Mikrobielles Recycling könnte die Recyclingprobleme bei mehrschichtigen Kunststoffverpackungen lösen. Ein entsprechendes Projekt an der Universität Kassel und der Universität Hamburg soll das beweisen.
Verpackungen aus Folien sind zu einem Großteil am Kunststoffabfall beteiligt. Viele davon sind Mehrschichtsysteme, die sich nur schwer recyceln lassen, um daraus wieder gutes Ausgangsmaterial zu machen. Forscher aus Kassel und Hamburg sehen im mikrobiellen Recycling eine Alternative.
(Bild: Christo 2.0)
Für ein neues Forschungsprojekt arbeiten das Fachgebiet Ressourcenmanagement und Abfalltechnik und das Fachgebiet Kunststofftechnik der Universität Kassel sowie das Fachgebiet Mikrobiologie und Biotechnologie der Universität Hamburg an einem gemeinsamen Ziel, wie es heißt. Denn die dortigen Experten wollen mithilfe von mikrobiellem Recycling eine Methode entwickeln, die mehrschichtige Folien umweltverträglich wieder in ihre ursprünglichen Bestandteile zurückführt. Wenn das wie geplant klappt, können diese erneut für qualitativ hochwertige Anwendungen eingesetzt werden. Das Projekt wird von der Volkswagenstiftung mit knapp 1,2 Millionen Euro gefördert.
Mehrschichtfolien können derzeit nur downgecycelt werden
Der Hintergrund ist, dass der Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft, in der Kunststoffe in ihrem wertvollsten Zustand erhalten werden sollen, dringend notwendig ist, um die vermutlich schädlichen Umweltauswirkungen der Kunststoffnutzung zu verringern. Und Folien sind einer der wichtigsten Anwendungsbereiche von Kunststoffen. In deutschen Haushalten bilden sie fast die Hälfte der Einweg-Kunststoffverpackungen. Insbesondere die besonders häufig in der Lebensmittelindustrie eingesetzten Mehrschichtfolien werden beim derzeit angewandten werkstofflichen Recycling als hinderlich betrachtet. Denn sie können nur zu minderwertigen Produkten weiterverarbeitet werden – Stichwort Downcycling. Wäre es jedoch möglich, diese Materialien mit hoher Qualität stofflich verwerten zu können, bestehe die Chance, auch Kunststofffolien in geschlossenen Materialkreisläufen zu führen.
Mikrobielles Recycling löst Energieprobleme der Kreislaufwirtschaft
Um dieses Ziel zu erreichen, verdeutlicht Prof. Dr. David Laner, Leiter des Fachgebiets Ressourcenmanagement und Abfalltechnik der Universität Kassel, die Notwendigkeit einer neuen innovativen Recyclingtechnologie: „Die derzeitigen mechanischen Recyclingverfahren für Kunststofffolien sind durch die Verschlechterung der Produkteigenschaften und uneinheitlichen Qualitäten nicht in der Lage, in großem Maßstab hochwertige Recyclingprodukte zu liefern.“ Eine andere Option stelle aber das chemische Recycling dar, das zwar auch für Kunststoffabfälle mit niedrigem Reinheitsgrad geeignet sei, jedoch durch die hohe Energieintensität und geringe Produktausbeute der unterschiedlichen Verfahren, die Kunststoffmaterialien in ihre Bestandteile zerlegten, als unattraktiver gelte. Deshalb stellen sich die am Projekt beteiligten Fachgebiete der Herausforderung, eine neue Recyclingmethode zu entwickeln, um auch mehrschichtige Kunststofffolien erneut zu hochwertigen Produkten zu verarbeiten, was durch mikrobielles Recycling geschehen soll.
Riskantes Projekt! Klappt es, atmet die Umwelt aber durchaus auf!
Demnach wollen die Experten eine neue und vor allem ökologisch optimale Recyclingtechnik für mehrschichtige Polyethylenfolien (PE-Folien) und Polyethylenterephthalat-Mehrschicht-Folien (PET) entwickeln, die über die enzymatische Depolymerisation – also das Knacken der Langketten – von PE und anschließender reaktiver Extrusion von kurzkettigen Bausteinen (Oligomeren) zu hochwertigen Recyclingprodukten führt. Denn PE sei in fast jeder mehrschichtigen Folie enthalten, aber bisher nicht enzymatisch entschlüsselt, wie etwa PET. Obwohl dieses Projekt aufgrund des völlig neuen Ansatzes riskant ist, könnte es den Weg für ein mehrschichtiges Recycling mit Fokus auf den mikrobiellen Abbau für technische Kunststoffe ebnen und dazu beitragen, die von der Europäischen Kommission festgelegten Recyclingziele zu erreichen, wie die Forscher glauben.
