten sollten außerdem noch ausreichen, um weitere Projekte auf Wachstumsmärkten wie dem Nahen Osten auszuführen. Bis zu 500 Mitarbeiter wollte der Konzern bis Ende 2017 dort beschäftigen.
Siemens-Gasturbinen der H-Klasse auch in Südkorea gefragt
Die Erfolge ließen nicht auf sich warten. So hat Siemens zusammen mit seinem südkoreanischen Kunden Posco Engineering & Construction Co. Ltd. (Posco E&C), einer Tochtergesellschaft von Posco, einem der größten Stahlhersteller der Welt, bereits 2014 die Kraftwerksblöcke Incheon LNG CCPP 7, 8 und 9 vor der vereinbarten Vertragszeit fertiggestellt. Ausgestattet mit der H-Klasse-Kraftwerkstechnik und einer Leistung von 1262 MWel bei einem Nettowirkungsgrad von 60 %, wird die Anlage unter den Topanlagen des Landes aufgeführt. Siemens lieferte drei sogenannte Power Islands aus jeweils einer Gasturbine SGT6-8000H, einer SST6-5000-HI-L-Dampfturbine, einem SGen6-2000H-Generator, einem Dreidruck-Benson-Abhitzekessel mit SCR sowie das Leittechniksystem SPPA-T3000 für die Gesamtanlage. Außerdem übernahm das Unternehmen das Basic Engineering und die Inbetriebsetzung der gelieferten Komponenten sowie der Gesamtanlage. Ein Langzeitservicevertrag ergänzt das Angebot. Posco E&C war für die Hilfssysteme, die Bautechnik, die elektrischen Anlagen und die Montagearbeiten zuständig.
In einem weiteren Projekt haben Siemens und Posco E&C das GuD-Kraftwerk Ansan an das südkoreanische Netz gebracht. Es hat eine elektrische Leistung von 834 MW. Zusätzlich zum Strom wird die Anlage auch Fernwärme für die Bewohner der Stadt Ansan liefern. Die kombinierte Erzeugung von Strom und Wärme hebt den Brennstoff-Ausnutzungswert auf über 75 %. Betreiber der Anlage ist S-Power mit Sitz in Ansan. Bei dieser mit Flüssiggas befeuerten Anlage handelt es sich um das erste 2+1-Mehrwellenkraftwerk mit H-Klasse-Technik in Südkorea, wie der deutsche Konzern weiter berichtet. Siemens lieferte auch hier die Hauptkomponenten für das Power Island und übernimmt den Service für die Gasturbinen.
General Electric bei Modernisierung eigener Turbinen ausgestochen
Auch im Konkurrenzkampf mit dem Erzrivalen General Electric (GE) kann Siemens in Südkorea punkten: Der Auftrag zur Modernisierung der Leittechnik in den Blöcken 5 und 6 des südkoreanischen Kohlekraftwerks Samcheonpo Thermal Power Station einschließlich der Leittechnik für GE-Dampfturbinen ging an den deutschen Konzern. Ziel der Modernisierung ist, die Verfügbarkeit der Anlagen und die Zuverlässigkeit im Betrieb zu erhöhen sowie die Betriebs- und Wartungskosten zu senken. Auftraggeber ist Korea South East Power Co. Ltd (Kosep), der Betreiber des Kraftwerks. Das Kohlekraftwerk Samcheonpo besteht aus sechs Blöcken mit einer Gesamtleistung von 3240 MWel. Sie wurden 1983 und 1998 in Betrieb genommen. Die Modernisierungen umfassen unter anderem die Installation des Siemens-SPPA-T3000-Leittechniksystems für den Kessel sowie für die Hilfssysteme inklusive Austausch der Turbinenregelung und Leittechnik am Turbosatz.
Auch auf Drittmärkten kann Siemens zusammen mit koreanischen Generalunternehmern Erfolge vorweisen. So hat der Konzern beispielsweise im Auftrag von Hyundai Engineering Mexico ein neues Automobilwerk des koreanischen Automobilbauers Kia Motors in Mexiko mit Stromverteilungstechnik ausgerüstet. Der Auftrag umfasste die gesamte elektrotechnische Ausrüstung der Umspannstation für das elektrische Verteilnetz im Werk. Das Auftragsvolumen beläuft sich für Siemens auf rund 12 Mio. US-Dollar. Ein weiterer Großauftrag kam über Samsung C&T zur Ausstattung eines GuD-Kraftwerks mit integrierter Meerwasserentsalzungsanlage in Katar. Siemens liefert dazu sechs Gasturbinen, vier Dampfturbinen sowie zehn Generatoren. Mit einer Leistung von 2,5 GW und einer Produktion von bis zu 618 Mio. l an Trinkwasser pro Tag soll die Anlage nahezu ein Viertel der installierten Kraftwerkskapazität des Landes stellen. Die Inbetriebnahme der Gesamtanlage ist für Mitte 2018 geplant, eine Teilanlage wird bereits 2017 fertiggestellt, wie Siemens ankündigt.
Aus Südkorea lieferte Siemens auch Abhitzedampferzeuger für das Kraftwerk im ägyptischen Beni Suef. NEM, als Teil von Siemens, liefert insgesamt 24 Abhitzedampferzeuger für das Megaprojekt, bei dem drei schlüsselfertige GuD-Kraftwerke mit einer Gesamtleistung von je 4,8 GW errichtet werden.
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