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Industrie 4.0

Mehrwert aus Blech und Daten

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Weitere Verbesserungen durch digitale Werkzeuge erwartet Bäckdahl bei der Prozessüberwachung von kritischen Parametern, beispielsweise beim Pressenhub. „Damit können sowohl langfristige als auch plötzliche Veränderungen detektiert werden“, sagt er. Allerdings sind für die Produktivitätsfortschritte noch keine genauen Zahlen vorhanden. „Die Verbesserungen hängen auch davon ab, von welcher Basis aus der Kunde startet, und von der Effizienz der Analysewerkzeuge, die sich ständig weiterentwickeln und neue Erkenntnisse bringen“, erläutert Bäckdahl. Insgesamt erwartet er einen höheren und besser vorhersagbaren Ausstoß.

Prozesskette der Blechbearbeitung hat durch Industrie 4.0 noch Potenzial

Auch Schwarz sieht in der gesamten Prozesskette noch viel Potenzial, das sich mithilfe von Anwendungen aus dem Smart Press Shop in Zukunft heben lassen wird. „Es ist allerdings im Moment noch zu früh für eine detaillierte Auswertung“, antwortet er auf die Frage nach einem bereits erreichten Mehrwert.

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Bei den Herstellern von Biegemaschinen geht nichts mehr ohne Industrie 4.0. „Die Prinzipien von und Gewinne durch Industrie 4.0 diskutieren wir mit fast jedem Kunden weltweit“, berichtet Matthew Fowles, Marketingleiter beim belgischen Hersteller von Blechbearbeitungsmaschinen LVD auf Anfrage von MM Maschinenmarkt. Die Reaktionen seien positiv: „Die Kunden mögen unsere realistische Herangehensweise und praktischen Ratschläge, die wir ihnen dazu geben, was Industrie 4.0 für sie bedeutet und welche Vorteile ein integriertes Industrie-4.0-System ihnen bringen kann“, sagt er weiter. Auch Florian Langer, der bei Trumpf die digitalen Services für Werkzeugmaschinen leitet, berichtet von ähnlichen Erfahrungen: „Wir erhalten sehr gutes Feedback von ganz unterschiedlichen Kunden. Wir haben Kunden, die mit unseren Angeboten in die Industrie 4.0 einsteigen. Genauso gibt es Kunden, die bereits eine sehr klare Vorstellung haben, was sie durch unsere Zusammenarbeit erreichen möchten. Das Feedback reicht bis zu Dank für konkreten Return on Investment.“

Einsatz von Big Data kann die Effizienz stark steigern

Dank der Verfügbarkeit von Big Data könnten die Kunden große Veränderungen bei ihrer Effizienz bemerken, die sie dazu befähigt, die richtigen Entscheidungen treffen, wie Fowles erläutert. „Typischerweise können wir eine Steigerung des jährlichen Wachstums von bis zu 15 % erwarten“, sagt er. Langer geht sogar noch weiter: „In puncto Gesamtproduktivität konnten wir bis zu 30 % Verbesserung mit unseren Smart-Factory-Angeboten erreichen.“ Allerdings hat es aus seiner Sicht mehr Sinn, sich die Potenziale für Teilbereiche der Wertschöpfungskette anzuschauen. „Hier sehen wir vor allem in den indirekten Bereichen wie Kalkulation, Arbeitsvorbereitung, Planung, Intralogistik oder Verbesserungen für Maschinenbediener ein Potenzial von 50 bis 80 % Verbesserung“, sagt der Trumpf-Manager.

Eine Voraussetzung müssen die Kunden allerdings erfüllen, um Industrie 4.0 erfolgreich einführen zu können. „Sie sollten offen sein für eine etwas andere Art zu arbeiten und gewillt, ihre Methoden zu ändern“, sagt Fowles. Noch deutlicher wird Langer: Der Kunde müsse bereit sein, seinen gesamten Geschäftsprozess unter die Lupe zu nehmen, und verstehen, dass die eigenen Prozesse ernsthaft hinterfragt werden müssten. „Einen schlechten Prozess zu digitalisieren, führt einfach nur zu einem schlechten, aber eben digitalen Prozess“, stellt er klar.

Der Weg zu Industrie 4.0 ist für LVD auch noch nicht zu Ende. So will der belgische Maschinenbauer auch Anlagen anderer Hersteller mit seiner Software verknüpfen, wie Fowles ankündigt. Auch sollen andere Operationen auf Blechteilen ermöglicht werden als die bisher in der Software enthaltenen – dies sind das Lasern, Stanzen, Schneiden, Sortieren und Biegen. Langer sieht für Trumpf eine immer größere Nachfrage nach Gesamtsystemen. „Das heißt, wir verkaufen nicht nur Maschinen, sondern beraten und verkaufen oftmals dann Hardware, Software und Services. Damit lösen wir komplexe Herausforderungen unserer Kunden.“ Zum anderen gehe Trumpf das Thema „Digitale Erweiterung der Maschine“ an und sorge dafür, dass die Kunden nicht nur Daten von den Maschinen erhielten, sondern Informationen, die ihnen einen konkreten Mehrwert böten.

Industrie-4.0-Software kommt gut an

Bei den Schwenkbiegemaschinen-Herstellern hat RAS Reinhardt bereits im vergangenen Jahr die Software Bendex als Schritt in Richtung Industrie 4.0 vorgestellt. Es gibt sie in zwei Ausprägungsstufen, als Software für die Maschinen mit der 1-Klick-Programmierung der Biegeteile und als ERP-Software Bendex professional zur Auftragsbearbeitung. „Diese reicht beispielsweise bei Spenglern und Fassadenbauern von der Profilaufnahme auf der Baustelle über die Kalkulation, automatische Angebotserstellung, die Einlastungen der Aufträge, eine Verschnittoptimierung bis hin zum Senden der Aufträge an die Maschinen und die nachträgliche Aufbereitung der Versandpapiere“, sagt Willy Stahl, Geschäftsführer des Sindelfinger Maschinenbauers. Die Maschinen- und Office-Software kaufe fast jeder Kunde zusammen mit der neuen Maschine, berichtet Stahl. Die ERP-Software sei bei etwa 60 Kunden mit unterschiedlichem Funktionsumfang im Einsatz.

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Über den Autor

 Stéphane Itasse

Stéphane Itasse

, MM MaschinenMarkt