Zulieferer Michelin schließt Reifenwerke in Deutschland

Von Thomas Günnel 2 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Michelin hatte bereits Ende 2023 angekündigt, Reifenwerke in Deutschland zu schließen und die Produktion zu verlagern. Jetzt steht fest: Das Aus für die Werke ist endgültig.

Michelin wird in Deutschland bis 2025 zwei Werke schließen und die Produktion von Lkw-Reifen verlagern.(Bild:  Michelin)
Michelin wird in Deutschland bis 2025 zwei Werke schließen und die Produktion von Lkw-Reifen verlagern.
(Bild: Michelin)

Der Reifenhersteller Michelin wird mehrere Werke in Deutschland schließen. Die Gewerkschaft IG BCE konnte die Entwicklung nicht aufhalten. Geschlossen werden die Standorte in Trier und Karlsruhe, die Lkw-Reifenproduktion in saarländischen Homburg wird eingestellt. Der Konzern habe alle Vorschläge der Arbeitnehmerseite zum Erhalt der Werke und einem Teil der Arbeitsplätze abgelehnt. Das teilte die Gewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie am Freitag (15. März) mit.

Die Beschäftigten in Karlsruhe, Homburg und Trier seien darüber informiert worden. Es geht um mehr als 1.500 Arbeitsplätze. Die Produktion soll schrittweise bis 2025 eingestellt werden.

Laut der Gewerkschaft haben die Verhandlungen zum Interessenausgleich und Sozialplan bereits begonnen. „Wir werden alles daransetzen, dass Michelin seiner so oft beschworenen sozialen Verantwortung gerecht wird. Wer die Standorte mit guten Konzepten nicht weiterführen will, muss jetzt die nötigen Mittel für vernünftige Zukunftsaussichten der betroffenen Beschäftigten auf den Tisch legen“, sagte Matthias Hille, IG BCE-Konzernbetreuer für das Unternehmen.

„Billigkonkurrenz und steigende Kosten“

In Homburg soll nur die Runderneuerung von Lkw-Reifen bestehen bleiben. Laut der Deutschen Presse-Agentur sollen dort mehr als 800 Arbeitsplätze entfallen. Außerdem will Michelin ein Kundenzentrum von Karlsruhe nach Polen verlagern. Das Unternehmen begründete die Maßnahmen mit Billigkonkurrenz aus Asien und steigenden Kosten.

„Das Unternehmen hat keinen Mut, um die Durststrecke am Lkw-Reifenmarkt gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen zu überwinden. Es zeigt sich immer mehr, dass es nur noch darum geht: Wo kann am preiswertesten in Europa ein Reifen hergestellt werden, damit noch mehr Geld verdient werden kann?“, kritisiert Matthias Hille, Konzernbetreuer der IG BCE.

Vorschläge der Gewerkschaft abgelehnt

Die Gewerkschaft hatte nach eigenen Angaben dem Unternehmen im Februar ein über 100 Seiten starkes Papier vorgelegt, mit alternativen Konzepten zum Erhalt der Standorte. Es enthielt Vorschläge zur Bildung von Kompetenzzentren, höher spezialisierten Fertigungen, zum Zusammenlegen von Werken – „und selbst die Reduktion der Beschäftigtenzahl war kein Tabuthema, um Kosten zu senken“, teilte die Gewerkschaft mit.

Anfang März lehnte die Konzernleitung all diese Vorschläge ab. „Das Unternehmen hat überzeugende und wirtschaftlich vernünftige Ideen abgelehnt. Michelin macht die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den deutschen Standorten zum Opfer einer reinen strategischen Entscheidung. Ich persönlich bin sehr enttäuscht“, sagte Hille.

Im November hatte auch der Reifenhersteller Goodyear angekündigt, seine Werke in Fulda und Fürstenwalde zu schließen, Fulda bis 2025, Fürstenwalde bis 2027. Insgesamt würden dabei 1.800 Jobs entfallen. Michelin hatte Mitte Dezember 2020 die Reifenproduktion am Standort Hallstadt bei Bamberg eingestellt. Dort entstanden überwiegend 16 Zoll große Reifen. Die Nachfrage dafür war zu stark gesunken.

(ID:49976256)

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung