Werkzeugmaschinen/Präzisionswerkzeuge

Mit Marken und Design will Korea die Welt erobern

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Im vergangenen Jahr haben koreanische Betriebe Maschinen im Wert von 5,1 Mrd. USD gekauft und so hält das Land den 5. Platz auf der internationalen Verbraucherliste hinter China, Japan und Deutschland. Die Werkzeugmaschinenimporte stiegen um 24 % und erreichten 1,8 Mrd. USD, mit Japan eindeutig vor Deutschland in der Liste der Lieferantenländer. Aber auch die eigene Produktion stieg im vergangenen Jahr um 14 % auf 5,6 Mrd. USD.

Trotz Eurokrise stehen die Zeichen im laufenden Jahr auf weiteres Wachstum. Nach Aussage von Jong-Hyeon Shon, dem Vorsitzendern des Werkzeugmaschinenverbandes Komma, wird die Produktion um 12,5 % auf 6,3 Mrd. USD und der Markt für Maschinen um 12 % auf 5,7 Mrd. USD wachsen. „Weiteres Wachstum im Export, vor allem nach China, und eine Belebung des Geschäfts in der Automobilbranche stimmen uns optimistisch“, sagte er Ende April auf der Simtos 2012 in Seoul.

Werkzeugmaschinenhersteller aus Korea expandieren in alle Welt

Die Messe hat auch die zunehmende Stärke der Werkzeugmaschinenproduktion in Korea belegt. Durch eine Erweiterung des Messegeländes war es möglich, die Ausstellungsfläche auf mehr als 102.431 m² (brutto) fast zu verdoppeln. Die Besucherzahl stieg um 58 % auf 111.273.

Mit etwa 35 % ist die Automobilindustrie Koreas der wichtigste Absatzmarkt für Werkzeugmaschinen. Fast 45 % der koreanischen Produktion werden exportiert mit Deutschland als Absatzmarkt auf Platz drei hinter China und den USA.

Bei der internationalen Expansion ist Doosan unter den koreanischen Herstellern am weitesten gekommen. Nach Angaben von Gardner Business Media, das die internationalen Branchenzahlen zusammenstellt, belegt Doosan umsatzbedingt bereits einen beachtlichen Weltranglistenplatz. Anders als der Konkurrent Hyundai-Wia ist Doosan aber in allen Weltregionen stark vertreten. Konkurrent Hyundai-Wia (Platz 11 der Weltrangliste) ist überwiegend in Korea und den USA tätig und in Europa bisher als Werkzeugmaschinenhersteller kaum bekannt. Aber seit Hyundai in der Tschechischen Republik und in der Türkei Autoproduktionen betreibt, wird der Werkzeugmaschinenhersteller sicherlich auch in Europa immer wichtiger.

Der Bearbeitungszentren- und Drehmaschinenhersteller Hwacheon ist in Deutschland schon erfolgreich. Auf der Simtos hat das Unternehmen ein neues, vollautomatisiertes Bearbeitungszentrum vorgestellt, das keine Sichtfenster braucht. Namens Smart Ultimate Automation soll die Maschine ein Minimum an Set-up und Bedienerwissen erfordern. Hwacheon-Drehmaschinen und Dreh-Fräszentren werden seit 2011 exklusiv von Hommel Maschinentechnik vertreten. Über 600 Hwacheon-Maschinen sind in Deutschland schon im Einsatz.

Koreanische Qualitätswerkzeuge auch in Deutschland erfolgreich

Es sind aber nicht nur die koreanischen Maschinenhersteller im deutschen Markt erfolgreich. Vor allem Anbieter von Werkzeugen wie YG-1, Taegutec, Korloy oder Samchully, ein Hersteller von Maschinenkomponenten und Spannfuttern, gewinnen an Bedeutung. Branchenprimus YG-1 ist bereits seit vielen Jahren im deutschen Markt unter Fremdmarken als Lieferant tätig. „Das konkurrenzlose Preis-Leistungs-Verhältnis unserer Präzisionswerkzeuge und die zertifizierte Qualitätskontrolle garantieren unseren Kunden höchste Effektivität und Wirtschaftlichkeit im Produktionsprozess“, sagt Firmengründer Hokeun Song.

Angesichts eines weltweiten Umsatzzuwachses um 51 % war 2011 für die YG-1-Gruppe das beste Jahr in der Firmengeschichte. Der Werkzeughersteller erzielte weltweit einen Umsatz von 480 Mio. USD. Für das laufende Jahr strebt Song ein Wachstum in ähnlicher Größenordnung an.

Derzeit wird im koreanischen Chungju ein neues Werk sowie weitere Produktionskapazität am Stammwerk in Incheon aufgebaut. Auf einer Gesamtfläche von 85.000 m² entsteht in Chungju ein Werk für Gewindeschneidwerkzeuge, um die gestiegene Nachfrage besser befriedigen zu können. Bereits im Dezember 2011 wurden zwei Hallen in Betrieb genommen. In der einen werden Gewindebohrer gefertigt, die andere dient als Zentrallager für Korea und zur Entwicklung kundenspezifischer Anwendungen. In China wird auch am Produktionsstandort Tsingtau investiert. Im vergangenen Jahr hat die Firma insgesamt 60 Mio. USD in Produktionskapazität investiert und sie wird im laufenden Jahr eine ähnlich hohe Summe investieren, sagt Firmenchef Song.

Die YG-1 Deutschland GmbH mit Sitz in Eschborn hat 2010 begonnen, ihr Händlernetz aufzubauen. Aktuell vertreiben 14 Handelshäuser die Zerspanungswerkzeuge. Angestrebt werden auf dem deutschen Markt 20 bis 22 Vertretungen. „Für 2012 planen wir eine Verdoppelung unseres Umsatzes“, erläuterte Manfred van Bebber, General Manager von YG-1 Deutschland, auf der Metav im Frühjahr. Dies wird auch notwendig sein um das weltweite Ziel von Firmengründer Song zu erreichen: Bis 2020 soll der Umsatz auf 2 Mrd. USD vervierfacht werden.

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