Interview mit Prof. Matthias Putz, Fraunhofer IWU Mit dem Menschen erfolgreich produzieren
Wie lässt sich eine Produktion energie- und ressourceneffizient gestalten und welche Rolle spielt dabei der Mensch? Diese und weitere Fragen stellte sich die Fraunhofer-Gesellschaft in ihrem Leitprojekt E³-Produktion. Prof. Matthias Putz vom Fraunhofer-IWU erläutert die Hintergründe.
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Permanent einen technologischen Vorsprung gegenüber dem Stand der Technik aufrechtzuerhalten und diesen für die Märkte verfügbar zu machen, ist das Ziel der Leitprojekte der Fraunhofer-Gesellschaft. Mit E³ wurde nun eines dieser Leitprojekte abgeschlossen.
Prof. Matthias Putz vom Fraunhofer-IWU arbeitete am Projekt mit und erläutert die Hintergründe im MM-Interview.
Was war die Intention hinter dem E³-Konzept?
Prof. Matthias Putz: Die Grundüberlegung stammt aus dem Jahr 2011. Damals erklärte Prof. Neugebauer, der heutige Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft, auf dem Werkzeugmaschinenkolloquium in Aachen, dass wir mit weniger mehr erzeugen müssen, wenn wir die Bedürfnisse der Menschheit global betrachten. In der Produktionstechnik bedeutet das klassisch, mit weniger Kapitaleinsatz mehr Geld zu verdienen. Allerdings haben wir uns entschieden, das Thema mehr auf der Energie- und Ressourcenebene zu betrachten: Wie können wir mit den begrenzten Ressourcen, die der Menschheit zur Verfügung stehen – Rohstoffe, Geld, zeitliche und menschliche Ressourcen – mehr Wertschöpfung generieren? Wir haben uns entschieden, dieser Herausforderung mit dem E³-Konzept zu begegnen.
Für was stehen die drei E?
Prof. Putz: Die drei E stehen für effiziente Technologien und Prozesse, die energieoptimierte Fabrik sowie für den Erfolgsgaranten Mensch. Ersteres beschreibt die produktionstechnische Kompetenz Deutschlands bei Technologie und Maschinen, sprich: die Grundlagen zu verstehen, diese weiterzuentwickeln und mehr noch, diese Kompetenz zu steigern und zu behalten. Das zweite Thema widmet sich der Emissionsfreiheit und Energieautarkie, mit anderen Worten: der Zukunft der Fabrik und Logistik. Das dritte E stand ursprünglich für Ergonomie: Wie schaffen wir es, die ältere Bevölkerung im Produktionsprozess zu halten. Allerdings haben wir schnell gemerkt, dass es hier um weit mehr als Ergonomie geht. Hier spielen auch Themen wie Wissensmanagement, die Motivation der Jugend für die Produktionstechnik sowie Aus- und Weiterbildung eine wichtige Rolle. E³ bedeutet nicht, das eine oder das andere zu realisieren, sondern die Produktion der Zukunft ganz bewusst mit Technologiekompetenz und dem Vermögen zu gestalten, die Fabrikebene und die Logistik neu zu bedenken und auf der dritten Ebene von vornherein den Menschen als Erfolgsgaranten einzubinden. E³ bedeutet, ganzheitlich zu denken und so Synergien zu erzeugen.
Welche Rolle spielt denn der Mensch in einer ressourceneffizienten Produktion?
Prof. Putz: Wird über die Produktion der Zukunft nachgedacht, wird hart ausgedrückt nur wieder über Geld gesprochen. Das bedeutet, die Produktion zu automatisieren und den Menschen zu eliminieren. Aus der Praxis wissen wir, dass wir bei Themen wie der Automatisierung der Produktion auch gesellschaftliche Akteure wie Betriebsräte und Gewerkschaften mit auf den Plan rufen. Hier müssen wir sauber kommunizieren. Ein Beispiel: Viele haben den Eindruck, durch Industrie 4.0 würden Jobs verloren gehen. Die Historie der Automatisierungstechnik hat uns aber auch Beispiele geliefert, dass durch sie Jobs geschaffen wurden. Vor diesem Hintergrund müssen wir darüber nachdenken, wie wir nicht nur für den Menschen, sondern auch mit ihm produzieren können.
Welche Schlüsse ziehen Sie daraus?
Prof. Putz: „Produktion der Zukunft“ bedeutet für mich, dass wir es als Gesellschaft schaffen müssen, junge Leute in die moderne, digitalisierte Produktion zu bringen. Andernfalls verlieren wir unsere Kompetenz in diesem Bereich. Es gibt gute Gründe gegen eine Vollautomatisierung. Eine zu hundert Prozent automatisierte Industrie erfindet sich nicht neu, sie verliert ihr Innovationspotenzial.
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