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Vor einigen Jahren hat auch SAP dieses Thema für sich entdeckt und ist seitdem mit SAP MII (Manufacturing Integration & Intelligence) am Markt unterwegs. Die Software wurde zugekauft und war unter dem Namen des amerikanischen Herstellers Lighthammer eigentlich nur Insidern für Maschinen- und Prozessdatenakquisition ein Begriff.
MES-System als Java-Anwendung auf SAP Netweaver
Technisch gesehen war und ist MII eine Java-Anwendung, die heute auf SAP Netweaver läuft. Von der Funktionalität her brachte ein MES-Anbieter MII auf eine sehr einfache Formel: MII + BDE = MES. Berücksichtigt man den allgemein anerkannten Funktionsumfang integrierter MES, müsste in der Gegenprobe MII von der Personaleinsatzplanung über Kennzahlenberechnung bis hin zur Langzeitarchivierung von Prozessdaten alles abdecken (Bild 1 – siehe Bildergalerie).
SAP definiert MII als Werkzeug für Manufacturing Integration & Intelligence und verweist dabei auf eine Verbundanwendungsumgebung, die mit einer Reihe interner Dienste Anwendungen der Manufacturing Integration und Manufacturing Intelligence unterstützt. Im Einzelnen sind dies:
- Datendienste für den Datenaustausch mit Systemen und Anwendungen in der Fertigung,
- Anwendungsdienste als eine Authoring-Umgebung für Prozesse zur Steuerung und Beeinflussung des Informationsaustausches zwischen der Fertigung und SAP-Transaktionen sowie
- Visualisierungsdienste für die Darstellung von Daten- und Anwendungsdiensten auf grafischen Benutzeroberflächen.
MES kann einfache Prozesse direkt in SAP integrieren
Zwei Szenarien für sinnvolle Einsatzgebiete sind dort denkbar: Einerseits ist die Integration relativ einfacher Prozesse direkt in SAP möglich. Es könnten dies beispielsweise automatisierte Mengenmeldungen zu Fertigungsaufträgen sein, die die Steuerung direkt in SAP verbucht.
Der zweite Einsatzbereich beschreibt die Anbindung eines bestehenden MES, das jene Funktionalitäten abdeckt, die MII nicht löst, wie etwa die Feinplanung. MII ist also eher eine Technologie-Plattform und ein Toolset zur Integration als eine fertige Anwendung. Andererseits stellt sich damit die Frage, welcher Nutzen durch die neue Integrationsmöglichkeit für MES-Anwender und -Hersteller ableitbar ist.
MES-Hersteller investieren kräftig in SAP-Kopplungen
Führende MES-Hersteller investieren teilweise beträchtliche Beträge in die Entwicklung und Pflege ihrer SAP-Kopplungen. Will ein Hersteller seinen Kunden besonders hohe Funktionalität und Sicherheit bieten, lässt er seine Entwicklungen jährlich von SAP zertifizieren, was neben dem technischen auch ein erheblicher finanzieller Aufwand ist. Insofern ist es nicht nachvollziehbar, wenn der eine oder andere MES-Hersteller die Integration via MII hervorhebt, obgleich all seine MES-Funktionen im Zusammenspiel mit SAP auch ohne MII verfügbar sind.
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