Alles nur Panikmache? Mindestlohnerhöhung bedroht Arbeitsplätze

Quelle: dpa 2 min Lesedauer

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Zum 1. Januar steigt der Mindestlohn um 1,08 Euro. Rund 22 Prozent der direkt betroffenen Unternehmen wollen angesichts dessen Jobs streichen ...

Am 1. Januar 2026 steigt der Mindestlohn um über einen Euro pro Stunde an. Viele Unternehmen wollen darauf mit Jobabbau und/oder Investiotionsstopps reagieren. Die Gewerkschaften halten das für überzogen ...(Bild:  Konjunkurcheck)
Am 1. Januar 2026 steigt der Mindestlohn um über einen Euro pro Stunde an. Viele Unternehmen wollen darauf mit Jobabbau und/oder Investiotionsstopps reagieren. Die Gewerkschaften halten das für überzogen ...
(Bild: Konjunkurcheck)

Mehr als jedes fünfte direkt von der Mindestlohnerhöhung betroffene Unternehmen will als Reaktion ab dem 1. Januar Jobs abbauen, wie eine Ifo-Umfrage aufdeckt. Konkret erwägen diesen Schritt 21,7 Prozent. Allerdings seien davon nur 37 Prozent der Unternehmen direkt betroffen. Unter ihnen sind auch viele Betriebe, die dabei auf Investitionen verzichten und ihre Preise anheben. Der Mindestlohn steigt zum Jahreswechsel von 12,82 auf 13,90 Euro pro Stunde. „Die anstehende Mindestlohnerhöhung zum Jahreswechsel stellt einen bedeutenden Lohnkostenanstieg für die betroffenen Unternehmen dar“, stellt Ifo-Forscher Sebastian Link dazu fest. Die Reaktionen der Unternehmen zeigten, dass die Anhebung des Mindestlohns in der aktuellen Phase der wirtschaftlichen Schwäche besonders schädlich sei. Auffallend ist laut Link, dass die Reaktionen der Unternehmen deutlich schärfer ausfallen, als bei der letzten großen Mindestlohnerhöhung 2022. Damals war es sogar um 1,55 (auf 12 Euro) nach oben gegangen. Vor der Erhöhung 2022 hatten nur 10,6 Prozent der betroffenen Unternehmen einen Stellenabbau geplant. Eine Senkung der Investitionen steht aktuell bei 27,7 Prozent der betroffenen Unternehmen an (damals nur 15 Prozent). In Bezug auf mögliche Preisanhebungen seien die Reaktionen diesmal allerdings etwas geringer. Aktuell planen das 49,7 Prozent statt vormals 54,8. Trotz der angekündigten Reaktionen sehen viele betroffene Firmen negative Auswirkungen. Denn es erwarten 51 Prozent eine sinkende Profitabilität und 36,7 Prozent eine fallende Wettbewerbsfähigkeit.

Das sind die Branchen, in denen Mindestlohn gezahlt wird:

Als direkt betroffen gelten Unternehmen, wenn sie aktuell Mitarbeiter mit einem Stundenlohn unter dem künftigen Mindestlohn von 13,90 Euro je Stunde haben. Das ist besonders oft im Gastgewerbe (mit 77 Prozent), dem Einzelhandel (mit 71 Prozent) sowie in der Textil- und der Nahrungsmittelindustrie (mit 62 respektive 59 Prozent) der Fall. In anderen Sektoren sind es weniger als 40 Prozent der Unternehmen. Im Bereich Maschinenbau und am Bau sogar unter 20 Prozent. In letzterem Sektor mache sich der dort geltende höhere Branchenmindestlohn bemerkbar. Der Anteil der von der Mindestlohnerhöhung betroffenen Arbeitsverhältnisse ist sehr viel geringer, so die Analyse. Denn bei den betroffenen Firmen sind es 15,5 Prozent der Jobs. Über alle Unternehmen – also inklusive der nicht betroffenen – sind es nur 5,8 Prozent. Der mit Abstand höchsten Anteil findet sich im Gastgewerbe. Dort sind es mit 23,9 Prozent fast 25 Prozent der Arbeitsverhältnisse (über alle Betriebe betrachtet).

Gewerkschaftsverbund spricht von Schwarzmalerei

Deutliche Kritik kam vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB). Denn der höhere Mindestlohn von 13,90 Euro wurde, wie es heißt, gemeinsam mit der Arbeitgeberseite in der Mindestlohnkommission beschlossen. DGB-Vorstandsmitglied Stefan Körzell fordert trotz der generell angespannten Lage für den Wirtschaftsstandort Deutschland: „Anstatt permanent sozialpartnerschaftliche Verabredungen infrage zu stellen, sollten die Unternehmen jetzt konstruktiv an Umsetzungsfragen arbeiten.“ Auch das Ifo-Institut nahm Körzell aufs Korn: „Schon vor Einführung des Mindestlohns habe es den Verlust von einer Million Arbeitsplätzen prognostiziert. Stattdessen sei die Beschäftigung nach der Einführung gestiegen!“ Körzell kenne das Lied der „alten Leier“ seit zehn Jahren, denn auch frühere Mindestlohnerhöhungen wurden von Arbeitgeberseite mit düsteren Prognosen begleitet, die in der Realität nicht eingetroffen sind. Allerdings waren damals auch die weltwirtschaftlichen Modalitäten etwas anders gelagert ...

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