VDMA-Konstrukteurstreffen

Mechatronisches Engineering soll Schwachstellen sequenzieller Entwicklung reduzieren

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Dagegen sehe man die Mechatronik im Aquimo-Projekt etwas anders, und zwar mehr als eine neue Denkweise – als ein Denken in Systemen funktionaler und räumlicher Integration. „Dafür braucht man entsprechende Mittel und Wege und Werkzeuge“, erläutert Würslin den Gegenstand des Forschungsvorhabens. Deshalb würden die Studenten an seiner Hochschule nicht Mechatronik studieren, sondern immer Mechatronik mit einer Spezialisierungsrichtung. Das bedeute eine sehr massive mechatronische Orientierung des Grundstudiums. Ausgebildet werden soll ein Teamarbeiter, der das von der Hochschule entwickelte Werkzeug für den mechatronischen Engineeringprozess einsetzen wird, weil er so die grundlegenden Probleme der anderen Disziplinen versteht und sein Spezialwissen in das Team einbringen kann. Dazu erfolgt ab dem dritten Semester die Spezialisierung. Je nach Studiengang werden Schwerpunkte gesetzt, wobei ein praktisches Studiensemester integriert ist. „Es werden permanent im Studium mechatronische Projekte abgewickelt“, lobt Würslin das Verfahren im Hinblick auf das Lösungskonzept einer mechatronischen Entwurfsmethode.

Gemeinsame Entwicklung von Projekten

Deren Vorteile zeigten sich in der gemeinsamen Entwicklung von Projekten. Es entstehe ein Gesamtverständnis für das Produkt, wobei die Synergien der Disziplinen berücksichtigt und kritische Schnittstellen frühzeitig erkannt werden könnten. Durch paralleles Arbeiten und regelmäßige Abstimmungen ließen sich Probleme schneller erkennen und unkomplizierter beheben. Das Aquimo-Modellierungswerkzeug, das gemeinsame Verwendung findet, besteht daher letztlich im zeitlichen Ablauf aus den drei Komponenten „Mechatronischer Entwurf“, „Abstimmung“ und nochmals „Abstimmung“, denen jeweils die parallelen Teilarbeitsgänge „Mechanikkonstruktion“, „Elektrokonstruktion“ und „Software-Entwicklung“ nachgeschaltet sind.

Einen tieferen Einblick in die Abläufe der Qualifizierung für mechatronische Engineeringprozesse gibt Dipl.-Ing. Simone Eberhardinger von der Hochschule Esslingen/Göppingen. „Die bisherigen Qualifizierungsmaßnahmen umfassen ein Schulungskonzept, eine umfangreiche Zielgruppenbestimmung und das aktuelle Schulungsmodell der Hochschule Esslingen“, berichtet sie.

Eine Schulung für Studenten sei im Wintersemester 2008 bereits abgehalten worden – und zwar auf der Basis von Schulungsunterlagen zum Thema „Mechatronischer Entwicklungsprozess“, in welche die Ergebnisse von Analysen bisheriger mechatronischer Projekte einflossen. Auch eine Lerneinheit zu den Grundlagen der Objektorientierung wurde erstellt und bereits eingesetzt.

Qualitätsstandards für die Schulung

Das Schulungskonzept der Hochschule beschreibt den Schulungsbedarf sowie die sich daraus ergebenden Schulungsinhalte. Es legt außerdem die Schulungsmethodiken und die Qualitätsstandards für das Schulungsmaterial fest. Inhaltlich fußt die Aquimo-Schulung auf einem Kompetenzmodell für die mechatronischen Engineeringprozesse. Darin nimmt die Fähigkeit zur Komplexitätsbewältigung eine herausragende Rolle ein. „Das gehört zur Fach- und Methodenkompetenz und schließt das systematische Denken und das Erkennen von Ordnungsstrukturen ein“, so Eberhardinger.

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