Auch das Automobilrecycling könnte durchaus profitieren
Die Projektergebnisse werden außerdem nicht nur für die Lebensmittel- und Verpackungsindustrie interessant sein, sondern auch für den Automobil- oder Textilsektor, auch wenn es sich dann nicht um Kunststofffolien handelt, wie die Forscher anmerken. Aber die große Vielfalt der in Autos verwendeten Kunststoffe, die Dominanz schwarzer Kunststoffe und die Vielfalt der Füllstoffe stellten eine große Herausforderung für herkömmliche mechanische Recyclingverfahren dar. Das könnte die Chance für das mikrobielle Recycling sein. Das Gleiche gilt für Textilien, für die die Vielfalt der Materialien das sogenannte Faser-zu-Faser-Recycling mit etablierten Methoden erschwert.
Stand: 08.12.2025
Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir verantwortungsvoll mit Ihren personenbezogenen Daten umgehen. Sofern wir personenbezogene Daten von Ihnen erheben, verarbeiten wir diese unter Beachtung der geltenden Datenschutzvorschriften. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Einwilligung in die Verwendung von Daten zu Werbezwecken
Ich bin damit einverstanden, dass die Vogel Communications Group GmbH & Co. KG, Max-Planckstr. 7-9, 97082 Würzburg einschließlich aller mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen (im weiteren: Vogel Communications Group) meine E-Mail-Adresse für die Zusendung von redaktionellen Newslettern nutzt. Auflistungen der jeweils zugehörigen Unternehmen können hier abgerufen werden.
Der Newsletterinhalt erstreckt sich dabei auf Produkte und Dienstleistungen aller zuvor genannten Unternehmen, darunter beispielsweise Fachzeitschriften und Fachbücher, Veranstaltungen und Messen sowie veranstaltungsbezogene Produkte und Dienstleistungen, Print- und Digital-Mediaangebote und Services wie weitere (redaktionelle) Newsletter, Gewinnspiele, Lead-Kampagnen, Marktforschung im Online- und Offline-Bereich, fachspezifische Webportale und E-Learning-Angebote. Wenn auch meine persönliche Telefonnummer erhoben wurde, darf diese für die Unterbreitung von Angeboten der vorgenannten Produkte und Dienstleistungen der vorgenannten Unternehmen und Marktforschung genutzt werden.
Meine Einwilligung umfasst zudem die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse und Telefonnummer für den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern wie z.B. LinkedIN, Google und Meta. Hierfür darf die Vogel Communications Group die genannten Daten gehasht an Werbepartner übermitteln, die diese Daten dann nutzen, um feststellen zu können, ob ich ebenfalls Mitglied auf den besagten Werbepartnerportalen bin. Die Vogel Communications Group nutzt diese Funktion zu Zwecken des Retargeting (Upselling, Crossselling und Kundenbindung), der Generierung von sog. Lookalike Audiences zur Neukundengewinnung und als Ausschlussgrundlage für laufende Werbekampagnen. Weitere Informationen kann ich dem Abschnitt „Datenabgleich zu Marketingzwecken“ in der Datenschutzerklärung entnehmen.
Falls ich im Internet auf Portalen der Vogel Communications Group einschließlich deren mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen geschützte Inhalte abrufe, muss ich mich mit weiteren Daten für den Zugang zu diesen Inhalten registrieren. Im Gegenzug für diesen gebührenlosen Zugang zu redaktionellen Inhalten dürfen meine Daten im Sinne dieser Einwilligung für die hier genannten Zwecke verwendet werden. Dies gilt nicht für den Datenabgleich zu Marketingzwecken.
Recht auf Widerruf
Mir ist bewusst, dass ich diese Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufen kann. Durch meinen Widerruf wird die Rechtmäßigkeit der aufgrund meiner Einwilligung bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung nicht berührt. Um meinen Widerruf zu erklären, kann ich als eine Möglichkeit das unter https://contact.vogel.de abrufbare Kontaktformular nutzen. Sofern ich einzelne von mir abonnierte Newsletter nicht mehr erhalten möchte, kann ich darüber hinaus auch den am Ende eines Newsletters eingebundenen Abmeldelink anklicken. Weitere Informationen zu meinem Widerrufsrecht und dessen Ausübung sowie zu den Folgen meines Widerrufs finde ich in der Datenschutzerklärung, Abschnitt Redaktionelle Newsletter.
Das geförderte Projekt heißt „BioLoop: Micro-biologically enhanced material cycle for closing PE and PE-PET multilayer plastic foil Loops“ und hat eine Laufzeit von vier Jahren wird. Thematisch schließt das Projekt auch an die wissenschaftlichen Aktivitäten des Kasseler Forschungsclusters „BiTWerk – Biologische Transformation technischer Werkstoffe“ unter Leitung von Prof. Dr.-Ing. Thomas Niendorf und Prof. Dr.-Ing Hans-Peter Heim an.