IFRS/IAS Mehr Transparenz in der Bilanz
Das Europäische Parlament erließ am 19. Juli 2002 die EU-Verordnung, die die Anwendung der IFRS/IAS-Standards ab 1. Januar 2005 für kapitalmarkt-orientierte Konzerne
Anbieter zum Thema
Das Europäische Parlament erließ am 19. Juli 2002 die EU-Verordnung, die die Anwendung der IFRS/IAS-Standards ab 1. Januar 2005 für kapitalmarkt-orientierte Konzerne grundsätzlich festschreibt. Alle Unternehmen, die Eigen- oder Fremdkapitaltitel am öffentlichen Kapitalmarkt handelnlassen, sind davon betroffen. In Deutschland sind das weniger als 1000 Unternehmen. Doch nach dem Bilanzrechtsreformgesetz vom 29. Oktober 2004, das diese EU-Verordnung in nationales Recht umsetzt, können auch nicht am Kapitalmarkt orientierte Unternehmen Konzernabschlüsse nach den Vorschriften der International Financial Reporting Standards (IFRS) vorlegen. Das heißt: Allein im Maschinen- und Anlagenbau stehen etwa 6000 mittelständische Unternehmen vor der Entscheidung, ob sie von dieser Möglichkeit Gebrauch machen wollen oder nicht. Eine Entwicklung ist unumkehrbar: Europäisierung und Globalisierung werden weitergehen, die Anforderungen an die Industrieunternehmen weiterwachsen. Daraus folgt: Der Trend zur internationalen Rechnungslegung wird sich fortsetzen. Ihn zu ignorieren, könnte fatale Folgen für die Wettbewerbsfähigkeit haben.IFRS fördert internationale GeschäftsbeziehungenMittelständische Unternehmen werden meist durch die Gesellschafter selbst geführt, oftmals handelt es sich um Eigentümer- oder Familienunternehmen. Die Finanzierung erfolgt meistens nicht über den Kapitalmarkt – zum Beispiel über Anleihen oder die Ausgabe von Aktien –, sondern in der Regel über Hausbanken, also überwiegend durch Kredite. Daher bilanzieren die meisten mittelständischen Anlagenbauer nach den handelsrechtlichen Rechnungslegungsvorschriften. Denn beim Jahresabschluss nach HGB geht es hauptsächlich darum, einen ausschüttungsfähigen und besteuerbaren Gewinn zu ermitteln sowie die geschäftsführenden Gesellschafter und Kreditinstitute zu informieren. Im Gegensatz dazu sind die internationalen Standards primär an den Interessen der Investoren, also der Kapitalgeber, ausgerichtet. Die Informationsfunktion steht dabei im Vordergrund. Transparenz ist das oberste Gebot. So haben die geltenden IFRS/IAS-Standards nicht die Kapitalerhaltung zum Ziel, sondern folgen dem Prinzip des „true and fair view´s“. So ist zum Beispiel die Schaffung stiller Reserven oder die Vornahme steuerlich motivierter Mehrabschreibungen nicht erlaubt. Die Anwendung der internationalen Rechnungslegungsvorschriften führt daher eher zu einer Darstellung der tatsächlichen wirtschaftlichen Lage des Unternehmens. Die Befürworter der Bilanzierung nach IFRS – allen voran die institutionellen Anleger und Großbanken – sehen durch das Regelwerk den Wunsch nach größerer Transparenz in den Zahlenwerken der Konzerngesellschaften und besserer Vergleichbarkeit der finanzwirtschaftlichen Situation bei kapitalmarktorientierten Unternehmen erfüllt.Skepsis kommt dagegen aus den Lagern der bundesdeutschen Unternehmerverbände. Der Bundesverband der deutschen Industrie (BDI) und der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) warnen vor einer Überforderung des Mittelstands durch ein straffes und teures Regelungskorsett. Sie geben in zahlreichen Schriften zu bedenken, dass die Wettbewerbsfähigkeit unter einem aufwendigen und unverhältnismäßig teuren Berichtswesen leiden könnte. Doch in einem Punkt sind sich die Bilanzfachleute der unterschiedlichen Lager einig: Die Umstellung auf IFRS erfordert Expertenrat und ein umsichtiges Projektmanagement.Für den Maschinen- und Anlagenbau gibt es gewichtige Argumente, auf internationale Standards umzustellen. So ist Europa mit 59% Anteil am Export der wichtigste Markt für deutsche Maschinen. Die neuen Beitrittsländer zur EU kennen kein mit dem HGB vergleichbares Rechnungslegungssystem und bilanzieren bereits nach IFRS. Hinzu kommt der Wandel im Umfeld der Unternehmensfinanzierung. Längst ist vielen Mittelständlern im Maschinen- und Anlagenbau klar geworden, dass ein international ausgerichtetes Finanz- und Rechnungswesen ein wichtiger Erfolgsfaktor für Wettbewerbsfähigkeit und Wachstum darstellt. Mehr als 95% der so genannten „Small and medium sized Enterprises (SME)“ tätigen laut IASB (International Accounting Standards Board) internationale Geschäfte. Und wer in den harten Märkten bestehen und weiterwachsen will, benötigt in der Regel Kapital. Das wird in vielen Fällen über die Ausgabe von Aktien oder Anleihen an den Kapitalmärkten akquiriert. Doch wer sein Geld in ein Unternehmen investiert, stellt hohe Ansprüche an das Berichtswesen. Er will wissen, welche Risiken er eingeht. Er will sein finanzielles Engagement absichern. Und er will vergleichen. Genau hier liegen nach Auffassung vieler Bilanzexperten die Chancen einer Vereinheitlichung der Rechnungslegungsstandards.Eine größere Transparenz schafft Vertrauen und erleichtert damit die Investitionsentscheidung. Finanz- und Rechnungswesen und Controlling gewinnen wertvolle Erkenntnisse, die Steuerungsinstrumente der Geschäftsleitung werden deutlich verbessert. Doch das Vertrauen von Anlegern gibt es bekanntlich nicht zum Nulltarif. Laut einer Berechnung der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft „Rödl & Partner“ kostet die Einführung von IFRS bei einem mittleren Unternehmen mit etwa 500 Mio. Euro Umsatz durchschnittlich rund 300 000 Euro. Die Experten der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG kommen einer Studie zufolge sogar auf durchschnittliche IFRS-Umstellungskosten von 500000 Euro. „Ein stolzer Betrag“, werden sich viele Manager denken. Dagegen steht allerdings die Gewissheit, bei Anlegern und Geschäftspartnern ein besseres Standing zu erreichen. Nicht neu ist allerdings: Wer international Geschäfte macht, sollte auch auf internationale Gepflogenheiten - zum Beispiel die Bilanzierung nach IFRS - Rücksicht nehmen. Ebenso interessant ist auch die Aussicht auf bessere Kreditzinsen bei der Hausbank.Kosten senken mit externen SpezialistenWer über die freiwillige Einführung der International Financial Reporting Standards nachdenkt, kommt oftmals ohne externe Hilfe nicht aus. Die Anforderungen an die Prozesse im Finanz- und Rechnungswesen sind hoch, der Zeitaufwand für die Einführung ist groß. Viele Bilanz-Fachkräfte kommen zudem erstmals mit den neuen Standards in Berührung und müssen zum Teil erhebliche Wissensdefizite kompensieren. Dass das nicht immer einfach ist, belegt auch eine nichtrepräsentative Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG und der Uni Münster vom November vergangenen Jahres: 40% der befragten Unternehmer verfügen nach eigenen Angaben nur über geringe IFRS-Kenntnisse, 9% sind noch vollkommen unbedarft. Lediglich 12% der Studien-Teilnehmer bezeichnen ihr Wissen als hoch, so die kritische Selbsteinschätzung. Für viele Mittelständler zahlt sich die IFRS-Einführung aber nur aus, wenn die damit verbundenen Aufwendungen in einem überschaubaren Rahmen bleiben und die internen Ressourcen nicht überfordert werden. Wie groß dieser Rahmen ist, hängt von der spezifischen Bedeutung von IFRS für das Unternehmen ab. Wichtig ist, dass das Tagesgeschäft weitestgehend unbeeinflusst bleibt. Externe Spezialisten, die eine Einführung der internationalen Standards temporär begleiten, verfügen über einschlägige Erfahrungen aus vergleichbaren Projekten. Sie kennen die internationalen Rechnungslegungs-Standards aus dem „Effeff“ und sorgen als neutrale Projektmanager für schnelle Ergebnisse. So bietet zum Beispiel die Amadeus Fire AG, ein Spezialunternehmen für Zeitarbeit, Personalvermittlung und Projekte in den Bereichen Accounting, Office, Banking und IT-Services Unterstützung für mittelständische Maschinen- und Anlagenbauer an, die nach den Normen der International Financial Reporting Standards (IFRS) bilanzieren wollen. Auch die Tochtergesellschaft Greenwell Gleeson GmbH hilft bei der IFRS-Einführung durch die Bereitstellung von erfahrenen Interim-Managern. Und die Steuer-Fachschule Dr. Endriss, ebenfalls Mitglied der Amadeus Fire-Gruppe, bietet einen Zertifikatlehrgang zum IAS/IFRS-Accountant an. Ob Bilanzbuchhalter oder Controller: Für Mittelständler ist der Einsatz eines Experten deutlich günstiger als eine Festanstellung. Das Ergebnis ist gleich: Die Bilanzierung nach IFRS sichert Arbeitsplätze und steigert die Wettbewerbsfähigkeit.Bilder: MM-Archiv