Pneumatik Mehr als nur ein Spezialist
Der Pneumatikspezialist Numatics will als Systemlieferant bei Anwendungen mehr in die Breite gehen. Dabei sollen Synergien innerhalb des Mutterkonzerns Emerson, zu dem der Anbieter pneumatischer Komplettlösungen seit kurzem gehört, für Entwicklungs- und Vertriebsaktivitäten genutzt werden. Deutschland-Chef Manfred Leufgen erläutert das Entwicklungspotenzial, das sich daraus für Numatics ergibt.
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MM: Herr Leufgen, Numatics produziert Pneumatikbauteile für Systeme der Automatisierung. Andere weltweit tätige Pneumatikspezialisten liefern bereits komplette Automatisierungssysteme. Wann erfolgt bei Numatics dieser Schritt?
Leufgen: Das ist zunächst einmal eine Frage der Definition. Wenn Sie als Systemlieferant Komplettlösungen bestehend aus Pneumatik, Mechanik und Elektronik verstehen, ist Numatics bereits seit vielen Jahren Systemlieferant.
Wir haben eine sehr umfangreiche Produktpalette, aus der wir häufig individuell das konfigurieren, was der Anlagenbauer oder -betreiber braucht. Dabei ist das Zusammenspiel zwischen Lieferanten und Kunden ganz wichtig, um optimale Lösungen zu erzielen. Die Mechatronik, die aktuell in aller Munde ist, stellt bei Numatics schon seit den achtziger Jahren eine selbstverständliche Verbindung dar.
MM: Für welche Anwender produziert Numatics Pneumatikbauteile?
Leufgen: Unsere Produkte kommen heute in praktisch allen Industriebereichen zum Einsatz, wo Bewegung oder Kraft benötigt wird. Einen bestimmten Bereich oder Anwenderkreis hervorzuheben, ist sehr schwierig.
Aufgrund spezifischer Konstruktionsmerkmale eignen sich viele unserer Ventile vor allem für extreme Anwendungsbedingungen, beispielsweise für heiße oder schmutzige Produktionsbereiche. Deshalb sind wir in diesen Segmenten auch besonders stark vertreten.
MM: Wie dringend ist der Schritt, dass sich Numatics zum Lieferanten kompletter pneumatischer Automatisierungssysteme, etwa für das Teilehandling, entwickelt?
Leufgen: Wie bei der Frage nach dem Systemanbieter geht es auch hier um die Definition. Konkret, wie weit spanne ich den Begriff Automationssystem? Welche Komponenten gehören dazu? Derzeit haben wir alle wesentlichen Bauteile in unserem Portfolio, die für die Realisierung eines Systems notwendig sind. Dementsprechend bieten wir in einem zweiten Schritt zunehmend innovative System- beziehungsweise Komplettlösungen für bestimmte Anwendungen an.
Es ist abzusehen, dass diese Palette schrittweise breiter werden wird. Im Vordergrund stehen dabei Nutzen und Service für den Kunden – ganz gleich, ob Maschinenbauer oder Endanwender. Für uns ist die Realisierung von Komplettlösungen eine weitere wichtige Maßnahme, um den Anbietern billiger Massenprodukte Know-how entgegenzusetzen.
MM: Ein weiterer Trend in der Pneumatik ist die Miniaturisierung von Komponenten wie Ventilen, besonders als Prozessventile. Inwieweit wird Numatics auf diesem Gebiet mit Firmen aus dem US-amerikanischen Mutter-Konzern Emerson kooperieren?
Leufgen: Wir bei Numatics haben den Trend nach Miniaturisierung bereits vor Jahren aufgegriffen und schon länger eine erfolgreiche Serie von Produkten im Kleinformat in unserem Portfolio. Natürlich hat sich die Welt durch den Eintritt in die Emerson-Group geändert. Das heißt, wir nutzen Synergien, wo wir Entwicklungen und Marktaktivitäten gemeinsam vorantreiben können, wir bleiben aber auch in hohem Maße eigenständig, wo dies im Rahmen unserer eigenen Geschäftspolitik sinnvoll ist.
