Zukunft Stahl Milliardenverluste bei Thyssenkrupp – Joint Venture geplant

Quelle: dpa 5 min Lesedauer

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Im vergangenen Geschäftsjahr musste Thyssenkrupp bekanntlich Milliarden beim Stahlgeschäft abschreiben. Jetzt will man die Zukunft mithilfe des Milliardärs Daniel Kretinsky sichern, meldet die dpa.

Die Stahlsparte bei Thyssenkrupp köchelt umsatztechnisch nur auf schwacher Flamme. Um die Zukunft zu sichern, fasst man unter anderem ein Joint Venture mit der Kretinsky-Holding EPH aus Tschechien ins Auge. Lesen Sie, was man noch plant, um aus den roten Zahlen zu kommen.(Bild:  Thyssenkrupp)
Die Stahlsparte bei Thyssenkrupp köchelt umsatztechnisch nur auf schwacher Flamme. Um die Zukunft zu sichern, fasst man unter anderem ein Joint Venture mit der Kretinsky-Holding EPH aus Tschechien ins Auge. Lesen Sie, was man noch plant, um aus den roten Zahlen zu kommen.
(Bild: Thyssenkrupp)

Der Industriekonzern Thyssenkrupp leidet momentan unter einer schwachen Nachfrage, gesunkenen Preisen und gleichzeitig höheren Produktionskosten, heißt es zum Hintergrund. Von zuvor knapp 2,1 Milliarden sank das Ergebnis auf 703 Millionen Euro und erfüllte damit in etwa die durchschnittlichen Erwartungen der Analysten. Der Umsatz sank um 9 Prozent auf 37,5 Milliarden Euro. Thyssenkrupp setzt für die Zukunft seines Stahlgeschäfts deshalb auf den tschechischen Milliardär Daniel Kretinsky. Dazu verhandeln die Essener über einen Einstieg der Kretinsky-Holding EPH. Der neue Konzernchef Miguel López sehe bei den zu erwartenden höheren Energiekosten und im Zusammenhang mit dem Umbau hin zu einer klimafreundlicheren Produktion, diesen Schritt als eine Möglichkeit, um wieder profitabel zu werden. Nicht zuletzt ließen die Herausforderungen das Essener Traditionsunternehmen tief in die roten Zahlen rutschen.

Thyssenkrupp hatte jüngst bei der Vorlage seiner Jahresbilanz konstruktive und ergebnisoffene Gespräche mit EPH bestätigt, der Holding Kretinskys. Gesprochen werde über ein potenzielles Gemeinschaftsunternehmen (Joint Venture) mit der Tochter Steel Europe, bei der Thyssenkrupp eine Verselbstständigung plane. Wie ein mögliches Joint Venture aussehen könnte, werde noch verhandelt. Wie López in Essen sagte, wird derzeit über ein Modell diskutiert, bei dem Thyssenkrupp und EPH je 50 Prozent halten. Einen Zeitrahmen wollte der Konzernchef aber nicht nennen.

Steigende Kosten für Stahlherstellung nicht alleine tragbar

Zu EPH gehören unter anderem in Ostdeutschland die Braunkohlekonzerne Mibrag und Leag, die künftig verstärkt klimaneutral Strom aus erneuerbaren Energien erzeugen wollen. Die Stahlsparte von Thyssenkrupp soll ja klimaneutral werden. Dafür ist zuerst der Bau einer sogenannten Direktreduktionsanlage zur Stahlerzeugung in Duisburg geplant, die einen Hochofen ersetzen soll. Der Betrieb der neuen Anlage laufe zunächst über Erdgas und später mit immer mehr klimaneutral erzeugtem Wasserstoff, wie es weiter heißt. Der Erfolg der CO2-neutralen Stahlproduktion sei im Wesentlichen abhängig von der sicheren Versorgung mit großen Mengen grüner Energieträger zu wettbewerbsfähigen Preisen. Und Steel Europe werde in absehbarer Zeit einer der größten Verbraucher von Grünstrom und grünem Wasserstoff sein.

Laut Aussage von Thyssenkrupp ist es aber unvorstellbar, von Volatilitäten abhängig zu sein, wie man sie bei den Angebotspreisen für grüne Energien heute kennt. Denn künftig würden die Energiekosten bei der Stahlherstellung bis zur Hälfte der Gesamtkosten ausmachen. Das könne Thyssenkrupp nicht alleine stemmen, wie man anmerkt. Deshalb stehe Thyssenkrupp im Austausch mit möglichen strategischen Partnern aus dem Bereich der Energiewirtschaft. Und deswegen seien auch die Gespräche mit EPH sehr wichtig. Einen Plan B bei einem Scheitern der Gespräche gebe es López zufolge außerdem. Näheres äußerte der Konzernchef dazu aber nicht. Doch schließlich will man Sicherheit für die Beschäftigten und die Kunden, heißt es. Auch der Industriestandort Deutschland dürfe nicht leiden.

Thyssenkrupp-Beschäftigte bräuchten keine Angst haben

Für die Beschäftigten der Sparte sehe der Vorstand Oliver Burkhard deshalb überschaubare Auswirkungen, wie man erfährt. Steel Europe würde außer Thyssenkrupp außerdem einen weiteren Gesellschafter bekommen. Alle bestehenden Tarifverträge, alle Vereinbarungen zur Beschäftigungs- und Standortsicherung sowie alle sonstigen Vereinbarungen im Bereich der betrieblichen Mitbestimmung blieben davon unberührt. Der Ansatz wird, wie man bekräftigt, auch von EPH unterstützt. Insgesamt will Thyssenkrupp das Thema Dekarbonisierung vorantreiben. Zum Oktober hat der Konzern deshalb eine Umstrukturierung seiner Geschäftsbereiche umgesetzt und das Know-how in diesem Zusammenhang unter der neuen Sparte Decarbon Technologies zusammengefasst. Darin enthalten ist auch die börsennotierte Mehrheitsbeteiligung an dem im Kleinwertesegment „SDax“ notierten Elektrolyseur Thyssenkrupp Nucera. Das Unternehmen will den Themenkomplex aber nicht allein auf die neue Sparte beschränkt wissen. „Wir richten den gesamten Konzern auf die grüne Transformation und Zukunftsthemen aus. Zum Beispiel auch Automotive Technology und Materials Services“, gab López dazu an. Der Automotive-Bereich etwa werde im Zuge dessen sein Geschäft im Bereich E-Mobilität weiter ausbauen. Lesen Sie weiter, und erfahren Sie, was im nächsten Geschäftsjahr angestrebt wird.

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