MM: Innerhalb des Emerson-Konzerns, zu dem Numatics seit 2005 zählt, ist auch die elektrische Antriebstechnik stark vertreten. Wird Numatics als Pneumatikspezialist diese Nähe nutzen, um den Trend zur Hybridtechnik bei Automatisierungssystemen aufzugreifen?
Leufgen: Hybridtechnik ist ein interessantes Stichwort. Sicher wird dieser Bereich künftig noch stärker an Bedeutung gewinnen, wenn es darum geht, energieeffiziente und leistungsfähige Anlagen zu konzipieren. Hier eröffnet uns die Zusammenarbeit mit anderen Unternehmen innerhalb der Emerson-Group beste Möglichkeiten, Lösungen zu bieten, die wir bisher nicht bieten konnten und wie sie im übrigen ein Großteil der Wettbewerber auch nicht bieten kann. Das ist ein klares Plus für Numatics, das wir nutzen. So arbeiten gerade die verschiedenen Entwicklungsabteilungen eng zusammen, um das Zusammenspiel von Pneumatik, Elektrik und Elektronik weiter im Sinne der Kunden auszubauen.
MM: Wie sehen Sie die Pneumatik prinzipiell im Anwendungsumfeld der elektrischen Antriebstechnik?
Leufgen: Die Pneumatik – obwohl schon häufig totgesagt – ist und bleibt auch künftig ein zentraler Baustein in der Antriebstechnik. Sie hat ganz bestimmte Vorteile, was sie für viele Einsatzzwecke auch in Zukunft im Vergleich zu anderen Technologien präferiert. Es ist immer im Einzelfall zu entscheiden, was für eine Anlage oder Anwendung die beste Konzeption ist. Daher ist es für uns ganz wichtig, auch kombinierte Anwendungen zu realisieren, in denen Pneumatik wie Elektrik ihre ganz speziellen Anwendungsvorteile voll entfalten können. Ziel ist es, dem Kunden eine optimale Lösung zu bieten. Denn nur durch ein faires, zielorientiertes Miteinander lassen sich langfristige Geschäftsbeziehungen schaffen.
MM: Welche Chancen ergeben sich nach Ihrer Ansicht für Numatics aufgrund der Übernahme durch den Emerson-Konzern?
Leufgen: Wir sehen darin eine optimale Ergänzung für unsere weitere Geschäftsentwicklung. Durch Synergien in der Entwicklung und im Vertrieb, aber auch durch den Zugriff auf andere Technologien, wird unsere Marktposition im heutigen globalen Markt nachhaltig gestärkt. Wir werden damit zukünftig in der Lage sein, ein noch breiteres Leistungsspektrum – auch außerhalb der Pneumatik – anzubieten. Unsere Kompetenz, Komplettlösungen aus einer Hand anzubieten, steigt.
MM: Was wurde davon bereits umgesetzt?
Leufgen: Vor allem in der Entwicklung arbeiten wir da – wo es sinnvoll erscheint – bereits gemeinsam an neuen Produkten, und es findet ein reger Erfahrungs- und Know-how-Austausch statt, aus dem alle Seiten Nutzen ziehen. Dies nicht nur im Bereich der Fluidtechnik, sondern auch in Bereichen, in denen wir bisher über wenig oder gar kein Know-how verfügten. Emerson legt sehr großen Wert auf innovative Produkte und hat klar definierte Ziele bezüglich des Umsatzes mit innovativen Neuprodukten. Von daher ist Kooperation und „Support“ innerhalb der Gruppe kein Fremdwort.
MM: Wie profitiert Numatics in Europa – insbesondere in Deutschland – von der Eingliederung in den Emerson-Geschäftsbereich Industrieautomation?
Leufgen: Konkrete Zahlen kann man noch nicht nennen, wir sind hier in einem zu frühen Stadium. Tatsache ist jedoch, dass sich wertvolle Synergien ergeben, die es uns ermöglichen, unser Leistungsspektrum und damit letztendlich auch unser Geschäftspotenzial weiter auszubauen. Also alles in allem eine klare Stärkung für Numatics. MM
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